Lucindens Schilderung , daß diese Liebe mehr ein Gegenstand des Spottes als des Glückwunsches ist ... Schon hab ' ich mich gewöhnt , sie wie meinen Stern des Morgenlands zu betrachten , dem die Lebensreise unbewußt folgt ... Ich hoffe um so weniger auf Erfüllung , als der Freund , den ich jeden Augenblick erwarte , ebenso leidet wie ich ... Mein Sohn , sagte die Mutter voll Theilnahme , es gibt in der Liebe vielerlei Wege ... Die gerade Straße führt nicht immer zu dem was für uns bestimmt ist ... Hoffe ! ... Benno hielt einen Augenblick inne und schüttelte seine ihm fast auf die Schultern reichenden schwarzen Locken ... Nach einer Weile fuhr er fort : Auf diese Mittheilung , die mich außerordentlich überraschte , wurde ich mit Admiral Bandiera vertrauter ... Daß der vom Staatskanzler mir gegebene Auftrag eine ganz zufällige Veranlassung hatte , schien ihn fast zu erfreuen ... Er faßte Vertrauen , als ich ihm sagte : Die Jugend des jetzigen Europa wächst in neuen Anschauungen auf ! Zwei Offiziere , die ihren Eid brächen , könnte man freilich nicht entschuldigen ; aber wie oft hätten auch die Völker und die Fürsten in diesen Zeiten ihre Eide brechen müssen ! ... Nein , wallte er auf , ich schieße sie nieder , die Fahnenflüchtlinge , Verräther an ihrem Kaiser , ihrem Schiff , dem sie angehörten , dem Palladium ihrer Ehre ! ... Die Erregung , mit der der greise Admiral diese Worte sprach , glich der des Brutus , der seine Söhne zu richten hat ... Dennoch könnt ' ich erwarten , daß diese Reise nach Korfu , wo die Söhne ein Asyl bei den Engländern gefunden hatten , die Wendung der Versöhnung nahm . Ich bemitleidete den Greis , dessen Inneres von Folterqualen zerrissen schien ... Die Mutter nahm schon längst Partei für die Söhne ... Sie machte eine jener verächtlichen Mienen , von denen auch nur , wenn innerliche Abneigung sie ergreift , die Südländerin ihre Gesichtszüge entstellen läßt ... Ihren Pahs ! und Ehs ! erwiderte Benno : Ich rechnete zu des Paters Leiden die mir vollkommen ersichtliche Liebe und Theilnahme für seine Söhne ... Sie schienen die Augäpfel seines Lebens ... Beide Söhne waren der Stolz der Mutter , die nach Mailand geeilt war , um die Gnade des Vicekönigs anzurufen ... Sie hatte tröstende Versprechungen zurückgebracht , falls die Flüchtlinge reuig wiederkehrten ... Ja im Stillen gährte in des Alten Brust die Regung des geborenen Italieners . Er glaubte vollkommen an die Möglichkeit dieser Verirrung , schrieb er sie auch nur auf Rechnung der Verführung - Er , er wollte ihnen lieber die kaiserliche Kugel vor die Stirn brennen lassen , rief er aus , als sie mit diesen Mordbrennern und Mördern in London , Malta , Korfu , wo die Junten des » Jungen Italien « säßen , Hand in Hand gehen zu sehen - Bald jedoch setzte er hinzu : Dort suchen und finden sie die Kugel sichrer , als wenn sie nach Venedig zurückkehren , ihren Richtern sich stellen und ihr Schicksal der Gnade des Kaisers empfehlen ! ... Was thun solcher Jugend , fuhr er wie - ein Italiener zu calculiren fort , ein paar verlorene Jahre ? Bis dahin ändert sich vieles . Aemilio , mein jüngerer , ist kräftig ; Attilio , der ältere , zarter - erst dreiundzwanzig Jahre alt ... Das Auge der Herzogin leuchtete hell auf ... Ihr Herz schlug für die jungen Flüchtlinge , die zu jenem Bunde gehörten , von dem zwölf Logen auch in Rom wirken sollten - zu jenen Verschwörungen , um derentwillen Fefelotti und Ceccone scheinbar Frieden geschlossen ... Nur blieb sie besorglich gespannt ... Wie konnte diese Begegnung Veranlassung sein , daß Benno so plötzlich nach Rom kam und sogar , wünschen konnte , Ceccone und Olympien wieder zu begegnen ... Ihre Augen , die wie glühende Fragezeichen auf dem sonnenverbrannten Antlitz des Sohnes hafteten , sprachen : Was willst du mit alledem ? ... Mutter , sagte Benno liebevoll , ich gestehe dir ' s , ich habe bei allen diesen Beziehungen nur an dich gedacht , habe aus deinem Sinn heraus darüber geurtheilt - du hattest mich schon in Wien zum Italiener gemacht ... Divino ! flüsterte die Herzogin und küßte Benno ' s Stirn ... Benno drückte ihre Hand und fuhr fort : Ich empfand Mitleid mit dem Vater und den Söhnen ... Auch die Söhne schienen ihren Vater zu lieben und die Schande vollkommen zu erkennen , die sie ihm bereiteten ... Er erzählte die rührendsten Züge ihrer Anhänglichkeit ... Wie erkannt ' ich das schöne Band , das einen Sohn an seinen Vater fesseln kann - wie den Schmerz , nicht mit ihm dieselbe Bahn gehen zu dürfen ! ... Ich vergegenwärtigte mir den Mann , dessen Namen auch wir tragen sollten und sagte mir : Hättest du ihn im Leben zur Rechenschaft fordern dürfen , wer weiß , ob sein Anblick dich nicht entwaffnet hätte ... Orest tödtete seine Mutter ! wallte die Herzogin auf ... Aber die Furien verfolgten ihn ! entgegnete Benno ... Ein unheimliches Brüten trat in die Augen der Herzogin ... Sie schien sich auf die Momente Wittekind ' s zu besinnen , von denen sie selbst erzählt hatte , daß sie bestrickend sein konnten ... Sie brütete , ob sich Benno etwas daraus machen würde , sich mit der Zeit einen Wittekind zu nennen ... Fefelotti konnte mit einem Federstrich ihre Ehe legitimiren ... Für wissentliche und unwissentliche Bigamie gab es in Rom dicht an der nächsten Straßenecke die officielle Entsühnung ... In Ancona nahm ich Abschied von dem greisen Helden , fuhr inzwischen Benno fort . Obgleich das Schiff einen Tag rastete , blieb der Admiral auf seinem Elemente . Anconas Thürme schreckten ihn . Er hatte die Fahne des » Jungen Italien « auf ihnen gesehen . Er hatte die Flüchtlinge von Forli und Rimini aufgefangen und an die Kerker