aller Welt sie bloßstellende Benehmen ihres Gatten ihr ein Zusammenleben mit ihm unerträglich machte . Es war 1781 oder 1782 , als Elliot , der sich schon vorher in ähnlichen Phantastereien ergangen hatte , plötzlich auf den Einfall kam , seine Frau unterhalte ein Liebesverhältnis mit dem holländischen Gesandten . Der Name desselben wird nicht genannt . Gleichviel . Dieser Gesandte war nicht mehr jung und dachte nicht an Liebesabenteuer . Elliot indessen hatte sich ' s in den Kopf gesetzt und wollte nur noch Gewißheit haben . Um diese sich zu verschaffen , begann er eines Tages nach dem Schlafengehen ( er liebte mitternächtliche Konversationen ) seiner Frau Mangel an Zärtlichkeit vorzuwerfen und ihr bei der Gelegenheit die Namen einer ganzen Anzahl von Personen zu nennen , für die sie sich unerklärlicherweise mehr interessiere als für ihn . Und zuletzt nannt ' er ihr auch den Namen des alten holländischen Gesandten . Sie nahm alles zunächst als einen Scherz , als er aber fortfuhr , sie mit den unziemlichsten und beleidigendsten Fragen zu quälen , riß ihr endlich der Faden der Geduld . » Ob ich ihn liebe ? Jedenfalls lieb ' ich ihn mehr als dich , weil er mich weniger gequält hat als du . « Kaum daß diese Worte gesprochen waren , so sprang Elliot aus dem Bett und lief in nur halb vollendeter Toilette nach dem andern Ende der Stadt , um den holländischen Gesandten wecken zu lassen . Als dieser bestürzt erschien und die Mitteilung einer Nachricht von höchster politischer Dringlichkeit erwartete , fuhr Elliot auf ihn los : » er unterhalte ein Verhältnis mit seiner Frau , was ihm diese vor einer halben Stunde selber gestanden habe . Die Sache müsse sofort geregelt werden , weshalb er hiermit anfrage , ob er seine Frau zu heiraten gedenke ? « Der geängstigte Gesandte versicherte , » daß er Frau von Elliot überhaupt nur zweimal in seinem Leben gesprochen habe ; was aber das Heiraten an gehe , so steh ' es bei ihm fest , überhaupt nicht zu heiraten « . Elliot hörte dies mit Befriedigung , war aber weit entfernt , dadurch beruhigt zu sein , drang vielmehr in den Gesandten , auf der Stelle mit ihm zu kommen und in Gegenwart seiner Frau dieselbe Versicherung abzugeben . Um allerlei Rücksichten willen , die namentlich in den nahen Beziehungen der Madame de Verelst zur Prinzessin von Oranien ihren Grund hatten , ließ sich der Gesandte bestimmen , dem halb unsinnigen Elliot in seine Wohnung zu folgen und hier in Gegenwart der herbeigerufenen Frau von Elliot zu wiederholen » daß ihm beide Male , wo er die Ehre gehabt mit ihr zu sprechen , ein Heiratsgedanke durchaus fern gelegen habe « . Die schon durch sein Erscheinen , aber viel mehr noch durch diese Versicherung aufs äußerste bestürzte Frau verlangte schließlich nur » ein diskretes Schweigen über das Vorgefallene « , was denn auch Elliot nicht bloß zusagte , sondern sofort auch in einem feierlichen Eide beschwor . Aber natürlich nur , um am nächsten Morgen all seinen Freunden und Freundinnen das nächtliche Vorkommnis unter den ungeheuerlichsten Zusätzen als Anekdote zum Besten zu geben . Eine Folge davon war , daß sich die Hofgesellschaft zu größerem Teile von der um ihrer Triumphe willen ohnehin vielbeneideten Frau von Elliot zurückzog . Bis zu diesem Punkte waren die Dinge gediehen , als Baron Knyphausen , der in einem entfernten Verwandschaftsverhältnis zu der jungen Frau stand , aus seiner ostfriesischen Heimat an den Rheinsberger Hof , an dem er eine Kammerherrnstelle bekleidete , zurückkehrte . Hier in Rheinsberg fand er neben Madame de Verelst auch das Elliotsche Paar vor , und wurde , da die Mißhelligkeiten desselben kein Geheimnis waren , alsbald der Vertraute der unsagbar unglücklichen Frau . Sie sahen sich oft , berieten und planten und unterhielten , als Frau von Elliot den Rheinsberger Hof wieder verlassen hatte , sowohl nach Berlin wie nach Hoppenrade hin eine lebhafte Korrespondenz . Um dieselbe Zeit etwa , wo die Korrespondenz geführt wurde , fand die schon vorerwähnte Versetzung Elliots an den Kopenhagener Hof statt , was übrigens ein beständiges und intimes Eingeweihtbleiben in das , was in seinem Berliner Hause vorging , nicht hinderte . Madame de Verelst unterhielt ihn über die fortgesetzten , abwechselnd persönlichen und brieflichen Beziehungen ihrer Tochter zu Baron Knyphausen und entwarf allerlei Pläne mit ihm , diesem Treiben ein Ende zu machen . In Ausführung dieser Pläne war es denn auch , daß von seiten Elliots eine Herausforderung an Knyphausen erging . Und hiermit war der erste Schritt zu jenem zelebren Renkontre geschehen , das uns , auf den nächsten Seiten unter Zugrundelegung einer Anzahl Knyphausenscher Briefe beschäftigen soll . Einiges , was in vorstehendem schon angedeutet wurde , findet darin Bestätigung und weitere Ausführung . Fürstenberg ( in Mecklenburg-Strelitz ) , 4. Juli 1783 . Mein hochgeehrter Herr Vater . Sie werden überrascht sein , von diesem unbekannten mecklenburgischen Städtchen aus einen Brief von mir zu erhalten . Aber das Nachstehende wird Aufklärung darüber geben . Als ich letzten Sommer von meinem Besuch bei Ihnen nach Rheinsberg zurückkehrte , fand ich daselbst eine zahlreiche Gesellschaft vor und darunter auch den englischen Gesandten Elliot , samt seiner Gemahlin Frau von Elliot , einer geborenen Baronesse von Kraut . Frau von Elliot , die bis dahin ihrer großen Schönheit unerachtet niemals einen Eindruck auf mich gemacht hatte , rührte mich durch ihr eheliches Unglück , das viel viel größer war als ihre Schuld , wenn von einer solchen überhaupt gesprochen werden kann . Was stattgefunden hatte , waren Unvorsichtigkeiten , die leider nicht bloß seitens Mr. Elliots , eines ebenso großsprecherischen und eitlen , wie leichtsinnigen und charakterlosen Mannes , sondern auch seitens der eigenen Mutter ausgebeutet worden waren , um der jungen Frau zu schaden . Wirklich Frau von Elliot war das Opfer eines Komplotts , einer Intrige dieser beiden rücksichtslosen Personen , eine Tatsache , die mich empörte . Verfolgungen ,