und endlich als Hudel irgendwo , den niemand in die Hand nehmen mochte ? Hat niemand ein zierlich Reitroß tänzerlen sehen unter einem mageren Kavalier oder ein herrlich Tier hochauf sich bäumen sehen an einem köstlichen Tilbury , später das gleiche Tier mühsam traben an einem Lohnfuhrwerk , dann es Zügelten ziehen und Mistkarren , endlich aber in den Händen eines Kachelers , mit berganstehendem Haar , einem von Mäusen zerfressenen Schwanz und gen Himmel schreienden Rippen . Ja , hat noch niemand eine Mädchenhaut gesehen , glatt und weich wie Sammet , glänzend der Seide gleich , fest und drall wie ein Trommelfell , und die Haut spannte sich allmählig ab wie das Trommelfell , wenn viel darauf gepaukt wird , verlor die Weiche wie Sammet , der viel getragen wird , wie Seide an Wind und Wetter ? Sie ward anfänglich zur währschaften Weiberhaut mit etwelchen Klecksen und Spälten , dann welk wie eine Zwetschge nach etwelchen Reifen und endlich gleich einem alten Judenkrös , wo man den Spiegel braucht , um die gelben Falten und Fältchen zu zählen . So geht es mit allen irdischen Dingen , der Glanz verschwimmt , Flecken gibts , die Häßlichkeit kömmt , und bald darauf tritt Verwesung ein , und manchmal schon bei lebendigem Leibe . Ja , wenn nun auch das Herz irdisch ist , nur irdischer Stoff es schwellt zu Glanz und Schönheit , zu Prunk und Lieblichkeit , was sollte anders sein Los sein , als das Los alles Irdischen ist , zu verblühen , zu verwelken ! Flecken und Schmerz , steigende Häßlichkeit , zahllose Falten , Jämmerlichkeit bis in alle Ewigkeit ! Man balsamiert wohl ein , aber damit wehrt man der Häßlichkeit , wehrt man den Falten nicht ; man setzt Herzen in Weingeist , aber damit werden sie um nichts appetitlicher . Aber einen Balsam gibt ' s , ein Geist hat ihn getränket , und wo ein Tropfen dieses Balsams auf ein Herz gefallen ist , da sprüht er Leben aus und das Leben ätzt Schmutz und Flecken aus ; in immer reinerem Glanze strahlet es , es blüht die Schönheit auf , die in ewiger Jugend strahlet , von der man viel gefaselt , zu der man lange das Elixier gesucht , das doch längst schon gegeben war vom Himmel herab , aber die Menschen erkannten es nicht , es suchten es immer noch die Toren , wie noch immer die Juden des Messias warten . Wo aus kleinem Senfkorne das Leben erblühet , dessen Funke Christus auf die Erde gebracht , da bleibt dem Herzen die Häßlichkeit ferne , es glätten sich die Falten , es tritt nicht die gräßliche Täuschung ein , die den schlägt , der mit einer Schlange am Herzen aus der Liebe Traum erwacht . Es strahlet immer klarer das wunderbare Ebenbild auf , dessen Urbild auf des Himmels Throne sitzet . Wer ein solches Ebenbild gebunden , der hat einen ewigen Fund getan wenn er auch nur eine sterbliche Hand gefaßt ; denn wenn auch die Hand welkt , modert , das neugeborne Herz blüht als ewig jung , ewig schön in immer göttlicherer Klarheit fort . Wie schwer ists aber , durch glatte , seidensammete Haut hindurch zu sehen auf des Herzens Grund , zu entdecken dort tief unten , ob die Flamme des ewigen Lebens glühe , ob die Lüfte der Verwesung wehen , ob Moder oder süßes Leben unser Teil sein werde . Zu solchem Schauen hilft Wissenschaft nicht , taugen Brillen nicht , das Alter schützt vor Torheit nicht , kindliche Augen sehen am klarsten , das Beste aber tut Gott und denen besonders , die kindliche Augen haben , ungeblendet noch vom Glanz oder Staub der Welt . Wenn Liebende unbemerkt sich finden wollen , so müssen sie entweder die größte Einsamkeit wählen oder das größte Menschengewühl ; die Gegensätze berühren sich . Der Instinkt der Jugend fühlt das so sicher heraus , was die Erfahrung des Alters bestätige . Will ein Mädchen so recht sicher und unbemerkt einen Werber zu Gesichte fassen oder ein Werber unbehorcht einem Mädchen das Glück auseinandersetzen , welches er ihm zugedacht , so wird ebenso lieb als das dunkle Obergaden ein heller , lichter Markttag gewählt , und in irgend einem Winkel oder Stübchen unterhandelt das Pärchen ungestört und unbeachtet einen lieben langen halben Tag lang , denn wenn Geigen gehn und lauter gut Schick vom Himmel fallen , am Morgen auf dem Kühmärit , am Abend auf dem Meitschimärit , da hat jeder mit sich selbst zu tun , rennt dem eigenen Glücke nach , hat nicht Zeit , einem Andern nachzulauern oder horchend an einer Wand zu stehen . Man denkt sich gar nicht , wenn man mitten im Gewühle des Roß- oder Garnmärit ist , wie manches Pärchen einsam zusammensitzt , denn die Narren sind selten , gewöhnlich halbsturme Witwer , welche förmlich Stuben empfangen , wie allfällig fremde Roßhändler tun , um sich Witwen und Mädchen vorführen zu lassen , zur Auswahl und zum Heiraten . Wenn man die Scharen Mädchen mit ihren Gesichtern voll Hoffnung zMärit ziehen sieht , so denke man sich nur , daß die meisten was im Schilde führen , daß man in Burgdorf oder Langnau oder Signau oder Höchstetten was zum Gschauen zu finden hofft und an wichtige Verhandlungen denkt . Aber o je , was für ganz andere Gesichter sieht man so oft schon durch den Nachmittag nach Hause kehren ; die Nase um einen halben Schuh gewachsen und die untere Lippe hangend bis auf den Boden , daß sie alle Augenblicke Gefahr laufen , darauf zu trappen , oder daß man sie für Lätschen an den Schuhen ansieht . Als Resli sein vergessenes Nastuch holte , hatte er rasch ein Bestelltes gemacht , aber nicht das Gewühl hatte er auserlesen , sondern die Einsamkeit , teils weil er sowohl mit den Marktgelegenheiten als mit der Familie Läuf und Gängen zu wenig bekannt war .