Familienumstände eingehen , um die man die Gerichte in Posen ersucht hat ... Alles dieses sage ich Ihnen offner , als es mein Amt gebietet , damit Sie sich überzeugen , wie wenig ich auf irgend einen Kunstgriff rechne , Sie , haben jene Vermutungen Grund , zum Geständnis der Wahrheit zu bringen . Bereiten Sie sich vor , wie Sie wollen ; sind Sie wirklich jener angeklagte Medardus , so glauben Sie , daß der Blick des Richters die tiefste Verhüllung bald durchdringen wird ; Sie werden dann auch selbst sehr genau wissen , welcher Verbrechen man Sie anklagt . Sollten Sie dagegen wirklich der Leonard von Krczynski sein , für den Sie sich ausgeben , und ein besonderes Spiel der Natur Sie , selbst rücksichts besonderer Abzeichen , jenem Medardus ähnlich gemacht haben , so werden Sie selbst leicht Mittel finden , dies klar nachzuweisen . Sie schienen mir erst in einem sehr exaltierten Zustande , schon deshalb brach ich die Verhandlung ab , indessen wollte ich Ihnen zugleich auch Raum geben zum reiflichen Nachdenken . Nach dem , was heute geschehen , kann es Ihnen an Stoff dazu nicht fehlen . « » Sie halten also meine Angaben durchaus für falsch ? ... Sie sehen in mir den verlaufenen Mönch Medardus ? « - So frug ich ; der Richter sagte mit einer leichten Verbeugung : » Adieu , Herr von Krczynski ! « und man brachte mich in den Kerker zurück . Die Worte des Richters durchbohrten mein Innres wie glühende Stacheln . Alles , was ich vorgegeben , kam mir seicht und abgeschmackt vor . Daß die Person , der ich entgegengestellt werden und die ich so schwer zu fürchten haben sollte , Aurelie sein mußte , war nur zu klar . Wie sollt ' ich das ertragen ! Ich dachte nach , was unter meinen Sachen wohl verdächtig sein könne , da fiel es mir schwer aufs Herz , daß ich noch aus jener Zeit meines Aufenthaltes auf dem Schlosse des Barons von F. einen Ring mit Euphemiens Namen besaß sowie daß Viktorins Felleisen , das ich auf meiner Flucht mit mir genommen , noch mit dem Kapuzinerstrick zugeschnürt war ! - Ich hielt mich für verloren ! - Verzweifelnd rannte ich den Kerker auf und ab . Da war es , als flüsterte , als zischte es mir in die Ohren : » Du Tor , was verzagst du ? denkst du nicht an Viktorin ? « - Laut rief ich : » Ha ! nicht verloren , gewonnen ist das Spiel . « Es arbeitete und kochte in meinem Innern ! - Schon früher hatte ich daran gedacht , daß unter Euphemiens Papieren sich wohl etwas gefunden haben müsse , was auf Viktorins Erscheinen auf dem Schlosse als Mönch hindeute . Darauf mich stützend , wollte ich auf irgend eine Weise ein Zusammentreffen mit Viktorin , ja selbst mit dem Medardus , für den man mich hielt , vorgeben ; jenes Abenteuer auf dem Schlosse , das so fürchterlich endete , als von Hörensagen erzählen und mich selbst , meine Ähnlichkeit mit jenen beiden , auf unschädliche Weise geschickt hinein verflechten . Der kleinste Umstand mußte reiflich erwogen werden ; aufzuschreiben beschloß ich daher den Roman , der mich retten sollte ! - Man bewilligte mir die Schreibmaterialien , die ich forderte , um schriftlich noch manchen verschwiegenen Umstand meines Lebens zu erörtern . Ich arbeitete mit Anstrengung bis in die Nacht hinein ; im Schreiben erhitzte sich meine Phantasie , alles formte sich wie eine geründete Dichtung , und fester und fester spann sich das Gewebe endloser Lügen , womit ich dem Richter die Wahrheit zu verschleiern hoffte . Die Burgglocke hatte zwölfe geschlagen , als sich wieder leise und entfernt das Pochen vernehmen ließ , das mich gestern so verstört hatte . - Ich wollte darauf nicht achten , aber immer lauter pochte es in abgemessenen Schlägen , und dabei fing es wieder an , dazwischen zu lachen und zu ächzen . - Stark auf dem Tisch schlagend , rief ich laut : » Still ihr da drunten ! « und glaubte mich so von dem Grauen , das mich befing , zu ermutigen ; aber da lachte es gellend und schneidend durch das Gewölbe und stammelte : » Brü-der-lein , Brü-der-lein ... zu dir her-auf ... herauf ... ma-mach auf ... mach auf ! « - Nun begann es dicht neben mir im Fußboden zu schaben , zu rasseln und zu kratzen , und immer wieder lachte es und ächzte ; stärker und immer stärker wurde das Geräusch , das Rasseln , das Kratzen - dazwischen dumpf dröhnende Schläge wie das Fallen schwerer Massen . - Ich war aufgestanden , mit der Lampe in der Hand . Da rührte es sich unter meinem Fuß , ich schritt weiter und sah , wie an der Stelle , wo ich gestanden , sich ein Stein des Pflasters losbröckelte . Ich erfaßte ihn und hob ihn mit leichter Mühe vollends heraus . Ein düstrer Schein brach durch die Öffnung , ein nackter Arm mit einem blinkenden Messer in der Hand streckte sich mir entgegen . Von tiefem Entsetzen durchschauert , bebte ich zurück . Da stammelte es von unten herauf : » Brü-der-lein ! Brü-der-lein , Me-dar-dus ist da-da , herauf ... nimm , nimm ! ... brich ... brich ... in den Wa-Wald ... in den Wald ! « - Schnell dachte ich Flucht und Rettung ; alles Grauen überwunden , ergriff ich das Messer , das die Hand mir willig ließ und fing an , den Mörtel zwischen den Steinen des Fußbodens emsig wegzubrechen . Der , der unten war , drückte wacker herauf . Vier , fünf Steine lagen zur Seite weggeschleudert , da erhob sich plötzlich ein nackter Mensch bis an die Hüften aus der Tiefe empor und starrte mich gespenstisch an mit des Wahnsinns grinsendem , entsetzlichem Gelächter . Der volle Schein der Lampe fiel auf das