höflich , einen zu brauchen ) - ferner waren alle Namen anders ; nämlich Julienne , an die sie gerichtet waren , hatte leider , in d ' Argensons bureau décachetage , d.h. am Hofe wohnhaft , verzifferte verlangt , und sie hieß mithin Elisa , Roquairol Karl und Liane ihre kleine Linda . Linda ist bekanntlich der Taufname der jungen Gräfin von Romeiro , mit welcher die Prinzessin am Tage jener für Roquairol so blutigen Redoute ein ewiges Herzens-und Korrespondenz-Bündnis aufgerichtet hatte ; - Liane , vor deren reinen dichterischen Augen sich jedes edle weibliche Wesen zur Gebenedeieten und Heroine , der undurchsichtige Edelstein zum durchsichtigen aufhellte und reinigte , liebte die hohe Gräfin gleichsam mit dem Herzen ihres Bruders und ihrer Freundin zugleich , und die sanfte Seele nannte sich , ihres Wertes unbewußt , nur die kleine Linda ihrer Elisa . Auch die zarte ausgezogene Handschrift kannte Albano nicht ; Julienne liebte die gallische Sprache bis zu den Lettern , aber Lianens ihre glichen nicht den gallischen Sudel-Protokollen , sondern der reinlichen geründeten Handschrift der Briten . Hier ist endlich ihr Blatt - - O du holdes Wesen ! wie lange hab ' ich nach den ersten Lauten deiner erquickenden Seele gedürstet ! - Sonntags-Morgen - » Aber heute , Elisa , bin ich so innig-froh , und der Abendnebel liegt als eine Aurora am Himmel . Ich sollte dir wohl das Gestrige gar nicht geben . Ich war zu bekümmert . Konnt ' aber nicht meine liebe Mutter , die doch bloß meinetwegen hierher gegangen war , dadurch noch kränker werden , so leidlich sie auch eben deswegen sich gegen mich anstellte ? - Und dann kam ja deine Gestalt , Geliebte , und all dein Schmerz und die harte Nachbarschaft63 und unser letzter Abend hier , o alles das zog ja so klagend vor mein banges Herz ! - Sieh , als wir vor dem Hause der lieben Chariton hielten und sie meiner Mutter die Hand mit freudigen Tränen küßte : so war ich so schwach , daß ich auch abgewandte vergoß , aber andre und über die Frohlockende selber , die ja nicht wissen konnte , ob nicht in dieser Stunde ihr teurer Freund in Rom erkranke oder untergehe . - Nun aber ist der dunkelgraue Nebel auf dem Blumengarten deiner kleinen Linda ganz verweht , und alle Blüten des Lebens glänzen in ihren reinen hohen Farben vor ihr . - - Nach Mitternacht wich die Migräne meiner Mutter fast ganz , und sie schlummerte so süß noch an diesem Morgen . O wie war mir da ! - Nach 5 Uhr schon ging ich in den Garten hinunter und fuhr über den Glanz zusammen , der im Taue und zwischen den Blättern brannte - die Sonne sah erst unter den Triumphtoren herein - alle Seen sprühten in einem breiten Feuer - ein glänzender Dampf umfloß wie ein Heiligenschein den Erdenrand , den der Himmel berührte - und ein hohes Wehen und Singen strömte durch die Morgenpracht - - - Und in diese aufgeschlossene Welt kam ich genesen zurück und so froh ; ich wollte immer rufen : ich habe dich wieder , du helle Sonne , und euch , ihr lieblichen Blumen , und ihr stolzen Berge , ihr habt euch nicht verändert , und ihr grünet wieder wie ich , ihr duftenden Bäume ! - - In einer unendlichen Seligkeit schwebt ' ich wie verklärt , Elisa , schwach , aber leicht und frei , ich hatte die drückende Hülle - so war es mir - unter die Erde gelegt und nur das pochende Herz behalten , und im entzückten Busen flossen warme Tränenquellen gleichsam über Blumen über und bedeckten sie hell . - - Ach Gott , sagt ' ich in der großen Freude schreckhaft , war es denn ein bloßer Schlaf , das unbewegliche Ruhen der Mutter ? und ich mußte - lächle immer - , eh ' ich weiterging , wieder zu ihr hinauf . Ich schlich atemlos vor das Bette , bog mich horchend über sie , und die gute Mutter schloß die immer leise schlummernden Augen langsam auf , sah mich müde , aber liebreich an und tat sie , ohne sich zu regen , wieder zu und gab mir nur die liebe Hand . Nun durft ' ich recht selig wieder in meinen Garten gehen ; ich brachte aber der immer heitern Chariton den Morgengruß und sagt ' ihr , daß ich auf dem breiten Wege zum Altare64 bliebe , sollt ' ich etwan gesucht werden . - Ach Elisa , wie war mir dann ! Und warum hatt ' ich dich nicht an meiner Hand , und warum sah mein bekümmerter Karl nicht , daß seine Schwester so glücklich war ! - Wie nach einem warmen Regen das Abendrot und das flüssige Sonnenlicht von allen goldgrünen Hügeln rinnt : so stand ein zitternder Glanz über meinem ganzen Innern und über meiner Vergangenheit , und überall lagen helle Freudenzähren . Ein süßes Nagen nahm mein Herz auseinander wie zum Sterben , und alles war mir so nahe und so lieb ! Ich hätte der lispelnden Zitterpappel antworten und den Frühlingslüften danken mögen , die so kühlend das heiße Auge umwehten ! Die Sonne hatte sich mütterlichwarm auf mein Herz gelegt und pflegte uns alle , die kalte Blume , den jungen nackten Vogel , den starren Schmetterling und jedes Wesen ; ach so soll der Mensch auch sein , dacht ' ich . Und ich ging den Sandweg und schonte das Leben des armen Gräschens und der liebäugelnden Blume , die ja hauchen und erwachen wie wir - ich vertrieb die weißen durstigen Schmetterlinge und Tauben nicht , die sich nebeneinander von der nassen Erdscholle zum Tranke bückten - o ich hätte die Wellen streicheln mögen- - diese Schöpfung ist ja so kostbar und aus Gottes Hand , und das noch so klein gestaltete Herz hat ja doch sein Blut und eine Sehnsucht , und in