hätte ja das wilde Thier die ganze hölzerne Lady in Grund und Boden zertreten .... Leda ! Leda ! Excellenz ; eine allerliebste Nymphe aus dem Alterthum - berichtigte Melanie . Enfin , schloß Baron von Harder , der sehr angenehm ins Feuer gerieth , enfin , Frau von Trompetta fiel über diese antike Scenerie in Ohnmacht , und meine Frau , die ja dabeistand , wußte nicht , womit wir sie anders trösten sollten , als .... Ich zeichnete im Nebenzimmer , unterbrach Melanie , und beobachtete den ganzen Vorfall . Die geistreiche Frau Geheimräthin schalt Frau von Trompetta in einem kaum unterdrückten Zornausbruch kindisch und sagte vor allen Malern : O , schämen Sie sich , Trompetta . Sie fürchten sich vor Schwänen und reden den ganzen Tag vom Schwanenorden ! Das sagte sie und fügte hinzu : Das ist nun da ein Schwan , ein echter isländischer ! Und nun machen Sie den Lärm ! Aber , bei aller Achtung vor der Geheimräthin von Harder , ich hielt diese Vorwürfe für ungerecht . Ich glaube , Frau von Trompetta fiel in Ohnmacht nicht über das Beißen der Thiere , sondern über das Sujet des Herrn Heinrichson , über die Puppe , über die Idee des Ganzen . Heinrichson zeichnete lachend und freute sich , je wilder und toller sich das abscheuliche Thier gebehrdete .... Die Schwäne machten Aufsehen , fuhr Herr von Harder fort . Man wollte sie sehen , alle Freundinnen meiner Frau wohnten den Wiederholungen der Action bei , und Frau von Trompetta ... denken Sie sich , Frau von Trompetta gewöhnte sich an das Schauspiel und hatte später selbst darum gebeten , noch einmal dabei sein zu können , falls sie von der Estrade in dem Atelier aus zusehen dürfte . Aber wie gesagt , das erste mal , aus Furcht , gebissen zu werden , fiel sie in Ohnmacht , sodaß meine Frau nichts Anderes wußte , sie wieder ins Leben zurückzurufen , als daß Heinrichson - ein berühmter Maler , sehr ausgezeichneter Künstler und Weltmann - versprach , meiner Frau zu Gefallen und aus Dank für die königlichen Schwäne ihr nun auch ein schönes Blatt für das Gethsemane zu machen . Ah ! sagte man allgemein , von der Anekdote vortrefflich unterhalten . Alle lachten , selbst Frau Pfannenstiel . Nur Einem schien dieses Durcheinander von Lachen , Erzählen und Fragen im höchsten Grad unheimlich , dem Pfarrer Guido Stromer . Die Ausdrücke : Maler , Schwan , Schwanenorden , Leda , Solitude , Gethsemane - gingen so bunt an seinem Ohr übereinander weg , daß ihm schwindelte . Aber die heilige Entrüstung , die er sonst bei einer Erzählung würde gefühlt haben , die so ganz und gar nicht in die alten Erinnerungen dieser Räume paßte , überkam ihn zu seinem eigenen Staunen nicht mehr . Zu lachen vermochte er freilich nicht . Fehlten ihm doch die Verbindungsfäden näherer Bekanntschaft mit den Personen und die genauern Details . Aber es war da Etwas in ihm von eigenthümlichen Jugenderinnerungen , die ihn ergriffen und ihn wonnig überrieselten . Er gedachte , so im Stillen grübelnd , der Zeiten , wo er noch in akademischen Jahren den Trieb hatte , bei einem berühmten Archäologen Kunstgeschichte zu hören , wo er noch mit aufmerksamer , herzinniger Betrachtung durch die Säle einer Kunstausstellung schreiten und marmorne Gestalten mit Professor Tholuck , den er in Halle später hörte , noch nicht Götzenbilder nannte ! Er strich sich nachdenkend über die Augen , er , der außer Melanie der Einzige war , der etwas Genaueres von der Mythe der Leda , die die Unwissenheit des Intendanten mit einer Lady verwechselt hatte , verstand und diese Mythe zu deuten wußte . Als nach dem Lachen eine Pause eingetreten war und Alles nun zu ihm , dem heiligen schweigenden Manne , mit einer gewissen Befangenheit hinblickte , sagte er mit sehr leiser Stimme : Ich wollte mir nur die einfache Frage erlauben , was es mit dem vorhin mehrerwähnten Gethsemane der Frau von Trompetta für eine Bewandtniß hat ? Melanie erklärte es ihm , indem sie noch einige Entdeckungen über die Art , wie Frau von Trompetta ihr Album zu sammeln und einer gewissen geräuschvollen Wohlthätigkeit zu widmen verstand , zu erzählen wußte . So ! so ! war Stromer ' s ganze Antwort . Er versank in ein stilles Nachdenken und spann Betrachtungen für sich aus , die ihn auch auf die große Ähnlichkeit führten , die zwischen einer von ihm einst bewunderten Leda der dresdener Galerie und der reizenden Melanie bestand . Er blickte nieder , brütend , abwesend und nur unheimlich schoß sein Auge zuweilen einen Blick empor , der forschend über die Versammlung glitt . Er überdachte einen andern Entwickelungsweg , den er hätte zurücklegen können , wenn die hohe Frau , die ihn an den Pietismus , an sein einfaches Weib , an seine fünf Kinder und diese Dorfpfarre fesselte , nicht eine Fürstin gewesen wäre .... Nachdem sich , wie immer , wenn ein Gegenstand erschöpft ist , um den Theetisch eine gewisse Stille eingestellt hatte und Henning von Harder noch in dem Gefühl , durch interessante Entdeckungen eine ganze , wenn auch seiner nicht würdige Gesellschaft angeregt zu haben , sich wiegte , versuchte nun auch der Commerzienrath von Reichmeyer sich geltendzumachen . Er stellte seine Theetasse auf den runden Tisch , auf dem inzwischen schon die große Lampe aufgetragen wurde , räusperte sich und bemerkte : Soeben las ich in der Zeitung die Ankunft des Prinzen Egon von Paris . Wer kennt den Prinzen Egon ? fragte Melanie mit einiger Lebhaftigkeit , ohne jedoch aufzuhören , sich in einem Fauteuil lang auszustrecken und dabei sorglos und fast abgespannt mit einem Fächer von Maraboutfedern zu spielen . Als Alles schwieg , richtete sie ihren Blick auf den Intendanten und sagte : Sie vielleicht , Excellenz ? Ich habe nicht die Ehre , Se . Durchlaucht zu kennen , bemerkte Herr von Harder