alte Paassch befindlich , item ich und mein lieber Gevatter , und zeigete uns der Junker nunmehro ein Stücklein Talg bei der Größe einer guten Nuß , so auf dem Boden lag , und womit die ganze Brücke übergeschmieret war , so daß sie fast ein weißlich Ansehn hatte , was aber männiglich in der Angst für Mehlstaub aus der Mühlen gehalten , item mit einer andern materia , so als Marderdreck stunk , wir aber nicht erkannten . Bald darauf funde ein Kerl auch noch ein ander Stücklein Talg , und zeigete es dem Volk , worauf ich ausrief : ho ho das hat Niemand , denn der gottlose Mühlenknappe gethan vor die Prügel , die ihm der Amtshaubtmann hat geben lassen , weil er mein Töchterlein gelästert und erzählete nunmehro den Fürfall , von welchem Dn . Consul auch gehöret , und dannenhero alsogleich den Müller rufen ließ . Selbiger that aber als wüßte er von Nichtes , und berichtete nur , daß sein Mühlenknappe seit einer Stunden abgewandert sei . Doch sagete ein Mädken , so bei dem Müller im Dienst stunde , daß sie heute Morgen für Tagesanbruch , als sie aufgestanden , umb das Vieh auszulassen , den Knappen habe auf der Brücken liegen und scheuren sehen . Hätte sich weiters nicht daran gekehret , sondern wäre alsbald noch wieder eine Stunde schlafen gangen . Wohin der böse Bube aber gewandert , wollte sie so wenig in Erfahrung gezogen haben , denn der Müller . Als der Junker diese Kundschaft erlanget stieg er auf den Wagen und hub an das Volk zu vermahnende , wobei er letzlich es auch persuadiren wollte , nicht mehr an Zauberei zu gläuben , dieweil sie sähen , wie es mit der Hexerei befindlich wäre . Als ich solches hörete , entsatzte ich mich , wie billig in mein priesterlichen Gewissen , und stieg auf das Wagenrad und bliese ihm ein , daß er umb Gottes willen von dieser Materia aufhören sölle , dieweil das Volk , wenn es den Teufel nicht mehr fürchte , auch unsern Herrgott nicht mehr fürchten würde4 . Solches thät der liebe Junker mir auch alsogleich zu Gefallen , und fragete nur das Volk noch , ob sie jetzunder mein Töchterlein ganz für unschuldig hielten . Und nachdem sie » ja ! « gesaget , bate er sie , nunmehro geruhsam nach Hause zu gehen und Gott zu danken , daß er unschuldig Blut gerettet . Er wölle jetzo auch wieder umbkehren und hoffe er , daß Niemand mich und mein Töchterlein beschweren würde , wenn er uns allein nacher Coserow zurückfahren ließe . Hierauf wandte er sich eilends an selbige , gab ihr die Hand und sprach : » Lebe Sie wohl liebe Jungfer , ich hoffe Ihre Ehre auch bald vor der Welt zu retten , und danke Sie nicht mir , sondern Gott ! « Also machte ers auch mit mir und meinem lieben Gevatter , worauf er von dem Wagen sprang und bei Dn . Consuli auf seinen Wagen sitzen ging . Selbiger hatte auch bereits etzliche Worte zum Volk gesprochen , auch mich und mein Kind umb Vergebung angerufen ( und muß es ihme zur Ehre nachrühmen , daß seine Thränen dabei auf die Backen niederflossen ) wurde aber von dem Junker also sehr gedränget , daß er kürzlich abbrechen mußte , und sie ohne sich umbzusehen über die kleine Brücke von dannen fuhren . Nur Dn . Consul sahe sich noch einmal umb und rief mir zu : daß er in der Eil vergessen habe , dem Scharfrichter zu avertiren , daß heute nicht gebrennet würde ; ich müge also in seinem Namen meinen Fürsteher von Uekeritze auf den Berg schicken und ihm solches sagen lassen , was ich auch that . Und ist der Bluthund auch noch in Wahrheit auf dem Berg gewest , doch obwohl er längst gehöret was fürgefallen , hat er doch so erschröcklich zu fluchen angefangen wie der Schulze ihm den Befehl Eines ehrsamen Gerichtes überbracht , daß es einen Stein hätte erwecken mögen , hat auch seine Mütze sich abgerissen , und selbige mit Füssen getreten , woraus man gießen mag , was an ihme ist . Doch umb wieder auf uns zu kommen , so saß mein Töchterlein , also still und blaß wie eine Salzsäule nachdem der Junker sie so plötziglich und unvermuthet verlassen , wurde aber alsbald in Etwas wieder getröstet , als die alte Magd angelaufen kam , ihre Röcke bis an die Knie aufgeschürzet , und ihre Strümpfe und Schuhe in den Händen tragend . Wir höreten sie schon aus der Ferne für Freuden heulen , dieweil die Mühle stille stund , und fiel sie wohl an die dreien Malen auf der Brücken , kam aber letzlich auch glücklich hinüber und küßete bald mir , bald meinem Töchterlein Hände und Füße , nur bittende : wir wöllten sie nicht verstoßen , besondern sie bis an ihr selig Ende bei uns behalten , was wir auch zu thun versprachen . Und mußte sie hinten aufhacken , da wo der dreuste Büttel aufgehacket war , angesehen mein lieber Herr Gevatter mich nicht verlassen wollte , bis ich wieder in meine Widemen gekommen . Und da den Junker sein Kerl bei dem andern Wagen aufgehacket war , fuhr uns der alte Paassch zurück , und alles Volkso bis dato gewartet , trottirete jetzt wieder umb den Wagen her , und lobete und beklagete uns , wie es uns vorhero verachtet und geschmähet hatte . Wir waren aber kaum durch Uekeritze gelanget , als ein abermalig Geschrei erging : » de Junker kümmt , de Junker kümmt ! « so daß mein Töchterlein hoch auffuhr für Freuden und so roth wie eine Erdbeer wurde , von dem Volk aber Etzliche schon wieder begunnten in den Buchweizen zu laufen , so am Wege stunde , dieweil sie abermals vermeineten , es wäre ein Spükels5 . Es war aber in Wahrheit der Junker wieder