, wo er für gut gefunden hat , Verhältnisse unerörtert zu lassen , die gerade ich , von seiner verehrungswürdigen Mutter gesandt , in Erinnerung bringen sollte . « » O , « rief Fennimor lebhaft , » theilt uns Alles mit , was diese von uns so hochverehrte Mutter Euch aufgetragen hat , da seid Ihr , « setzte sie lächelnd hinzu , » am rechten Orte - von nichts höre ich so gern , wie von der schönen erhabenen Mutter meines Leonin ' s , und all ihre Verhältnisse möchte ich eben gern wissen , denn Alles ist gewiß hoch-herrlich und erhaben an ihr . « Beide Männer schwiegen einen Augenblick vor Fennimor ' s unerschütterlich unschuldigem Vertrauen , und wenn Leonin fast mit Andacht den sicheren Frieden anschaute , mit dem sie allen nur zu verständlichen Warnungen des unerweichten Marquis entgegen stand - so konnte dieser , der ihre Sicherheit gleichfalls erkannte , nur mit bitterem Unwillen in diesem geringen , unberechtigten Wesen dieselbe Sorglosigkeit gewahren , die immer nur auf Glück zählt , den Gegensatz noch nicht kennend , und welches dieselbe Eigenschaft war , mit der ihn Leonin so bitter erzürnt hatte . » Doch , « setzte sie mit dem ernsten Pathos hinzu , der ihr so eigenthümlich war , » doch hatte ich mir immer gedacht , ein Freund , der daher käme , zeigte größere Weisheit ; denn Ihr sagt so wenig von den schönen Dingen , die man begreifen kann , daß sie dort geschehen , und dagegen viel Unverständliches . Es muß dort ganz anders sein , auch die Sprache - doch nicht wahr , Deine erhabene Mutter redet so schön , wie - etwa mein Vater - und Naimä , die Schwiegermutter Ruth ' s , oder die Königin Esther vor Ahasverus , oder wie die Königin Elisabeth zu dem Volke ? Ach , wenn ich sie nur erst sähe und hörte ! Wie habe ich mich immer gesehnt , eine erhabene Frau zu erblicken nach Gottes Willen . « » O , « rief Leonin , aufs Tiefste gerührt , » wer kann Dich hören und sehen , und nicht überzeugt werden , Deine Welt sei die eigentlich menschliche Sphäre , alles Andere eine Larve - ein Trug - eine elende Komödie , die der Natur des menschlichen Daseins Hohn spricht , und der Absicht Gottes ! « » Nein , nein ! « sprach Fennimor hastig ; » was sagst Du da ? - Du weißt ja , meine Welt , wie Du es nennst , ist noch eine ganz kleine , darum muß ich eben die andere dazu kennen lernen , wenn ich Gottes ganze Herrlichkeit begreifen soll - und die Welt , worin Deine Mutter herrscht , die ist eben die große wichtige , wo die Könige leben und das Volk in den unermeßlichen Ländern ! - Darum denke ich an diese Mutter so gern , die mich umfassen wird und schützend verbergen , wenn ich erbeben werde vor so viel Weite , Größe und Gewalt . « » Versteht Ihr jetzt dies Wesen ? « rief Leonin halb zürnend , halb entzückt dem Marquis zu . » Vollkommen ! « erwiederte der Marquis mit einem Ausdrucke , der jede Auslegung zuließ - » und ich überlasse es Eurer eigenen Beurtheilung , welche Rolle ihr mit diesen Begriffen zufallen wird in Eurer Welt und vor Eurer Mutter . « Leonin ' s Herz zog sich mit einem Schmerz und einem Unwillen zusammen , wie er ihn um so bitterer empfand im Gegensatze zu der Reinheit des jetzt erst hier erkannten Lebens , welches keinen Widerspruch gegeben hatte , weil die Meinungen der sich Gegenüberstehenden immer offen da lagen , und nur ein liebevolles Forschen um das gegenseitige Verstehen eintrat , was dann leicht gefunden war , und womit sich Alle befriedigten , selbst bei hervortretender Verschiedenheit . Nichts giebt uns mehr das Gefühl einer unübersteiglichen Schranke , als wenn wir mit unsern höheren Ueberzeugungen vor Menschen treten , welche uns weder verstehen wollen , noch können , weil auf dem Wege , den sie verfolgen , sich nur die materielle Seite der Dinge offenbart . Je freisinniger , je umfassender , je geistiger wir das Leben zu erforschen suchen - je seltner sind wir frühzeitig fertig mit Ansichten und Meinungen , denn nur das geringere Bedürfniß schließt schnell mit dem kleineren Gesichtskreise ab . Wer mit weiterreichendem Streben den Weg beginnt , möchte nicht mit jenem Zustande tauschen , wenn er auch anscheinend in Vortheil setzt , den Dingen das Geheimniß des materiellen Gelingens , ihrer subjektiven Brauchbarkeit abfrägt und mit diesem Inhalte eine beruhigende feste Stellung zu ihnen giebt . Aber es entsteht dann von jener Seite eine ironische Ueberlegenheit , die sich durch den sichtbaren Erfolg zu rechtfertigen scheint , die sich das Lob der Menge und ihre eigene Befriedigung sichert , und den begeisterten Forscher belächeln läßt , der in dem Leben , das sie so bequem handhaben , noch einen Geist entdecken will , dessen Flügelschlag er hört , und dessen Gemeinschaft er aufzufinden trachtet in demselben Leben , das sie in ihrer Auffassung schon ausgebeutet glauben . Wenn wir mit dem Verlangen , verstanden zu werden , in die Kreise dieser Frühfertigen gerathen , wird unsere fromme Unsicherheit verspottet , und wir haben Mühe , unser Selbstgefühl zu retten , welches wir oftmals nicht durch Beweise vertreten können , da Geister sich nur citiren lassen , wo die Zauberformel verstanden wird . Rette sich , wer kann , bei Zeiten ! denn der dornenvolle Weg zwischen Ergreifen und Verwerfen , zwischen Erkennen und Erblinden , zwischen Hoffen und Verzweifeln , den der sehnsüchtige Forscher wandelt , hat als Ziel , als Ideal aussöhnende Ruhe in allen Erscheinungen der Erde , vor Augen ; den großen Zwecken gegenüber , vom Selbstgefühle verlassen , imponirt ihm die materielle Ruhe , die ihm so sicher von jener Seite entgegentritt , und er wird