auch wenn sie nicht mich , sondern andere treffen , berühren mich stets als Unerträgliches und bestimmten mich auch hier zu Schritten , die mir die Dankbarkeit der jungen Frau , aber freilich auch die Feindschaft ihrer Mutter und ihres Mannes eintrugen . Dieser wurde zum Überfluß auch noch eifersüchtig und gab mir schließlich den Rat , mich um die Angelegenheiten seiner Frau nicht weiter zu kümmern , auf welche Drohung hin ich nur antwortete : » daß ich meinen Eifer von jetzt ab verdoppeln würde « . Dasselbe sprach ich auch gegen die Mutter , eine vom unerträglichsten Herrschsuchtsteufel geplagte Närrin aus , als sich dieselbe veranlaßt sah , einen ähnlich hohen Ton wie der Schwiegersohn gegen mich anzustimmen . Inzwischen war der Winter herangekommen und der Prinz Heinrichsche Hof übersiedelte wie gewöhnlich von Rheinsberg nach Berlin . Auch Madame de Verelst bezog wieder ihre Stadtwohnung , ebenso Frau von Elliot . Diese letztere nunmehr jeder Selbständigkeit und jeder Freiheit zu berauben , war ein mittlerweile herangereifter Plan . Ich sah klar , daß man gewillt war , die junge Frau , sei ' s mit , sei ' s ohne Zustimmung , auf ein Elliotsches Schloß zu schaffen , um sich derweilen ihres Vermögens bemächtigen zu können . Und das zu hindern , wurde von nun an meine Aufgabe . Bald nach Neujahr 1783 erfolgte Elliots Versetzung vom Berliner Hof an den Kopenhagener . Er akzeptierte die Versetzung und ließ seine Frau samt einem vierjährigen Töchterchen mit der Weisung zurück , ihm in der schönen Jahreszeit zu folgen . Aber Frau von Elliot war nicht gesonnen , dieser Weisung zu gehorchen . Voll Abneigung gegen ihren Gatten , erbat sie sich meinen Rat in dieser Angelegenheit und führte dadurch einen Briefwechsel herbei , der zunächst den heftigsten Zorn der Mutter erregte . Sie setzte sich denn auch mit Elliot selbst in Verbindung und vereinbarte folgenden Plan . Er , Elliot , solle plötzlich erscheinen , in die Zimmer seiner Frau dringen , ihre Büreaus erbrechen , die sträfliche Korrespondenz an sich nehmen und unter Androhung eines gerichtlichen Verfahrens die Zustimmung der jungen Frau zu jedem von Mutter und Ehemann gewollten Schritt erzwingen . Auch hinsichtlich der vierjährigen Enkelin wurden Bestimmungen getroffen ; das Kind sollte für immer bei der Großmutter bleiben und von dieser erzogen werden . Auf all dies ging Elliot ein , erschien wirklich in aller Plötzlichkeit in Berlin , bemächtigte sich der Papiere , zugleich auch des Kindes und schickte das letztere dieselbe Nacht noch in Begleitung eines vertrauten Dieners nach Kopenhagen . Er folgte selbst tags darauf , ohne seine Frau gesehen zu haben . Nur mit seiner Schwiegermutter , die gegen die dem Programm widersprechende Wegführung ihrer Enkelin protestiert hatte , war er schließlich in eine heftige Streitszene geraten . So der erste Akt . Einige Zeit danach erhielt ich einen Brief Elliots , in dem es hieß , es stünde jetzt in seiner Hand , mich der Strenge des Gesetzes oder des Königs in Person zu überliefern , er verzichte jedoch darauf , wenn ich meinerseits nach Dänemark kommen und mich in der Nähe von Kopenhagen mit ihm schlagen wolle . Das war eine sonderbare Zumutung . Ich antwortete ihm , daß er ein Narr wäre , dem nachzulaufen ich nicht die geringste Veranlassung hätte ; während seiner Anwesenheit in Berlin hätte sich notwendig die Zeit zu solcher Begegnung finden müssen , das wäre das Korrekte gewesen , jedenfalls korrekter , als per Post abreisen und nachträglich eine solche Bravade in die Welt zu schicken . Auch an Madame de Verelst schrieb ich , unter nur zu gebotenem Hinweise darauf , wie wenig geraten es sei , derlei Familienangelegenheiten an die große Glocke zu hängen . Elliots Freunde veröffentlichten inzwischen Elliots Brief an mich und behaupteten : » ich habe Satisfaktion verweigert « . Das zwang mich nunmehr , auch meinen Brief zur allgemeinen Kenntnis zu bringen und unter anderm eine Kopie desselben an unsern preußischen Gesandten in Kopenhagen gelangen zu lassen . All dies ereignete sich im April . Zwei Monate waren bereits vergangen , als ich plötzlich erfuhr und andere mit mir : Elliot komme nach Berlin , um sich mit mir zu schlagen . Die Sache machte begreiflicherweise Sensation und im Publikum sprach man eine Zeitlang von nichts anderem . Ich meinerseits ließ die Leute reden und wartete der angekündigten Dinge , bis ich eines Tages in Erfahrung brachte , der Generalfiskal habe Befehl erhalten , ein Renkontre zwischen Elliot und mir unter allen Umständen , ja nötigenfalls mit Gewalt zu hintertreiben . Auf diese Mitteilung hin verließ ich Berlin sofort , um mich behufs ungehinderter Ausfechtung unserer Sache hierher ins Mecklenburgische zu begeben . Es war das um so nötiger , als man seitens der Elliotschen Partei , die sich durch Rücksichtslosigkeit und Lüge auszeichnet , bereits verbreitet hatte , die angedrohte Einmischung des Generalfiskals sei durch mich veranlaßt worden . So liegt momentan der Streit . Elliot ist brieflich benachrichtigt worden , daß ich mich hier in Fürstenberg befinde . Mehr konnte mir nicht obliegen . Sobald sich weiteres ereignet haben wird , werd ' ich nicht säumen , Sie , teuerster Vater , davon in Kenntnis zu setzen . Ihr G. W. Kn . 6. Kapitel 6. Kapitel Die Krautentochter wird Ursache eines Duells zwischen Mr. Elliot und Baron Knyphausen So weit Knyphausen in seinem ersten , die Duellfrage berührenden Schreiben . Als er vierzehn Tage später einen zweiten Brief an seinen Vater richtete , hatte das Duell bereits stattgefunden , nachdem demselben ein seltsames Vorspiel , ein Überfall , vorausgegangen war . Ich gebe diesen Brief , der im wesentlichen ( alle Briefe sind französisch geschrieben ) des folgenden Inhalts ist . Baruth in Sachsen , 18. Juli 1783 . Mein hochgeehrter Herr Vater . Der letzte Brief , den ich an Sie richten durfte , war von Fürstenberg im Mecklenburgischen aus datiert . Ich schrieb Ihnen damals , daß ich Elliot von meiner Anwesenheit