aber behindert worden , weshalb ich mich denn gezwungen sah , eine Estafette nach Berlin zu schicken , um mich des Beistandes eines dort lebenden Offiziers , des Kapitäns Koppi , zu versichern , der mir schon einige Zeit vorher für den Fall , daß Maltzahn nicht könne oder wolle , seine Bereitwilligkeit ausgedrückt hatte . Koppi kam auch , forderte jedoch hundert Louis für seinen Dienst , und ließ sich einen Schuldschein darüber ausstellen , nachdem ich ihm erklärt hatte , daß mir die Summe für den Augenblick nicht zur Verfügung stehe . Den Generalfiskal hatte mittlerweile nicht aufgehört , die Sache zu verfolgen , ja mir wurde Mitteilung , daß er damit umgehe , mich in Fürstenberg verhaften zu lassen . Einer solchen Verhaftung mich zu entziehen , ging ich weiter landeinwärts und ließ Elliot , unter Angabe der Gründe , weshalb ich den Ort gewechselt hätte , wissen , daß ich ihn zu der zwischen uns festgesetzten Zeit in dem Städtchen Penzlin erwarten würde . Wer aber nicht kam , war Elliot . Erst am fünften Tage ließ er mir sagen , daß er Anfang August in Lübeck sein werde . Zu gleicher Zeit erfuhr ich , daß er in hauptstädtischen Kreisen in echt Elliotscher Weise mit der Versicherung von Haus zu Haus gegangen sei , mich in Fürstenberg » malträtiert « zu haben . Ich beschloß nun , auf jede Gefahr hin inkognito nach Berlin zu gehn und ihn am selben Tage noch , oder doch am folgenden , zum Duell zu zwingen . Es gelang mir auch , unentdeckt in die Stadt zu kommen , woselbst ihm Kapitän Koppi dieselbe Nacht noch meine Herausforderung zutrug , in der ich ihm zwischen einer Berliner Vorstadt und der sächsischen Grenze die Wahl ließ . Er wählte Baruth und zwar für den nächsten Tag . Und hier kam es denn auch wirklich zum Duell . Wir wechselten zwei Kugeln auf fünfzehn Schritt . Als dieser doppelte Kugelwechsel ohne Resultat geblieben war , verlangte Elliot mich zu sprechen und sagte mir : » daß der Überfall in Fürstenberg ihm unendlichen Schaden tue , so sehr , daß er weder aufs neue seinen Posten antreten , noch auch nach England zurückkehren könne , wenn ich dem Gerüchte , daß er mich à la mode d ' un assassin angegriffen habe , nicht in einer Erklärung entgegen träte . « Nach meiner Weigerung , eine solche Erklärung abzugeben , schritten wir zum dritten Gang . Ich hatte wieder den ersten Schuß und verwundete ihn an der Hüfte . » Geben Sie mir das Papier « , rief er mir zu , » so schieß ich in die Luft . « Ich antwortete : » Nein , mein Herr ; schießen Sie zunächst ; nachher werd ' ich mich erklären « . Er legte auf mich an , gab aber seinem Pistol plötzlich eine veränderte Richtung und schoß in die Luft . Dadurch war ich entwaffnet und gab ihm nunmehr eine noch viel weitergehende Erklärung als die war , die er von mir gefordert hatte . Noch an Ort und Stelle ließ er mich wissen , daß er nach Berlin gehe , daselbst das Scheidungs-Erkenntnis in Empfang zu nehmen , und knüpfte daran die Frage , » ob ich gesonnen sei , seine Frau zu heiraten ? « Ich antwortete , » daß dies nicht der Platz sei , darüber zu verhandeln « , worauf wir uns trennten . Er kehrte danach auch wirklich nach Berlin zurück , was er in seiner Eigenschaft als fremder Gesandter konnte , wohingegen ich erst abwarten mußte , wie man den ganzen Hergang aufnehmen werde . So begab ich mich denn zunächst in die Stadt Baruth hinein , um von dort aus nach Dessau weiter zu reisen . Aber ehe ich noch Pferde vom Postmeister erhalten konnte , wurde ich schon durch einige Gerichtsdiener arretiert , die gemeinschaftlich mit sechzehn Bürgergardisten mein Haus umstellten . Am Tage danach erschien ein Unteroffizier mit sechs Mann , der aus der nächsten sächsischen Garnisonstadt zu meiner weiteren Bewachung abkommandiert worden war . Ich schickte sofort einen reitenden Boten an unseren Dresdener Gesandten , aber alles geht hier langsam , und so verbrauch ich denn viel Geld und zwar um so mehr , als ich nicht bloß für mich , sondern auch noch für meinen Sekundanten aufzukommen habe . Man rät mir Flucht und ich werde es , aller Mißlichkeit unerachtet , versuchen . Sobald etwas in diesem Sinne geschehen ist , schreib ' ich aufs neue . Heute bitt ' ich nur noch , von dem , was sich in vorstehendem auf das Duell und meine Baruther Internierung bezieht , Abschrift nehmen und diese Kopie meines Briefes an Herrn von Gaudi gelangen lassen zu wollen . Unter der Versicherung tiefsten Respekts , hochgeehrter Herr Vater , Ihr ergebenster und gehorsamster Sohn George . 7. Kapitel 7. Kapitel Was nach dem Duell geschah Baron Knyphausen , wie sein letzter Brief es andeutete , befreite sich wirklich aus seinem Baruther Gewahrsam und kam glücklich nach Berlin . Aber freilich ohne seines Aufenthaltes daselbst froh zu werden . Er hatte durch seine Handelsweise niemanden zufrieden gestellt . Die Gerichte zogen ihn vor ihr Forum und trafen ernstlich Anstalt , ihn als einen Duellanten , Friedensbrecher und Raufbold zu bestrafen , während ihm umgekehrt die Bevölkerung , insonderheit aber die vornehme Welt , einen Vorwurf daraus machte , nicht raufboldig genug , vielmehr viel zu schwach und ängstlich gewesen zu sein . Er litt unter jedem dieser Vorwürfe , zumal unter dem zweiten , und die dieser Zeit angehörigen , an seinen Vater gerichteten Briefe geben Zeugnis von einer gewissen Niedergeschlagenheit . Ich fahre fort in Mitteilung dieser Briefe . Berlin , 30. Juli 1783 . Mein hochgeehrter Herr Vater . In meinem letzten , aus Baruth datierten Briefe , hatt ' ich bereits die Ehre , Ihnen über mein Duell mit Mr. Elliot und daran anschließend über meine Gefangenschaft in dem kleinen