müßt , will und muß ich es auch . Morgen in der Hütte werd ' ich mit dem Hüttenmeister sprechen , ihm sagen , daß Ihr die geschicktesten Steinmetzen verlangt , und daß es eine Ehre für die sein wird , welche wir senden . Ulrich und Hieronymus sind die besten ; wählt der Werkmeister sie selbst und schlägt sie vor , so werde ich freudig beistimmen - einen Vorschlag selbst kann und mag ich nicht machen ; ich habe Ulrich schon mehr als einmal gegen seine Neider und Feinde geschützt - ich werde Nichts thun , was sie vermehren könnte . - Und nun eilt Euch , damit Ihr zur rechten Zeit heim kommt , ehe sie zur Hora läuten . Dem Abt vermeldet meinen Gruß und daß übermorgen die Steinmetzen kommen würden ; die Bedingungen wird ihnen der Werkmeister schriftlich mitgeben . - Da , leert noch einen Becher , ehe Ihr in die Winterkälte hinauswandert . « » Auf Ulrich ' s Wohl - und Euch zum Dank ! « sagte Amadeus , mit seinem frischgefüllten Humpen an den des Propstes stoßend . Dann zog er die Kaputze über sein Haupt , nahm seinen Wanderstecken und verließ das Haus . Der Propst sah ihn bekümmert nach und überließ sich eine Weile bangen und traurigen Gedanken . Aber es war seine Gewohnheit , denselben nie zu lange nachzuhängen ; er schellte der Wirthschafterin und sagte ihr , daß er noch einmal ausgehen werde - er hatte das Bedürfniß sich in heiterer Gesellschaft zu zerstreuen , und die Collegen und Rathsherren , in deren Mitte er sich bald gesprächig und frohgelaunt wie immer bewegte , merkten ihm nicht an , daß er eben eine so ernste und ihn quälende Unterredung gehabt . Drittes Capitel Die beiden Baubrüder An demselben Abend , an welchem die Baubrüder Ulrich von Straßburg und der blonde Hieronymus Gegenstand des Gespräches zwischen dem Propst und dem Mönch gewesen waren , saßen die ersten Beiden wie gewöhnlich allabendlich zusammen in ihrer schlichten Wohnung . Die Mutter des Hieronymus hatte ihnen einen großen Topf Suppe im Zimmer gekocht und nickte fröhlich lächelnd mit dem wankenden Kopfe , selbst die größte Freude darin findend , daß sie es ihren Söhnen so behaglich gemacht , denn auch Ulrich war ihr im Laufe der Zeit wie ein zweiter Sohn geworden - nannte doch ihr Hieronymus ihn auch Bruder . Ist es doch auch immer von jeher Frauen- und Mutterart gewesen , an das Wesen sich am innigsten zu schließen , das die meisten Sorgen , Mühen und Aengsten verursacht , und hatte nun doch auch Mutter Martha dies Alles um Ulrich empfunden , seit man ihn länger als einem Jahr in einer Septembernacht für todt in das Haus getragen , aus mehr als einer Wunde blutend . Wochenlang hatte er damals bewußt- und regungslos zwischen Tod und Leben gerungen , und wenn auch der berühmteste Bader Nürnbergs im Auftrag Herrn Christoph Scheurl ' s alltäglich mehrmals kam , seine Wunden neu zu verbinden , und Hieronymus alle Nächte an seinem Lager wachte , am Tage mußte er doch zur Arbeit in die Bauhütte , und da war es immer seine Mutter , die den Kranken mit sorgsamer Hand pflegte und jede Liebeswohlthat ihm erwies . Zum Glück war wenigstens dabei kein Mangel , wie wenig Ulrich auch selbst besaß ; denn wenn ein Baubruder krank war und nicht zur Arbeit kommen konnte , so erhielt er dennoch aus der Hütte den vollen Wochenlohn ausbezahlt , damit er davon verpflegt würde . Nun nahm auch der Bader durchaus keine Bezahlung und brachte alle Medicamente unentgeltlich mit . Auch der Propst Kreß sprach öfter vor und sandte immer von seinen Vorräthen aus Küche und Keller , besonders wie der Kranke einmal so weit war , daß er sich deren bedienen konnte . Ein paarmal kam in der Dämmerung auch ein fremder Knabe , der Größe nach etwa fünfzehn Jahre alt , brachte Wäsche , Geld und Erfrischungen für den Verwundeten , fragte immer sehr angelegentlich und ängstlich nach ihm , und suchte sich wenigstens zwischen die Thür zu drängen , um einen Blick auf den bewußtlosen Ulrich zu werfen . Wenn die alte Frau ihn fragte : woher das komme ? antwortete der Knabe stets : er habe schwören müssen , es nicht zu sagen und sie solle auch mit Niemanden davon reden . Anfangs nahm es die Frau und auch Hieronymus hatte Nichts dagegen ; als aber nach etwa sechs Wochen Ulrich ' s Fieber nachließ , er wieder zur Besinnung kam und man ihn allmälig Alles erzählte , was indeß für ihn geschehen , widersetzte sich sein Stolz solchen Gaben , und er verpflichtete seine treuen Pfleger , dergleichen nicht mehr anzunehmen , nur von seinem Vorgesetzten und Gönner , dem Herrn Propst , meinte er sich nicht weigern zu dürfen . Aber von fremden Leuten erklärte er Nichts zu nehmen , und auch dem Bader sagte er , daß er seine Wunden im Dienste christlicher Pflicht , aber nicht in dem des Herrn oder der Frau Scheurl sich geholt , daß weder sie ihm verpflichtet wären , noch er sich ihnen verpflichten wolle . Der Bader erzählte ihm , daß Frau Scheurl seit derselben Zeit am hitzigen Fieber darniederliege und daß sie schwerlich mit dem Leben davonkommen werde . Uebrigens aber bemühte er sich , so wie bei Elisabeth , auch bei Ulrich und Hieronymus vergeblich , nähere Aufklärungen über einen Vorfall zu erhalten , über den die widersprechendsten Gerüchte umliefen . Als der fremde Knabe mit seinen Gaben wieder kam , ließ ihn Ulrich selbst an sein Lager kommen , um zu erforschen , wer ihn sende . Der Knabe ward glühendroth vor Verlegenheit , brachte fast kein Wort hervor , und da Ulrich jede Annahme aus fremder Hand verweigerte , auch Hieronymus und seine Mutter hinzukamen , mit Fragen und sogar Drohungen in den Knaben drangen , die Wahrheit zu gestehen , sprang er weinend auf ,