diesem Tag wenig mehr zu erzählen . Ich weiß nur , daß ich den Kapitän in kalter Wut zur Türe hinausschob , mich schnell in die Kleider warf , und wie ein gejagtes Wild durch die Straßen dem Hause der Signora Campoco zulief . Als ich unten an dieser Straße anlangte , sah ich einen Kardinal sich demselben Hause nähern . Er schritt stolz einher , Frater Piccolo trug ihm den Mantel , es war kein Zweifel , es war Rocco . Ich setzte meine letzten Kräfte daran , ich rannte wie ein Wahnsinniger auf ihn zu , doch - ich kam eben an , als mir Piccolo mit teuflischem Lächeln die Türe vor der Nase zuwarf . Eine Art von Instinkt trieb mich , all diesem Jammer zu entfliehen . Ich ging wie ich war zu dem Gesandten und sagte ihm , daß ich noch in dieser Stunde abreisen werde . Er war es zufrieden , gab mir seine Aufträge , und bald hatte ich die heilige - unglückselige Stadt im Rücken . Erst als ich nach langer Fahrt zu mir selbst kam , als meine Vorstellungen sich wieder ordneten und deutlicher wurden , erst dann tadelte ich meine Feigheit , die mich zu dieser übereilten Flucht verführte . Ich tadelte meine ganze Handlungsweise , ich klagte mich an , die Unglückliche auf diesen Schlag nicht vorbereitet zu haben ; - doch es war zu spät , und wenn ich mir meine Gefühle , meine ganze Lage zurückrief , ach , da schien es so verzeihlich , die Geliebte verschont zu haben ! So kam ich nach Berlin , in dieser Stimmung trafen Sie mich dort , und ein Teil dieser Geschichte war es , den ich damals im Hause meiner Tante erzählt habe . « Der junge Mann hatte geendet ; seine Züge hatten nach und nach jene Trauer , jene Wehmut angenommen , die ich in seinem Wesen , als ich ihn in Berlin sah , zu bemerken glaubte ; er war ganz derselbe , der er an jenem Abend war , und die Worte seiner Tante , er sehe seit seiner Zurückkunft so geheimnisvoll aus , kamen mir wieder in den Sinn , und ließen mich den richtigen Blick dieser Dame bewundern . An seiner ganzen Historie schienen mir übrigens nur zwei Dinge auffallend . Unglückliche Mädchen wie das Fräulein , abenteuernde Damen wie Ines , intrigante Priester wie Kardinal Rocco hatte ich auf der Welt schon viele gesehen . Aber die beiden Männer waren mir , als Menschenkenner , etwas rätselhaft . Der Kapitän hatte allerdings schon einen bedeutenden Grad in meinem Reglement erlangt , aber unbegreiflich war es mir , wie sich dieser Mann so lange auf einer Stufe halten konnte , da doch nach moralischen wie nach physischen Kräften , ein Körper , welcher abwärts gleitet , immer schneller fällt . Er war falsch , denn er spielte zwei Rollen , er war leichtsinnig , denn er vergaß sich alle Augenblicke , er war eifersüchtig , obgleich er es selbst mit zwei Frauen hielt , er war schnell zum Zorn reizbar , als deutscher Kapitän liebte er wahrscheinlich auch das Est , Est , Est , Eigenschaften , die nicht lange auf einer Stufe lassen . Ein anderer an seiner Stelle wäre vielleicht aus Eifersucht und Zorn schon längst ein Totschläger geworden , ein zweiter wäre , leichtsinnig wie er , all diesem Jammer entflohen , hätte die Donna Ines hier , und Fräulein Luise dort , sitzenlassen , und vielleicht an einem andern Ort eine andere gefreit ; ein dritter hätte vielleicht der Donna Gift beigebracht , um die schöne Sächsin zu besitzen , oder aus Verzweiflung die letztere erdolcht . Aber wie langweilig dünkte es mir , daß das Fräulein noch in demselben Zustande war , daß die beiden Anbeter noch nicht in Streit geraten waren , daß das Ende von diesen Geschichten ein Übertritt zur römischen Kirche , eine Hochzeit der Donna Ines und vielleicht eine zweite , Luisens mit dem Berliner werden sollte ? Denn eben dieser ehrliche Berliner ! er stand zwar in etwas entfernten Verhältnissen zu mir , doch wußte ich , wenn ich ihm das Ziel seines heimlichen Strebens , das Fräulein , recht lockend , recht reizend vorstellte , wenn ich ihren Besitz ihm von ferne möglich zeige , so machte er Riesenschritte abwärts , denn seine Anlagen waren gut . Ich beschloß daher , mir ein kleines Vergnügen zu machen , und die Leutchen zu hetzen . Während diese Gedanken flüchtig in mir aufstiegen , wurde dem Herrn von S. ein Brief gebracht . Er sah die Aufschrift an und errötete , er riß das Siegel auf , er las , und sein Auge wurde immer glänzender , seine Stimme heiterer . » Der Engel ! « rief er aus , » sie will mich dennoch sehen ! wie glücklich macht sie mich ! Lesen Sie , Freund « , sagte er , indem er mir den Brief reichte ; » müssen solche Zeilen nicht beglücken ? « Ich las : » Mein treuer Freund ! Mein Herz verlangt darnach , Sie zu sprechen . Ich wollte Sie nicht mehr sehen , nicht mehr sprechen , bis Sie mir gute Nachrichten zu bringen hätten ; Sie selbst sind es eigentlich , der diesen Bann aussprach . Doch heben Sie ihn auf , Sie wissen , wie tröstlich es mir ist , mit Ihnen sprechen zu können . Der Fromme ist wieder hier ; er verspricht sich das Beste von West . Ach ! daß er ihn zurückbrächte von seinem Abwege , nicht zu mir , meine Augen dürfen ihn nicht mehr sehen , nur zurück von dieser Schmach , die ich nicht ertragen kann . L. v. P N. S. Wissen Sie in Rom keinen Deutschen , der in Mecklenburg bekannt wäre ? West hat dort Verwandte , die vielleicht in der Sache etwas tun könnten . « » Ich kann mir denken ,