wunderliche Verhältnis zeigte sich schon bei kindischen Spielen , es zeigte sich bei zunehmenden Jahren . Und wie die Knaben Krieg zu spielen , sich in Parteien zu sondern , einander Schlachten zu liefern pflegen , so stellte sich das trotzig mutige Mädchen einst an die Spitze des einen Heers und focht gegen das andre mit solcher Gewalt und Erbitterung , daß dieses schimpflich wäre in die Flocht geschlagen worden , wenn ihr einzelner Widersacher sich nicht sehr brav gehalten und seine Gegnerin doch noch zuletzt entwaffnet und gefangengenommen hätte . Aber auch da noch wehrte sie sich so gewaltsam , daß er , um seine Augen zu erhalten und die Feindin doch nicht zu beschädigen , sein seidenes Halstuch abreißen und ihr die Hände damit auf den Rücken binden mußte . Dies verzieh sie ihm nie , ja sie machte so heimliche Anstalten und Versuche , ihn zu beschädigen , daß die Eltern , die auf diese seltsamen Leidenschaften schon längst achtgehabt , sich miteinander verständigten und beschlossen , die beiden feindlichen Wesen zu trennen und jene lieblichen Hoffnungen aufzugeben . Der Knabe tat sich in seinen neuen Verhältnissen bald hervor . Jede Art von Unterricht schlug bei ihm an . Gönner und eigene Neigung bestimmten ihn zum Soldatenstande . Überall , wo er sich fand , war er geliebt und geehrt . Seine tüchtige Natur schien nur zum Wohlsein , zum Behagen anderer zu wirken , und er war in sich , ohne deutliches Bewußtsein , recht glücklich , den einzigen Widersacher verloren zu haben , den die Natur ihm zugedacht hatte . Das Mädchen dagegen trat auf einmal in einen veränderten Zustand . Ihre Jahre , eine zunehmende Bildung und mehr noch ein gewisses inneres Gefühl zogen sie von den heftigen Spielen hinweg , die sie bisher in Gesellschaft der Knaben auszuüben pflegte . Im ganzen schien ihr etwas zu fehlen , nichts war um sie herum , das wert gewesen wäre , ihren Haß zu erregen . Liebenswürdig hatte sie noch niemanden gefunden . Ein junger Mann , älter als ihr ehemaliger nachbarlicher Widersacher , von Stand , Vermögen und Bedeutung , beliebt in der Gesellschaft , gesucht von Frauen , wendete ihr seine ganze Neigung zu . Es war das erstemal , daß sich ein Freund , ein Liebhaber , ein Diener um sie bemühte . Der Vorzug , den er ihr vor vielen gab , die älter , gebildeter , glänzender und anspruchsreicher waren als sie , tat ihr gar zu wohl . Seine fortgesetzte Aufmerksamkeit , ohne daß er zudringlich gewesen wäre , sein treuer Beistand bei verschiedenen unangenehmen Zufällen , sein gegen ihre Eltern zwar ausgesprochnes , doch ruhiges und nur hoffnungsvolles Werben , da sie freilich noch sehr jung war : das alles nahm sie für ihn ein , wozu die Gewohnheit , die äußern , nun von der Welt als bekannt angenommenen Verhältnisse das Ihrige beitrugen . Sie war so oft Braut genannt worden , daß sie sich endlich selbst dafür hielt , und weder sie noch irgend jemand dachte daran , daß noch eine Prüfung nötig sei , als sie den Ring mit demjenigen wechselte , der so lange Zeit für ihren Bräutigam galt . Der ruhige Gang , den die ganze Sache genommen hatte , war auch durch das Verlöbnis nicht beschleunigt worden . Man ließ eben von beiden Seiten alles so fortgewähren , man freute sich des Zusammenlebens und wollte die gute Jahreszeit durchaus noch als einen Frühling des künftigen ernsteren Lebens genießen . Indessen hatte der Entfernte sich zum schönsten ausgebildet , eine verdiente Stufe seiner Lebensbestimmung erstiegen und kam mit Urlaub , die Seinigen zu besuchen . Auf eine ganz natürliche , aber doch sonderbare Weise stand er seiner schönen Nachbarin abermals entgegen . Sie hatte in der letzten Zeit nur freundliche , bräutliche Familienempfindungen bei sich genährt , sie war mit allem , was sie umgab , in Übereinstimmung ; sie glaubte glücklich zu sein und war es auch auf gewisse Weise . Aber nun stand ihr zum erstenmal seit langer Zeit wieder etwas entgegen : es war nicht hassenswert ; sie war des Hasses unfähig geworden , ja der kindische Haß , der eigentlich nur ein dunkles Anerkennen des inneren Wertes gewesen , äußerte sich nun in frohem Erstaunen , erfreulichem Betrachten , gefälligem Eingestehen , halb willigem halb unwilligem und doch notwendigem Annahen , und das alles war wechselseitig . Eine lange Entfernung gab zu längeren Unterhaltungen Anlaß . Selbst jene kindische Unvernunft diente den Aufgeklärteren zu scherzhafter Erinnerung , und es war , als wenn man sich jenen neckischen Haß wenigstens durch eine freundschaftliche , aufmerksame Behandlung vergüten müsse , als wenn jenes gewaltsame Verkennen nunmehr nicht ohne ein ausgesprochnes Anerkennen bleiben dürfe . Von seiner Seite blieb alles in einem verständigen , wünschenswerten Maß . Sein Stand , seine Verhältnisse , sein Streben , sein Ehrgeiz beschäftigten ihn so reichlich , daß er die Freundlichkeit der schönen Braut als eine dankenswerte Zugabe mit Behaglichkeit aufnahm , ohne sie deshalb in irgendeinem Bezug auf sich zu betrachten oder sie ihrem Bräutigam zu mißgönnen , mit dem er übrigens in den besten Verhältnissen stand . Bei ihr hingegen sah es ganz anders aus . Sie schien sich wie aus einem Traum erwacht . Der Kampf gegen ihren jungen Nachbar war die erste Leidenschaft gewesen , und dieser heftige Kampf war doch nur , unter der Form des Widerstrebens , eine heftige , gleichsam angeborne Neigung . Auch kam es ihr in der Erinnerung nicht anders vor , als daß sie ihn immer geliebt habe . Sie lächelte über jenes feindliche Suchen mit den Waffen in der Hand ; sie wollte sich des angenehmsten Gefühls erinnern , als er sie entwaffnete ; sie bildete sich ein , die größte Seligkeit empfunden zu haben , da er sie band , und alles , was sie zu seinem Schaden und Verdruß unternommen hatte , kam ihr nur als unschuldiges Mittel vor , seine Aufmerksamkeit auf