... Jetzt sank er zwar nicht ganz zu dieser Vielseitigkeit herab , aber den Koch mußte er doch heute Abend mit dem Kammerherrn zu verbinden wissen ... Er versprach ein Souper herzurichten , wie es sich für eine Herzogin gebührte ... Die Mutter ordnete und schmückte die Wohnung und - sich selbst ... Das Haus war in Aufregung ... Una conoscenza della Padrona - aus Wien ... Wozu brauchte es weiterer Aufklärung ... Das beste Zimmer der Etage bot einen Ausgang auf eine prächtige Altane - das Dach eines vorgebauten , niedrigeren Hauses ... Hier war die Plateforme mit riesigen großen Blumentöpfen bestellt , mit kleinen Orangen- , großen Oleanderbäumen ... Die geöffnete Thür ließ die Wohlgerüche der Pinciogärten in das einfache , heute doppelt sorgfältig geordnete Zimmer einziehen ... Noch wurden Teppiche auf die Stellen gebreitet , die die Blumenstöcke leer ließen ... Das die unschuldigste Nachahmung der » hängenden Gärten der Semiramis « ... Ein ungehinderter Fernblick zeigte ein Häusermeer , aus dem die Kirchen , Säulen und Obelisken , schon von der sinkenden Sonne beleuchtet und rosig verklärt , emporragten ... Die Luft noch wie frühlingsmilde ... Die Mutter hätte der Welt rufen mögen : Wo ist heute eine Festesfreude , wie bei mir ! ... Marco lief hin und her und kaufte ein ... Mag er ein wenig die Ohren spitzen , mag er sogar denken : Das ist wol gar der Vielbesprochene , um den die Fürstin Rucca so manche Tasse zerbrach und so manchen Teller an den Kopf der Diener schleuderte ! ... So dachte sie ... Aber nun : Was wird Olympia sagen ! ... Da stand sie beim Arrangement ihrer Blumen still und flüsterte : Wohl ! Wohl ! Was wird Olympia sagen ! ... Mehr schon zu fassen und zu denken vermochte sie noch nicht ... Benno kam dann rechtzeitig und noch vor dem Abend ... Der Freund war nicht angekommen ... Er hieß Thiebold de Jonge - » Tebaldo « , wie man wenigstens den Vornamen behielt ... Ist es wol der ? fragte die Mutter und erzählte was sie von Lucinden über Armgart ' s drei Freier wußte ... Benno zog die gelben Handschuhe aus , knöpfte den schwarzen Frack auf , strich den langen lockigen Bart , der auf die weiße Weste niederglitt , und sagte : Es ist unwürdig , von Armgart in einem Augenblick zu sprechen , wo ich nur zu sehr verrathe , daß - ich bedauere , von Olympien vergessen worden zu sein ... Wieder dasselbe Räthsel , wie heute früh ... Die Mutter begriff diese Aeußerung nicht ... Aber sie wußte , daß die Aufklärung nicht fehlen sollte ... Jetzt hatte sie nur mit Benno ' s Person , mit dem Glück , ihn zu besitzen , zu thun und war wie eine Braut mit ihm ... Eine Braut ist in den ersten Tagen ihres Glücks ganz nur von stiller Prüfung und Beobachtung erfüllt , wie sich der Geliebteste in der ihm jetzt gestatteten engeren Vertraulichkeit des Umgangs ausnimmt ; wie ihm die Berührung mit ihrem eigenen kleinen Dasein steht ; wie ihre Blumen , ihre Bücher , ihre kleinen Pedanterieen am Nähtisch von ihm beurtheilt werden ; wie in die tägliche Ordnung des Aelternhauses sein Wesen sich bescheiden oder vielleicht gar - o Wonne und Glück ! - ihre aparten Ansichten über diesen Brauch und jenen Misbrauch den Aeltern gegenüber unterstützend fügt ... Wohl dem Bund , wo dann alles so still beklommen Beobachtete die Seligkeit des Besitzes mehrt , kein plötzlich ausbrechender Thränenstrom verräth , daß oft ein einziges , allzu sorglos hingeworfenes Wort den Cultus eines ganzen ersten Jugendlebens stürzt - Welten wie Spinneweben zerreißt ... Wohl dem Bund , wo die Harmonie der Herzen dann auch eine des Geistes und unsers irdischen , oft allerdings launisch bedingten Daseins wird ! ... Benno spöttelte immer noch gern und war nie ein - Zwirnabwickler , wie Armgart die Männer nannte , die sie nicht mochte . Aber » Mutter Gülpen « in der Dechanei hatte ihn doch ein wenig für die Schwächen der Frauen erzogen . Wo er mußte , fügte er sich dem Ton , den die Frauen lieben . Auch Gräfin Erdmuthe hatte nachgeholfen . Er kam so geschult , so rücksichtsvoll und artig , daß die Mutter ihre Freude hatte zu sehen : So nimmt er sich aus vor andern ! So gleicht er - dem bösen Vater und so gleicht er ihm auch nicht ! ... Das Haar unter dem großen Medaillon des mit Orden bedeckten weißlockigen Herzogs von Amarillas hatte er sich wieder betrachten zu dürfen erbeten ... Benno sah ebenso voll Wehmuth den Inhalt der Kapsel , wie mit Interesse das Bild des greisen Herzogs , der in jedem Zug den Spanier verrieth ... Die Politik war in der That die Seele von allem , was Benno in längerer und ausführlicherer Erörterung sprach ... Er sah sich um , ob sie unbelauscht blieben ... Die Mutter führte ihn auf die nun dunkelnde Altane hinaus ... Hier war alles still ... Da saßen sie unter den duftenden Blüten ... Ihre Hände ruhten auf dem Schoos der Mutter ineinander ... Benno ' s die Mutter außerordentlich überraschende Berührung mit den politischen Umtrieben der Jugend und den Flüchtlingen Italiens beruhte auf einem persönlichen Erlebniß ... Nachdem er seiner Fürsorge für Bonaventura ' s Gefahr noch einmal alles hatte berichten lassen , was die Mutter von Fefelotti vorgestern gehört , erzählte er es ... Sein Grübeln über den Anlaß aller dieser Lebenswirren - es war Bonaventura ' s Schmerz um das traurige Geschick seines Vaters - unterbrach er fast gewaltsam ... Er erzählte , daß er vorm Jahre mit den Depeschen des Staatskanzlers nach Triest und von dort zu Schiff nach Ancona gereist wäre - den kürzesten Weg , um Rom in Zeit von acht Tagen zu erreichen ... Auf diesem Dampfboot hätte er eine Bekanntschaft gemacht ... Ein hoher stattlicher Mann wäre ihm aufgefallen , ein Greis mit