Zeit zum Träumen lassen darf , die nichts erzielt , nichts hervorbringt , Nationen , wie sie Südamerika , Spanien , Italien , selbst Deutschland bietet , sind unfähig zur Republik ... Die Herzogin erwiderte : Der Italiener liebt den Gewinn mehr , wie Einer ... Italien sind nicht die Gastwirthe ! entgegnete Benno und wollte dem Thema ausweichen ... Die Mutter aber hielt es fest und sah in Italien die Republik unter dem Schutz eines verbesserten Papstthums wieder aufblühen ... Rom beherrscht noch einmal die Welt ! sagte sie . Das erhöhte , zur wahren Capitale der Christenheit erhobene Rom ! ... Mit oder ohne Jesuiten ? ... fragte Benno ironisch ... Ein spanischer Jesuit lehrte , es sei erlaubt , Tyrannen zu morden ... Ketzerische Tyrannen ! ... Marco hatte sein Souper beendigt , hatte sich in seinen schwarzen Frack geworfen und ging lächelnd und schmunzelnd wie ein alter Hausfreund drinnen im Salon auf und ab ... Mutter und Sohn mußten schweigen , weil der Alte näher kam , auf die Blumenterrasse durch die halbgeöffnete Thür blickte und fragte : Altezza werden nicht mehr auf den Corso fahren - ? Marco that , als wäre es ganz in der Ordnung , wenn man hier jeden Abend ein gewähltes Souper fand ... Hier ist unser Corso - ! sagte die Mutter ... So will ich die Pferde ausspannen lassen ... blinzelte Marco und ging ... Die Pferde waren gar nicht angespannt gewesen ... Ein Miethkutscher in der Nähe lieferte sie nach Bestellung ... Wurden sie nicht bestellt , so war es eine kleine Ersparniß ... Benno , der diese kleinen Manöver , die Marco machte , um die Armuth seiner Gebieterin zu verbergen , mit Rührung bemerkt hatte , lenkte , da die Herzogin den Nachtimbiß noch etwas verschieben zu wollen Marco nachgerufen hatte , wieder auf seine Erzählung ein ... Er schilderte den Eindruck , den ihm die Brüder Bandiera gemacht hätten , als einen so nachhaltigen , daß er seit jenem Besuch des Kriegsschiffs in den Interessen dieser jungen Männer wie in denen seiner ältesten Freunde lebte ... Ich habe , sagte er , an jungen Bekannten Deutschlands die gleichen Stimmungen und Ueberzeugungen oft bespöttelt und ihnen keine Lebensfähigkeit zugestanden ; aber selten auch fand ich einen idealen Sinn in solcher Reinheit , eine dem Unmöglichen zugewandte Ueberzeugung so fest und als selbstverständlich aufrecht erhalten . Diese Brüder hatten sich ebenso zu Kriegern wie zu Gelehrten gebildet . Sie sprachen von den Wurfgeschossen bei Belagerungen mit derselben Sachkenntniß wie von Gioberti ' s Philosophie . Sie hatten Ugo Foscolo , Leopardi , Silvio Pellico , alles , was die Censur in Oesterreich verbietet , in ihr Lebensblut aufgenommen und bei alledem blieben sie Jünglinge , die wie aus der Märchenwelt gekommen schienen . Daß sie sich unter den Eindrücken der See , der rohen Matrosen , des zügellosen Hafenlebens so rein hatten erhalten können , sprach für die Mutter , die sie bildete , für die strenge Mannszucht , die der Vater übte ... Den Aeltern , sagten sie , hätten sie Lebewohl sagen müssen für diese Erde ... Der Vater hätte sie anfangs begrüßt wie - Schurken . Geschieden wäre er von ihnen wie ihr Bundsgenosse . Er wohne jetzt zu Campanede wie ein Sklave , der nur schon zu alt wäre , noch seine , Fesseln zu brechen . Die Mutter würde ihm die Freude an seinen wenig genossenen Blumen und Früchten versüßen und ihn von seinen jungen Tagen erzählen lassen , da sie fünfundzwanzig Jahre mit ihm verheirathet wäre und nicht fünf Jahre ihn besessen hätte . Mögen Venedigs Gondeln , sprach Attilio , mit ihren geputzten Sonntagsgästen , mit ihren Stutzern und Damen unter leuchtenden Sonnenschirmen , an Mestre vorüberfahren und auf Campanede ' s kleine Häuser deuten , wo ihr Vater wohne - sie würden nicht lachen , sie würden ihm - um ihretwillen stille Evvivas bringen ... Ha ragione ! sagte die Mutter fest und bestimmt ... Sie hatte keine Theilnahme für den Vater , sondern nur für die Mutter und die Söhne ... Doch wollte sie diese nicht als Märtyrer , sondern als Sieger sehen ... Die Rosse sollten ihnen vom Schicksal so wild und stolz gezäumt werden , wie den olympischen , die sich drüben auf dem Monte Cavallo aus des Praxiteles Hand bäumten ... Diese Evvivas , sagte sie , werden bald laut werden und Sieg bedeuten ! ... Benno zuckte die Achseln ... In seinen Mienen lag der Ausdruck des Zweifels ... Es lag aber auch der Ausdruck der Kämpfe in ihnen , die schon lange in seinem Innern vor sich gingen ... Er war nie ein Ghibelline gewesen im Sinn der Bureaukratie Deutschlands wie sein Bruder , der Präsident - aber ein Welfe zu werden , wie etwa Klingsohr , Lucinde , andere Abtrünnige , widerstand ihm ebenso ... Der Mutter konnte er seine irrenden Gedankengänge nicht mittheilen ... Er erzählte nur ... Zunächst berichtete er , wie er die Brüder auf dem Kriegsschiff täglich besucht und mit ihnen politisirt und philosophirt hätte , bis das Schiff die Anker lichtete und nach Malta segelte ... Später , als die Hitze in Sicilien und bei seinen Wanderungen auf den Aetna zu unerträglich geworden , wäre auch er ihnen nach Malta gefolgt ; er hätte sie auf dem felsigen Eiland mitten unter den für sein Gefühl zweideutigen Elementen der emigrirten Verbannten wiedergefunden wie zwei Engel des Lichtes ... Schreckhaft , fuhr er in seiner Darstellung fort , war die Seefahrt selbst ... Nach Tagen der drückendsten Hitze sprang das Wetter um und ich erlebte einen Sturm . Die Küste Siciliens wurde ein einziger Nebelball . Das dunkelgraue , bald nur noch einem weißen Gischt gleichkommende Meer wälzte sich wie von einem unterirdischen Erdbeben gehoben . Das Schiff , ein englischer Dampfer , sank und stieg , wie von geheimen Schlünden ergriffen , die es bald hinunterzogen und wieder ausspieen . Jeder Balken ächzte . Der Regen floß in