sein Herz und Thränen der reinsten Freude glänzten in seinen Augen . Doch nur einen kurzen Moment ruhte sie , wie um sich zu erholen und Kraft zu gewinnen , an seiner Brust ; dann flog sie , von einem innern Impuls getrieben , zu ihrer Mutter und sank , bitterlich weinend , ihr in die Arme . Es wäre vielleicht für einen ruhigen Beobachter anziehend gewesen , hätte er während der Taufe in den Seelen der anwesenden Personen die verschiedenen Gefühle zu lesen vermocht , von denen sie bewegt wurden . Jenny ' s Mutter weinte , weil es ihr vorkam , als trete durch die Taufe ein fremdes Element zwischen sie und ihre Tochter . Eduard und Clara , welche einander gegenüber standen , waren in schmerzliche Gedanken vertieft , und wenn ihre Blicke sich zufällig trafen , wandten sie dieselben schnell von einander ab , als fürchteten sie , die ernste Feier durch die beredte Sprache ihrer Augen zu entweihen . Die Pfarrerin dankte Gott , daß es endlich so weit gediehen sei , und betete inbrünstig , der Herr möge nun auch ferner dies Paar beschützen und alles Störende , das ihnen noch in der nächsten Zukunft drohen könne , gnädig an ihnen vorüberführen . Dieses innere Gebet verhinderte sie , Theresens Unruhe zu bemerken , die keinen Blick von Reinhard und seiner Braut abwendete und , fast ebenso bleich als diese , mit Gewalt in Jenny ' s Seele lesen zu wollen schien . Joseph aber entging dies ängstliche Spähen Theresens nicht , das ihn ebenso wenig , als Jenny ' s qualvolle Aufregung befremdete . Er sah finster auf die Scene vor seinen Augen , als auf etwas , das er lange erwartet hatte ; nur als Reinhard nach der Taufe die Braut in seine Arme schloß , fuhr er mit der Hand nach dem Herzen , als ob er dort einen flüchtigen Schmerz empfinde . Der Vater allein war vollkommen ruhig und heiter geblieben . Er hatte Wohlgefallen an Reinhard und dessen stolzer , voller Freude ; er ließ alle den erregten Empfindungen Raum , sich zu beruhigen , dann war er es , der die Thüren des Zimmers öffnete , in den Garten hinaustrat und die Uebrigen aufforderte , ihn zu begleiten . Es war drückend warm im Zimmer geworden , denn die Sonne brannte auf die Scheiben der geschlossenen Fenster . Um so erquickender erschien Jedem die frische Abendluft , welche , von dem Duft der prächtigen Orangenblüthen balsamisch durchzogen , ihnen entgegenströmte . Reinhard war einer der Ersten , die der Aufforderung des Vaters folgten . Er verlangte sehnlichst , mit seiner Braut allein zu sein , und wandte sich mit ihr , sobald es thunlich war , einem entlegenern Theile des Parkes zu . Dort angekommen , setzten sie sich nieder unter den Schatten einer mächtigen , von Epheu grün umrankten Kastanie und schweigend sah Reinhard lange mit der innigsten Liebe auf Jenny , die , noch sehr bleich und ermattet , sich mit geschlossenen Augen an ihn lehnte und dringend Ruhe zu bedürfen schien . Die Spannung der letzten Zeit hatte , nun die That vollbracht war , nachgelassen und einer weichen Müdigkeit Platz gemacht . Als Reinhard das zarte Mädchen so in seinen Armen hielt , das mit den geschlossenen Augen , den ruhigen , regungslosen Zügen und der weißen Kleidung wirklich einer schönen Leiche glich , fuhr ihm schmerzlich der Gedanke durch die Seele , sie könne sterben , während er sich von ihr trenne , und er werde sie niemals wiedersehen . Er schrak zusammen . Wäre es eine Ahnung ? fragte er sich , und eine fast kindische Furcht ließ ihn die Möglichkeit wähnen , die Geliebte könne gerade jetzt in seinen Armen gestorben sein . Behutsam küßte er plötzlich Jenny ' s lange Wimpern , indem er sie mit den zärtlichsten Worten bat , nur einen Laut zu sprechen , ihm nur zu sagen , daß sie lebe , daß sie sein Glück mit ihm fühle . Ja , ich lebe , Geliebter ! antwortete sie auf seine Frage und schlug lächelnd die Augen zu ihm empor . Ich lebe ! Und ob ich Dich liebe ? O ! Gott weiß es , wie ich davon in dieser Stunde Zeugniß gegeben habe . Ich liebe Dich wie mein Leben , wie meine Seele - nein , mehr als meine Seele . Ist es so recht ? fragte sie und lehnte sich wieder an ihn , nachdem sie sich während des Sprechens aufgerichtet und die Hände fest ineinander gefaltet hatte . Aber warum fragst Du mich erst , ob ich Dich liebe ? fuhr sie nach einer kleinen Pause fort . Weil ich den Ton Deiner Stimme hören wollte , mein süßes Leben . Du sahst so bleich und so verklärt aus , daß ich fürchtete , Du könntest die Erde verlassen und aus meinen Armen in den Himmel zurückkehren , von dem Dein Antlitz ein so treues Bild war . Ach ! hätte ich so hinüberschlummern können , seufzte Jenny , so im vollen Besitz Deiner Liebe . Als ob diese Liebe Dir jemals fehlen könnte , rief Reinhard fast entrüstet aus . Siehe , Jenny , einst gab es eine Zeit , in der ich an Dir , an Deiner Liebe zweifelte , Dich fliehen und vergessen wollte . Das ist Alles nicht mehr möglich , und seit Du durch Deine Liebe mich zum Herrn über Dein Geschick gemacht , bin ich Dir zu eigen geworden , mehr als irgend einem Menschen . Du weißt es , sagte er , immer wärmer werdend , ich würde vor keinem Könige knien , kein Weib hat mich jemals zu seinen Füßen gesehen , ich glaubte , nur vor Gott mich beugen zu können - und nun knie ich vor Dir , und bekenne Dir , daß ich Dich fußfällig bitten könnte , mich zu lieben , mir treu zu bleiben , wenn ich daran