, thut er mir leid , der brave , gute Alexei ! Ich könnte die Frau hassen und gestehe Ihnen , ich bin ganz portirt für meinen kleinen italiänischen Deserteur ... Trotz dieses abscheulichen Briefes ? sagte Rudhard , gerührt von Dystra ' s gutmüthigem Humor , für den ihm eigentlich das Verständniß fehlte . Trotz dieses Briefes , an dem mich nur Wunder nimmt , daß sie meinen glücklicheren Nebenbuhler , den Maler Siegbert Wildungen nicht erwähnt . Es kommt noch ! ergänzte Rudhard diesen Einwand , der den Beweis gab , daß man im Hause der Fürstin so aufrichtig gewesen war , die Existenz Siegbert ' s nicht zu verschweigen . Aber wol nur Rudhard war es gewesen , der Siegbert in Beziehung auf Olga erwähnt hatte . Die Fürstin wäre dieser Selbstüberwindung nicht fähig gewesen . Ich will den Kelch zu Ende schlürfen , sagte Dystra ernster und setzte sich . » Der gute Vater umschwebt mich oft wie im Traume « , las Rudhard , » und sagt zu mir : Olga , vergib , ich glaubte , du wärst herzlos wie deine Mutter ! Du würdest Den zum Gatten wählen , den du nicht kennst , nicht liebst . « Gegen die Mutter ist Das ein wirklicher Haß ! bemerkte Dystra kopfschüttelnd . » Und ich sage ihm im Traume : Laß mich Den wählen , Vater , den meine Seele liebt ! Und sein Bild verdüstert sich vor Gram , daß sein hinterlassenes Weib , die Witwe Alexei Wäsämskoi ' s , den Jüngling lieben kann , den sein Kind liebt ! O Rudhard , sage Das meiner Mutter ! Sage ihr , daß es einen Gott im Himmel gibt , der sie strafen wird ! Der Herr richtet die Schuldigen . Was ist mehr eine Todsünde , die Niemand vergeben kann , als wenn ... « Les sept péchés capitaux ! unterbrach Dystra . Nun springt sie in Eugène Sue über ! » Als wenn eine Mutter ihrem eignen Kinde ihr Kleinod raubt ! Ich weiß es , mein Treuer flieht sie , wie ich sie geflohen bin ! Sein Segen folgt mir , seine Liebe begleitet mich . Ich will mich bilden , ich will an den heiligen Quellen Italiens schöpfen , daß ich mich erfülle mit der hohen Wissenschaft der Kunst , die er liebt , um seiner würdig zu sein . Ich lese Bücher der Poesie , aber auch Schriften der Prosa und verweile bei Allem , was zu wissen merkwürdig ist . Ich zeichne mir die schönen Gebäude ab und erkundige mich nach Allem , was in einer Stadt lehrreich zu sehen ist . Auch frag ' ich alle Menschen an jedem Ort , ob sie gut und glücklich leben können und welche Früchte bei ihnen wachsen ... « Was ? rief Dystra . Das noch einmal ! Sie fragt Jeden , welche Früchte bei ihm zu Lande wachsen ? Das Mädchen gibt entweder eine Närrin oder ein Ideal . » Von Italien aus , Papa , schreib ' ich dir wieder . Wir reisen nun über die Alpen . Wir sind immer allein . Nur die Bedienten und die beiden Mädchen . Tante will gar keine andre Gesellschaft . Nur über die Alpen wird es uns recht einsam vorkommen . Aber wir haben Muth und wenn er uns manchmal entsinkt , umarmen wir uns und sind wieder neugestärkt . Leb ' wohl , Papa ! Denke zuweilen über mein Glück nach ! Grüß ' unser liebes Gärtchen , das jetzt schon recht welk und kahl aussehen wird ! Grüße den garstigen Sensenmann auf deinem Zimmer , der uns ewig zugerufen hat : Du mußt sterben , deine Stunden sind gezählt ! Aber noch leben wir . Erst Neapel sehen und dann sterben ! Deine Olga Wäsämskoi . « Kein Postcript ? bemerkte Dystra kopfschüttelnd und satyrisch . Wohl , sagte Rudhard und las , während Dystra einschaltete : Doch ein Frauenzimmer ! » Wenn ich sage , daß ich dich hasse , Papa , so brauchst du Das nicht so ernst zu nehmen . Es ist keine Gefahr dabei . Aber dem Baron und der Mutter verschweige nichts . So lange sie mein Herz bedrohen , kehr ' ich nie zurück und sollt ' ich betteln gehen und vor den Häusern singen . Das sage ihnen ! « Oder Kunstreiterin werden oder auf dem Seile tanzen oder an dem ersten besten Pariser Lion in einer Mondnacht in Fraskati zu Grunde gehen ! Dystra ' s schmerzlicher Ton und seine ernste Miene bestätigte , was Rudhard fühlte , daß hier in der Erziehung ein Versehen begangen war . Rudhard überreichte Dystra den Brief und legte ihn , da dieser ihn nicht nehmen wollte , auf den Tisch . Was ist da zu thun ? Ich habe , begann Rudhard , das Buch der Wahrheit vor Ihnen aufgeschlagen , gleich als Sie kamen . Ich sagte Ihnen von Siegbert Wildungen , von der Mutter , von Olga ' s schnellentzündetem Kinderherzen . Helene hat alle Dem , was in dieser leidenschaftlichen Natur schlummert , den modischen , tagesüblichen Ausdruck gegeben , das Kind , statt zurückzuführen zu uns , wie eine Puppe , an der sie ihre Gefühlständeleien auslassen kann , mit sich hinweggenommen , meine dringende Aufforderung zur Rückkehr mir so beantwortet ! Den übersandten Wechsel schickte Olga gleichfalls zurück . Sie sehen den offnen Thatbestand . Was läßt sich thun ? Fassen Sie die Entschlüsse , die Ihnen die rechten scheinen ! Mein natürliches Gefühl , sagte Dystra , der sich inzwischen angekleidet hatte , fordert mich auf , entweder unmittelbar diesen Flüchtlingen nachzureisen oder Alles auf sich beruhen zu lassen und die weitere Entwickelung abzuwarten . Ich gestehe , daß ich erst jenen Siegbert Wildungen kennen lernen muß , der hier so viel heillose Verwirrung angerichtet hat . Es ist ein liebenswürdiger , nur zu weicher Schwärmer - sagte Rudhard . Ein edler Mensch , wenn er