Johannes erzählte , daß man Amrei auch die Salzgräfin hieße , und fügte dann die Geschichte von dem König und seiner Tochter hinzu . Das war ein glückseliges Beisammensein in der Stube , im Hof und auf dem Felde , und der Bauer sagte immer : es habe ihm seit Jahren das Essen nicht so geschmeckt wie jetzt , und er ließ sich von Amrei drei- viermal des Tages , zu ganz ungewöhnlichen Zeiten Etwas herrichten und sie mußte bei ihm sitzen bis er gegessen hatte . Die Bäuerin führte Amrei mit innerstem Behagen in den Milchkeller und in die Vorrathskammern und auch einen großen buntgemalten Schrank voll schön geschichteter Leinwand öffnete sie und sagte : » Das ist deine Aussteuer ; es fehlt nichts als die Schuhe . Mich freut ' s besonders , daß du dir deine Dienstschuhe so aufgespart hast . Ich habe da meinen besondern Aberglauben . « Wenn Amrei sie über Alles fragte wie es bisher im Hause gehalten worden , nickte sie und schluckte dabei vor Behagen , sie drückte aber ihre Freude als solche nicht aus , sondern nur in dem ganzen anheimelnden Ton , mit dem die gewöhnlichsten Dinge gesprochen wurden , lag die Freude selbst als innewohnender Herzschlag . Und als sie nun begann Barfüßele Einzelnes im Hauswesen zu übergeben , sagte sie : » Kind , ich will dir was sagen : wenn dir was im Hauswesen nicht gefällt , an der Ordnung wie ' s bis jetzt gewesen ist , mach ' s nur ohne Scheu anders wie dir ' s ansteht ; ich gehöre nicht zu denen , die meinen , wie sie ' s eingerichtet haben , so müsse es ewig bleiben und da ließe sich gar nichts daran ändern . Du hast freie Hand und es wird mich freuen , wenn ich frischen Vorspann sehe . Aber wenn du mir folgen willst , ich rath ' dir ' s zu Gutem , thu ' s nach und nach . « Das war eine wohlthuende Empfindung , in der sich geistig und körperlich jugendfrische und allbewährte Kraft die Hand reichten , indem Amrei von Grund des Herzens erklärte , daß sie Alles wohlbestellt finde und daß sie hochbeglückt und beseligt sein werde , wenn sie einst als alterlebte Mutter das Hauswesen in einem solchen Zustande wie jetzt zeigen könne . » Du denkst weit hinaus , « sagte die Alte . » Aber das ist gut , wer weit vor denkt , denkt auch weit zurück und du wirst mich nicht vergessen , wenn ich einmal nicht mehr bin . « - Es waren Boten ausgegangen , um den Söhnen und dem Schwiegersohne des Hauses das Familienereigniß anzukündigen und sie auf nächsten Sonntag nach Zusmarshofen zu entbieten und seitdem träppelte der Alte immer noch mehr um Amrei herum , er schien Etwas auf dem Herzen zu haben und es wurde ihm schwer , es herauszubringen . Man sagt von vergrabenen Schätzen , daß ein schwarzes Unthier darauf hockt und in den heiligen Nächten erscheint auf der Oberfläche , wo solch ein Schatz begraben ist , ein blaues Flämmchen und ein Sonntagskind kann es sehen , und wenn es sich dabei ruhig und unerschütterlich verhält , kann es den Schatz heben . Man hätte es nicht glauben sollen , daß in dem alten Landfriedbauer auch solch ein Schatz vergraben wäre und darauf hockte der schwarze Trotz und die Menschenverachtung , und Amrei sah das blaue Flämmchen darüber schweben und sie wußte sich so zu verhalten , daß sie den Schatz erlöste . Es ließ sich nicht sagen , wie sie ' s dem Alten angethan , daß er das sichtliche Bestreben hatte : vor ihr als besonders gut und treumeinend zu erscheinen ; schon daß er sich um ein armes Mädchen so viel Mühe gab , das war ja fast ein Wunder . Und nur das war Amrei klar : er wollte es seiner Frau nicht gönnen , daß sie allein als die Gerechte und Liebreiche erschien und er als der Bissige und Wilde , vor dem man sich fürchten müsse ; und eben das , daß Amrei bevor sie ihn erkannt , ihm gesagt hatte : sie glaube , es sei ihm nicht der Mühe werth , vor den Menschen gut zu erscheinen - eben das machte ihm das Herz auf . Er wußte , so oft er sie allein traf , jetzt so viel zu reden , es war als hätte er alle seine Gedanken in einem Spartopf gehabt , den er nun aufmachte : und da waren gar wunderliche alte abgeschätzte Münzen , große Denkmünzen , die gar nicht im Umlauf sind , die nur bei denkwürdigen Gelegenheiten geprägt wurden , auch unvergriffene und zwar ganz von Silber , ohne Kupferzuthat . Er konnte seine Sache nicht so gut vorbringen wie damals die Mutter zu Johannes . Seine Sprache war steif in allen Gelenken , aber er wußte doch Alles zu treffen und er benahm sich fast , als ob er der Annehmer Amrei ' s gegen die Mutter sein müsse und es war nicht uneben als er ihr sagte : » Schau , die Bäuerin ist die gut Stund ' selber , aber die gut Stund ' ist noch nicht gut Tag , gute Woch ' und gut Jahr . Es ist halt ein Weibsbild , bei denen ist immer Aprilwetter und ein Weibsbild ist nur ein halber Mensch , darauf besteh ' ich , und da bringt mich Keines davon . « » Ihr redet uns schönes Lob nach , « sagte Amrei . » Ja , es ist wahr , « sagte der Alte , » ich red ' ja zu Dir , aber wie gesagt : die Bäuerin ist seelengut , nur zu viel , und da verdrießt sie ' s gleich , wenn man nicht macht , was sie will , weil sie ' s doch so gut meint , und sie glaubt , man wisse nicht wie gut sie