die sich jetzt zum ersten Male im Leben einander gegenüber standen . Die unschönen , bleichen Züge Theresen ' s , aus denen jedoch die Würde einer edlen Seele , die Ruhe wahrer Weiblichkeit sprachen , selbst ihre schlichte Kleidung , bildeten einen großen Gegensatz gegen Frau von Reichenbach , die vor Zorn erglühend , in leidenschaftlicher Unruhe , fast erlag unter der Last ihres überladenen Anzugs . Beide hatten wohl ein anderes Bild von einander gehabt und sahen sich einen Moment befremdet an . Daß Alfred diese Frau nicht lieben , daß er von ihr nicht verstanden werden konnte , fühlte Therese deutlich und sie beklagte ihn von Herzen , während Caroline sich fragte : Wie kann Alfred mir , eben mir dieses bleiche , nicht schöne Mädchen vorziehen ? Was kann ihn an sie fesseln ? und sollte es mir nicht gelingen , ihn zu mir zurückzuführen , wenn er uns neben einander sähe ? Ein Gefühl von Triumph erhob sich in ihrer Brust , trotz der Verlegenheit , die immer mehr Herrschaft über sie gewann , so daß sie keine Worte für Das zu finden wußte , was sie seit lange beschlossen hatte , der verhaßten Nebenbuhlerin zu sagen . Endlich war es diese , die sich überwand . Was verschafft mir die Ehre , Sie zu sehen , gnädige Frau ? Ich will nicht glauben , daß Sie herkamen , sich an meiner Kränkung zu erfreuen ! sagte sie so ruhig als sie es vermochte . Ihre Kränkung ! rief Caroline , und wodurch sind Sie gekränkt ? Ich verstehe Sie nicht . Therese reichte ihr statt der Antwort das verhängnißvolle Blatt . Frau von Reichenbach durchlas es und sagte mit einem bösen Aufwerfen der Lippen : Ist es meine Schuld , wenn ein Gerücht , das in unserer Gegend allgemein verbreitet ist und an das ich leider selber glauben muß , den Weg in die Zeitungen findet , da mein Mann leider zu denen gehört , die sich als öffentliche Charaktere derlei auch gelegentlich gefallen lassen müssen . Die Worte » mein Mann « von Carolinen ' s Lippen ausgesprochen durchzuckten Therese wie ein Dolchstoß und wider ihren Willen schlug sie die Augen zu Boden , als Caroline heftig ausrief : Sie sagen , daß Sie leiden ! und was habe ich anders gethan , als gelitten , seit vielen Jahren und immer nur und ganz allein durch Sie ! Ich hatte einen Bräutigam , der mich anbetete , von dem ich das höchste Glück erwartete . Da traten Sie dazwischen und raubten mir seine Liebe . Das Andenken an Sie hat mir sein Herz entfremdet , unsere Ehe unglücklich gemacht . Ich war die Kälte meines Mannes endlich gewohnt worden , ich fing an Ersatz in meinem Sohne zu finden und gab mich endlich darein . Da treten Sie zum zweiten Male zwischen meinen Mann und mich , da verbannen Sie mich aus seiner Nähe und trennen mich von ihm und meinem Kinde . Kennen Sie eine Einsamkeit wie die , in der ich gelebt habe die ganze Zeit hindurch ? Ein edler , verständiger Freund räth mir , Alfred noch einmal zur Versöhnung zu überreden . Auf seine Veranlassung fahre ich hierher . Ich treffe am Abende hier ein , aber ich wage nicht das Haus meines Mannes , mein Haus , als das meine zu betrachten , ich muß ein Zimmer in einem Hôtel beziehen . Ich bin an demselben Orte mit meinem Manne und meinem Sohne und ich soll Beide nicht sehen . Mein Mann weiset mich von sich und verweigert mir meinen Sohn , weil er Sie liebt . Die Leiden , die Sie mir verursachen , sind in der That größer , als der Verdruß , den Sie über den Bericht empfinden können , den ich jetzt bei Ihnen zum ersten Male sehe . Sie hätte noch lange fortfahren können zu sprechen , ohne von Therese unterbrochen zu werden . Der Gedanke , daß man ihrem Verhältniß zu Alfred eine falsche Deutung geben könne , war ihr bis zu diesem Tage nie gekommen . Die heimliche Anklage der Zeitung , Carolinen ' s Vorwürfe fielen wie ein grelles Licht in ihre Seele und zeigten ihr ihr eignes Bild in völlig veränderter Gestalt . Großmüthig , wie ihre Natur es war , vergaß sie , daß es die üblen Eigenschaften Carolinen ' s waren , welche Alfred von dieser entfernt hatten . Nur das Gefühl , sie erstrebe die Liebe , sie besitze das Herz eines Mannes , der einer Andern Treue geschworen habe , sie stehe trennend zwischen den Eheleuten , war in ihr rege . Sie fühlte sich tief erniedrigt und beschämt und ihre Thränen strömten unaufhaltsam . Diese unverkennbare Bewegung ihrer Nebenbuhlerin stimmte Frau von Reichenbach allmälig milder . Sie hatte erwartet , eine Frau in Therese zu finden , die , stolz in ihrem Glücke , den Anforderungen Hohn sprechen würde , welche sie zu machen gekommen war . Theresen ' s leidendes Aussehen , ihr Schmerz , den Caroline für Reue hielt , söhnten sie gewissermaßen mit ihr aus und gaben ihr Hoffnung . Sie faßte die Hand der Weinenden und sagte nicht ohne eigene Rührung : Mein Mann hat Sie mir so oft als gut und edel geschildert , mein Fräulein ! Zeigen Sie mir , daß Sie es sind . Geben Sie ihn frei ! Ich will nicht leugnen , ich trage einen Theil der Schuld , die unsere Ehe verdarb ; aber sind Sie denn fehlerlos ? Ich liebe meinen Mann , ich habe empfinden lernen , wie er mir fehlen würde überall , daß ich nicht glücklich sein kann ohne ihn , und er ist meines Sohnes Vater . Geben Sie ihn frei ! Wollte Gott , ich könnte das ! sagte Therese leise . Sie können es ! rief Caroline . Nehmen Sie ihm nur die Hoffnung , sagen Sie ihm nur , daß Sie ihn nie heirathen würden ,