sächsischen Städtchen zu berichten . Gestatten Sie mir in diesem Berichte fortzufahren . Ich versuchte jedes Mittel in Dresden , meine Freilassung zu bewirken , aber man antwortete mir , » daß man trotz des besten Willens nichts ändern oder beschleunigen könne , da der Kurfürst selbst nicht das Recht habe , dem Gange der Justiz vorzugreifen . « Einem Schreiben unseres Gesandten konnte ich entnehmen , daß es das Beste sein würde , Begnadigung nachzusuchen , will sagen Pardonnierung um Geld . Ich überlegte mir , daß man mich in jenem Lande nach Willkür taxieren und meine Begnadigung auf etwa 200 Dukaten festsetzen würde . Das war mir zu hoch , und da mich auch Herr von Hertzberg um eben diese Zeit wissen ließ , » er rate mir , mich anderweitig aus der Sache heraus zu ziehen « , so beschloß ich Flucht . Ein Doppelposten hatte mich zu bewachen , indessen war mir um meiner Gesundheit willen gestattet worden , in einer Ausdehnung von etwa hundert Schritt vor dem Hause zu promenieren . Ich benutzte dies als Mittel , mich zu befreien , instruierte meinen ängstlichen , aber durchaus verständigen und zuverlässigen Diener und ließ ihn , als er genau wußte , was zu tun war , abreisen . Am andern Tage fünf Uhr früh erschienen denn auch zwei berittene Leute vor der Stadt , jeder noch mit einem Handpferde neben sich , und gaben sich , während sie ruhig einritten , das Ansehen , als ob sie die Hauptstraße der Stadt und bei der Gelegenheit meine Wohnung passieren wollten ; in demselben Augenblick aber , wo sie bis dicht heran waren , schwangen wir uns , Koppi und ich , hinauf und jagten auf das Tor zu . Die Straße war sehr lang und ehe wir den Ausgang erreichen konnten , sahen wir schon , daß man Miene machte , das Gatter von obenher herabzulassen . Jetzt galt es Eile . Auf die Gefahr hin , mir den Kopf einzuschlagen , prescht ' ich durch , Koppi mir nach , und nur unsere zwei Leute , die den rechten Augenblick versäumten , wurden gefangen genommen . Sind übrigens inzwischen auf Reklamation unserer Behörden wieder in Freiheit gesetzt worden . Unsere Flucht war also geglückt . Ich wandte mich nunmehr von Baruth aus direkt nach Britz , wo mir Herr von Hertzberg ein vorläufiges Asyl zugesichert hatte . Daselbst erfuhr ich denn auch , daß meinem Inkognito-Aufenthalt in Berlin aller Wahrscheinlichkeit nach nichts im Wege stehen werde , worauf hin ich mich , von Britz aus , in die Stadt begab . Aber sehr zur Unzeit , da bereits am anderen Morgen auf eine von Baruth her an das Kammergericht gerichtete Requisition meine Verhaftung erfolgte . Beiläufig eine Dummheit , insoweit das Kammergericht dieser Requisition keine Folge zu geben brauchte , vielleicht nicht einmal durfte . Sechs Tage später erst wurd ' ich auf Fürsprache des Herrn von Hertzberg und nach eidlicher Versicherung meinerseits , mich wieder stellen zu wollen , aus der Haft entlassen , nachdem ich all die Zeit über in der Hausvogtei ( ganz wie Vetter Dodo nach seinem Duell mit Herrn von Bredow ) eingesperrt gewesen war . Zwei Landreiter vor meiner Tür . Ich hatte bei meiner Hierherkunft wenigstens gehofft , vor einem aus der Duellgeschichte hergeleiteten Kriminalprozeß sicher zu sein , aber sehr mit Unrecht ; ein schändlicher Kerl , der Generalfiskal , hat mich , auf ich weiß nicht welche Veranlassung hin , denunziert und so wird denn doch ein Prozeß stattfinden , an dem ich wiederum das am meisten beklage , daß er mutmaßlich große Kosten verursachen wird . In meinem nächsten Briefe werde ich wohl von diesem Prozesse zu berichten haben . Bis dahin und für immer in tiefstem Respekt Ihr ergebener und gehorsamer Sohn George . Berlin , den 15. August 1783 . Mein hochverehrter Herr Vater . Meine Verhöre sind beendigt . Bei der Unzahl von Zeugen , die sowohl die Fürstenberger wie die Baruther Affäre gehabt hat , hab ' ich in bezug auf das Tatsächliche nichts verheimlichen können , aber in bezug auf alles das , was vorausging , habe ich vieles unterdrückt , entstellt und gedreht , um unseren Streit als ein » Renkontre « und nicht als ein » Duell « ( worauf härtere Strafen stehn ) erscheinen zu lassen . Im übrigen brauch ' ich Ihnen nicht zu versichern , mein hochgeehrter Herr Vater , wie sehr man bemüht gewesen ist , mich , besonders bei Behandlung des » delikaten Punkts « , in die Enge zu treiben . Sie haben , so schreiben Sie mir , von den Gerüchten gehört , die betreffs meiner umgehen , und verlangen Aufklärung darüber . Was mir zu sagen obliegt , ist kurz das : alle diese Gerüchte sind begreiflich und erstaunen mich nicht . Ich habe , dies bitt ' ich rund heraus versichern zu dürfen , zu viel Vertrauen und Entgegenkommen , zu viel versöhnlichen Geist und Delikatesse gezeigt , um auf ein volles Verständnis meiner Handelsweise rechnen zu können . Am wenigsten bei dem großen Haufen . Ich begegne hier tagtäglich Personen , auch Gebildeten , die mir ihre Verwunderung darüber ausdrücken , daß ich aus meiner Fürstenberger Situation nicht größeren Vorteil gezogen und die mir günstig gesinnte Bevölkerung nicht einfach zum Angriff gegen Elliot angeregt habe . Wohlan , soviel ist gewiß , daß ich bei solchem Verfahren in meinem vollen Recht gewesen wäre . Doch lag es mir fern , mein Recht in solcher Ausdehnung üben zu wollen . Wieder andere begreifen nicht und tadeln mich bitter , einem solchen Gegner die von ihm so sehr gewünschte » Er klärung « und in eben dieser Erklärung die Verzeihung für all seine Tollheiten gegeben zu haben . Und alle solche Vorwürfe muß ich ruhig hinnehmen . Es gibt eben wenig Personen , die von Generosität eine Vorstellung haben und sich klar machen , daß ein Ehrenhandel etwas anderes ist und