? - Dabei hatte ihn die Nachricht von Erwins unerklärlicher , flüchtiger Erscheinung heftig bewegt . Er ging sogleich mit dem Briefe zu Leontin . Aber er fand weder ihn , noch Faber zu Hause . Er sah durch das offene Fenster , der reine Himmel lag blau und unbegrenzt über den fernen Dächern und Kuppeln bis in die neblige Weite . Er konnt es nicht aushalten ; er nahm Hut und Stock und wanderte durch die Vorstädte ins Freie hinaus . Unzählige Lerchen schwirrten hoch in der warmen Luft , die neugeschmückte Frühlingsbühne sah ihn wie eine alte Geliebte an , als wollte ihn alles fragen : Wo bist du so lange gewesen ? Hast du uns vergessen ? - Ihm war so wohl zum Weinen . Da blies neben ihm ein Postillion lustig auf dem Horne . Eine schöne Reisekutsche mit einem Herrn und einem jungen Frauenzimmer fuhr schnell an ihm vorüber . Das Frauenzimmer sah lachend aus dem Wagen nach ihm zurück . Er täuschte sich nicht , es war Marie . Verwundert sah Friedrich dem Wagen nach , bis er weit in der heitern Luft verschwunden war . Die Straße ging nach Italien hinunter . Da es sich zum Abend neigte , wandte er sich wieder heimwärts . In den Vorstädten war überall ein sommerabendliches Leben und Weben , wie in den kleinen Landstädtchen . Die Kinder spielten mit wirrem Geschrei vor den Häusern , junge Burschen und Mädchen gingen spazieren , der Abend wehte von draußen fröhlich durch alle Gassen . Da bemerkte Friedrich seitwärts eine alte , abgelegene Kirche , die er sonst noch niemals gesehen hatte . Er fand sie offen und ging hinein . Es schauderte ihn , wie er aus der warmen , fröhlich bunten Wirrung so auf einmal in diese ewig stille Kühle hineintrat . Es war alles leer und dunkel drinnen , nur die ewige Lampe brannte wie ein farbiger Stern in der Mitte vor dem Hochaltare ; die Abendsonne schimmerte durch die gemalten , gotischen , Fenster . Er kniete in eine Bank hin . Bald darauf bemerkte er in einem Winkel eine weibliche Gestalt , die vor einem Seitenaltare , im Gebet versunken , auf den Knien lag . Sie erhob sich nach einer Weile und sah ihn an . Da kam es ihm vor , als wäre es das Bürgermädchen , die unglückliche Geliebte des Prinzen . Doch konnte er sich gar nicht recht in die Gestalt finden ; sie schien ihm weit größer und ganz verändert seitdem . Sie war ganz weiß angezogen und sah sehr blaß und seltsam aus . Sie schien weder erfreut , noch verwundert über seinen Anblick , sondern ging , ohne ein Wort zu sprechen , tief in einen dunklen Seitengang hinein , auf den Ausgang der Kirche zu . Friedrich ging ihr nach , er wollte mit ihr sprechen . Aber draußen fuhren und gingen die Menschen bunt durcheinander , und er hatte sie verloren . Als er nach Hause kam , fand er den Prinzen bei sich , der , den Kopf in die Hand gestützt , am Fenster saß und ihn erwartete . » Mein hohes Mädchen ist tot ! « rief er aufspringend , als Friedrich hereintrat . Friedrich fuhr zusammen : » Wann ist sie gestorben ? « - » Vorgestern . « - Friedrich stand in tiefen Gedanken und hörte kaum , wie der Prinz erzählte , was er von der alten Mutter der Dahingeschiedenen gehört : wie das Mädchen anfangs nach der Ohnmacht in allen Kirchen herumgezogen und Gott inbrünstig gebeten , daß er sie doch noch einmal glücklich in der Welt machen möchte . Nach und nach aber fing sie an zu kränkeln und wurde melancholisch . Sie sprach sehr zuversichtlich , daß sie bald sterben würde , und von einer großen Sünde , die sie abzubüßen hätte , und fragte die Mutter oft ängstlich , ob sie denn noch in den Himmel kommen könnte ? Den Prinzen wollte sie noch immer nicht wiedersehen . Die letzten Tage vor ihrem Tode wurde sie merklich besser und heiter . Noch den letzten Tag kam sie sehr fröhlich nach Hause und sagte mit leuchtenden Augen , sie habe den Prinzen wiedergesehen , er sei , ohne sie zu bemerken , an ihr vorbeigeritten . Den Abend darauf starb sie . Der Prinz zog hierbei ein Papier heraus und las Friedrich ein Totenopfer vor , welches er heut in einer Reihe von Sonetten auf den Tod des Mädchens gedichtet hatte . Die ersten Sonette enthielten eine wunderfeine Beschreibung , wie der Prinz das Mädchen verführt . Friedrich graute , wie schön sich da die Sünde ausnahm . Das letzte Sonett schloß : » Einsiedler will ich sein und einsam stehen , Nicht klagen , weinen , sondern büßend beten , Du bitt für mich dort , daß ich besser werde ! Nur einmal , schönes Bild , laß dich mir sehen , Nachts , wenn all ' Bilder weit zurücke treten , Und nimm mich mit dir von der dunklen Erde ! « » Wie gefällt Ihnen das Gedicht ? « - » Gehn Sie in jene Kirche , die dort so dunkel hersieht « , sagte Friedrich erschüttert , » und wenn der Teufel mit meinen gesunden Augen nicht sein Spiel treibt , so werden Sie sie dort wiedersehen . « - » Dort ist sie begraben « , antwortete der Prinz , und wurde blaß und immer blässer , als ihm Friedrich erzählte , was ihm begegnet . » Warum fürchten Sie sich ? « sagte Friedrich hastig , denn ihm war , als sähe ihn das stille , weiße Bild wie in der Kirche wieder an , » wenn Sie den Mut hatten , das hinzuschreiben , warum erschrecken Sie , wenn es auf einmal Ernst wird und die Worte sich rühren und lebendig werden ? Ich möchte nicht dichten , wenn es nur Spaß wäre , denn wo dürfen wir jetzt