etwas Ueberwältigendes in dem Blicke der äußersten Entrüstung , was man nicht vergisst , im Tone der Stimme ein Metall , das Keiner bis da gehört ; es tönte durch das Zimmer und in den nächsten Sekunden hörte man nichts anderes . Er hatte sie unwillkürlich losgelassen . Sie standen nicht einen Schritt von einander , und ihre Blicke begegneten sich . Sie wollte sprechen , aber die Stimme versagte ihr . Thränen wären eine Wohlthat geworden , es überstürzte sie nur eine krankhafte Hitze , der sogleich eine fieberhafte Kälte folgte . Sie wandte den Kopf ab , bedeckte das Gesicht , und , ein Schrei der gepressten Brust , stürzten die Worte heraus : » O , mein Gott , wo bin ich hingerathen ! Was ist das mit mir ! « Sie wankte ; aber sie schauderte vor der Obristin , die sie auffangen wollte , sie tappte mit aufgehobenen Armen , als der junge Mann eine Bewegung machte , war ' s , seine Beute wieder zu ergreifen , war ' s , der Ohnmächtigen beizustehen . Aber die Erscheinung eines andern fremden Mannes der ein : » Halt , mein Herr ! « ihm entgegen rief , veränderte die Scene . Es war ein hochgewachsener Mann von leichtem , vornehmem Anstande . In seinem blassen , ausdrucksvollen Gesicht , in dem man einen Philosophen , Staatsmann , wenigstens einen Denker erkennen mögen , brannten auch zwei dunkle Augen , nicht groß , aber bedeutend durch den Ausdruck edlen Zornes , der in ihnen glühte . Ein Mann von mittleren Jahren , der aber durch die Entrüstung , den Stolz seiner Haltung , die Elasticität der Bewegung , um vieles jünger schien . Es war ohne Zweifel das bedeutendste , ausdruckvollste Gesicht im Zimmer , vielleicht , was man überhaupt in diesen Räumen gesehen , ein Mann , in dem jeder Muskelzug , jede Bewegung die Weltkenntniß und Erfahrung ausdrückten und ein Mann , der geboren schien , um zu imponiren . Den leichten Umwurfmantel , mit dem er ins Zimmer getreten , hatte er schon an der Thüre abgeworfen und stand im schwarzen Civilkostüm dem Andern gegenüber . Auf dem Gesichte dieses Jüngern , dem die Leidenschaften viele Falten eingedrückt hatten , suchte man indeß umsonst nach einem Zuge , der eine Inklination verrieth , sich imponiren zu lassen . Mit einem verächtlichen Achselzucken : » Das geht Sie nichts an ! Die Dame ist ohnmächtig ! « wollte er an ihm vorüber . Ein : » Elender zurück ! « donnerte ihm entgegen . » Ihr Arm darf die Unschuld nicht berühren . « Die Hand des Kavaliers hatte die Halsbinde des jungen Mannes gefasst , als dieser auch auf diese Worte nicht geachtet . Ein fürchterlicher Blick des Jüngeren , während seine Arme krampfhaft zitterten , sagte dem Kavalier , was er im nächsten Moment erwarten konnte , wenn er nicht zuvor kam . Louis war unzweifelhaft der Stärkere , aber er war in einer ungünstigen Stellung , des Angriffs nicht gewärtig , noch vom wüsten Traumschlaf ermattet . Der Kavalier war auf einen Angriff gefasst eingetreten , wahrscheinlich ein gewandter Fechter , der die Schwäche des Gegners zu nutzen weiß . Ihn kurz an sich ziehend , warf er ihn mit einem heftigen Stoß zurück : » Schlafen Sie Ihren Rausch aus ! « Louis fiel auf einen hinter ihm stehenden Stuhl ; doch so heftig gegen die Lehne geschleudert , daß er einen Moment besinnungslos blieb . Ein fürchterlicher Moment . Heulen , Schreien , Lärm jeder Art. Es polterte von oben , es stürmte die Treppen herauf , Leute waren eingedrungen ins Haus , schon sogar als ungerufene Zeugen ins Zimmer . Als Adelheid , an die Wand gelehnt , ihre Besinnung zurückkam , hatte auch der junge Mann sie wieder gewonnen . Es war der entsetzlichste Blick , den sie gesehen , eine Basiliskenblick , die Zornader glühte auf seiner Stirn und die Brust hob sich wie eine Meereswelle , als er aufsprang und nach einer Waffe griff . » Mord ! « » Todtschlag ! « » Polizei ! « - » Blut ! « schrieen verwirrte Stimmen . Dem Stuhle , den der Rasende wie eine Keule in der Luft schwang , hätte der Galanteriedegen , den der Andere rasch gezogen , nicht parirt . Aber die Obristin fasste nach dem Stuhlbein , als der Degen schon mit einem gefährlichen Parirstoß nach der Brust zückte . Jülli sah die Spitze funkeln , sie hing an Louis Brust , sie umklammerte seinen Hals , ein Schild , das ihn schützte , aber ihm die freie Bewegung raubte : » Louis , nicht Dein Blut ! « Der Stoß des nur zur Vertheidigung gezückten Degens hätte tödtlich werden können , wo der Feind in blinder Wuth sich auf den Gegner gestürzt hatte , als Adelheid dem Kavalier in die Arme fiel : » Um Gottes , um Gottes Barmherzigkeit willen , kein Blut um mich ! « Es war alles das Werk eines Momentes . Die Degenspitze hatte Jülli ' s Schulter gesteift ; es rieselte roth von ihrem Nacken . Im selben Augenblicke trennte ein dritter Fremder die Kämpfer . » Auch Mord und Blut in diesem Sündenhaus ! « Des Predigers Gesicht war krampfhaft verzogen , er hob die zitternden Arme gegen die Obristin ; er drohte ihr , aber die Stimme schien auch ihm zu versagen . Er griff in die Tasche und warf ihr eine kleine Börse zu Füßen : » Weib , mach ' Dich bezahlt mit meinem Sparpfennig . « Der Lärm hatte inzwischen einen bacchantischen Charakter angenommen . Den Pöbel kitzelte die wilde Luft , hier die Nemesis zu spielen , zerstören zu können . Die Träger der Effekten des Predigers , die er in aller Hast hinunterschaffen ließ , fanden auf Treppen und Thüren kaum Durchweg ; man wollte untersuchen , ob nichts Verdächtiges damit entschlüpfe . Rohe Witzworte begleiteten diese