erinnerte mich , Herrn Boswells Hausarzt von ansteckenden Nervenfiebern , die unter der ärmern Classe häufig wären , sprechen gehört zu haben , wendete mich also schnell ab - doch jetzt erblickte ich Jessy , die , meinem Gebot ungehorsam , mir ins Zimmer nachgefolgt war und mit kindischer Neugier sich neben mich hindrängte , um die Kranke recht genau ins Auge zu fassen . Ich zog sie schnell hinweg und rief eine jetzt eintretende Verwandte oder Wärterin auf den Gang hinaus , um mir über Cecile Grahams Abreise einige Nachweisung zu geben . Eigne Noth , wenn sie recht dringend ist , stumpft ungebildete Menschen für fremdes Interesse ab . Die Frau wußte mir gar nichts von ihrer Nachbarin zu sagen , als daß sie , kurz ehe ihre Base das Fieber bekommen , abgereist sey . Mit inniger Wehmuth über Cecilens leichtsinnige Trennung von mir und bange Sorgen über die Folgen , welche dieser unvorsichtige Krankenbesuch auf meinen Zögling haben könnte , eilte ich nach Hause und eröffnete sogleich Mistriß Boswell den Vorfall mit der dringenden Bitte , ihren Hausarzt um Vorkehrungsmittel für die Kleine zu ersuchen . Ich dachte so wenig an meine eigne Gefahr , daß ich bereit war , den Unwillen der Mutter über die Gefahr ihres Kindes unbedingt über mich ergehen zu lassen ; allein zu meinem erstaunen beschäftigte diese sie gar nicht , sondern , nur für ihre persönliche Sicherheit sorgend , sprang sie , sobald sie meine Erzählung vernommen hatte , mich abwehrend zurück , rief ihrer Kammerfrau , um ihr Essig zum Waschen und Räuchern zu bringen und bat mich um Gotteswillen , nebst Jessy ihr doch ja nicht zu nahe zu kommen . Eine so heidnische Aengstlichkeit empörte mein Gefühl ; ich verhieß ihr , den Rest des Tags mit ihrer Tochter nicht mehr von meinem Zimmer zu kommen und eilte dahin . Vor meiner Tühr lag Fidele lang ausgestreckt , in sonderbar starrer Stellung . Verwundert , ihn nicht bei meiner Ankunft frohlocken zu sehen , rief ich seinen Namen . Er suchte den Kopf aufzuheben , öffnete noch einmal seine geschwollnen Augen , wedelte mit dem Schwanz und verschied . Seine Stellung , seine vor dem Tod erstarrten Glieder , die Umstände , unter denen dieser Vorfall statt fand verriethen mir dessen Ursach und Urheber . Dennoch suchte ich meine Fassung zu behalten ; ich rief den Kutscher herbei , der beim ersten Anblick des Leichnams ihm das Vergiftetseyn ansah ; ich befragte ihn und die übrigen Dienstleute auf ihr Gewissen , ob ihnen etwas von Fideles Schicksal bekannt sey ? Sie versicherten alle mißbilligend , daß der Hund Keinem im Wege gewesen und sein Tod wohl mehr gemeint sey , mich zu kränken , als das arme Thier bei Seite zu schaffen . Diese allgemeine Meinung vermehrte meine Ueberzeugung von Mistriß Boswells rachsüchtiger That . Mit der moralischen Ueberzeugung , daß es ein Verrath am Guten sey , eine solche feige Grausamkeit stillschweigend zu dulden , und daß die Abhängigkeit von einer Frau , die verächtlich genug dächte , ihrer Rache ein unschuldiges Thier zu opfern , schwerer sey wie jedes Loos , das mich treffen könnte , begab ich mich in Mistriß Boswells Zimmer , um ihr meine Denkart über diese Handelsweise zu erklären . Es ist eine peinliche Aufgabe , den Seelenzustand eines schlechten Menschen zu beobachten . - Mich dauerte diese Frau wegen des Schreckens , der sie bei meiner unbestimmten Anklage über die Todesart meines Hundes ergriff . Die Furcht vor der Rüge des Unrechts , selbst wenn sie mit gar keiner Strafe verbunden werden kann , ist wohl die letzte Stimme des Rechts in des Schuldigen Busen . Ihr Erbleichen , ihre Versicherung , daß es niemanden einfallen könnte , ein unschädliches Thier , das eines Andern Eigenthum sey , zu tödten , hätte mich fast in die Nothwendigkeit gesetzt , meine Sache unausgemacht zu lassen , als ich beobachtete , daß Mistriß Boswell mit einer gewissen Vorsätzlichkeit ihr Taschentuch auf ein vor ihr am Boden liegendes Papier fallen ließ und dann es aufzuheben bemüht war . Ich kam ihr zuvor , griff aber zugleich nach dem Papier und las auf den ersten Blick die nach Apothekerart geschriebne Ueberschrift , » Arsenik . « - Dieser Beweis einer That , für die mirs bisher ganz an materiellen Beweisen gefehlt hatte , benahm mir alle Klugheit , ich warf ihr mit dem Ausdruck der tiefsten Verachtung den elenden Tod meines Hundes vor und setzte hinzu , daß ich , überzeugt durch mein angestrengtestes Bemühen , ihrem schlechten Beispiel bei ihrer Tochter nicht entgegen wirken zu können , sie bäte , dieselbe wieder aus meinen Händen zu nehmen und mich zu entlassen . Mit diesen Worten eilte ich von ihr hinweg . Es bedurfte nur weniger Minuten , um mir den Umfang des Opfers , das ich meinem Gefühl für Recht gebracht hatte , zu ermessen . Ich besaß weder Geld , noch Freunde , noch die Tüchtigkeit harte Dienstarbeit zu verrichten , und das schwere Loos , was mich erwartete , war nicht Gottes heilige Führung , es war die Folge meines leidenschaftlichen Willens . Meine Ungeduld , Andrer Unart zu tragen , schloß mich jetzt aus dem letzten Verkehr , das mir noch mit Menschen übrig geblieben war , aus ; und indem ich selbst so wenig Duldsamkeit erwiesen hatte , konnte mein Vertrauen in die meiner Brüder nicht groß seyn . So demüthigend meine Selbsterkenntniß und so trostlos meine Aussicht war , hielt mich mein stolzer Sinn dennoch aufrecht . Meine einzige Unterstützung war das erste Quartal meines Jahrgehalts von Seiten Mistriß Boswell ; es war jetzt völlig verflossen und ich konnte an dessen Auszahlung , so gering die Summe auch seyn mochte , nicht zweifeln . Seit ich es bei meinem ersten Besuch in diesem Hause Mistriß Boswell überlassen hatte , den Lohn meiner Bemühungen zu bestimmen , war dieser Punct nie mehr erwähnt worden ; Schüchternheit , Stolz ,