Du rechnetest auf Olympiens Liebe - ? setzte sie angstbeklommen , wenn auch lächelnd hinzu ... Benno erröthete und erwiderte nichts ... In seinem Schweigen lag - ein aufrichtiges Ja ! ... Die Mutter stand mit bebenden Lippen vor ihm und hielt seine beiden Hände ... Benno verhieß jede Aufklärung ... Jetzt sprach er von einem Freund , der ihn vielleicht bei dem jungen Fürsten Rucca schon angemeldet hätte ... Ich Thörin ! wehklagte die Mutter . Ich mistraute der Sicherheit unserer Briefe und schrieb dir nichts ... Die Mutter wagte noch nicht von Lucinden zu sprechen ... Benno wurde zerstreuter und zerstreuter ... Er schützte für eine vorläufige Entfernung das Suchenmüssen seines Freundes vor ... Dieser hatte bereits vor ihm eintreffen wollen ... Er erzählte nur noch einiges von Bonaventura ' s schwieriger Stellung , vom Dank , den sich sein Freund erworben durch die Befreiung einiger Opfer der Inquisition , von Bonaventura ' s Mistrauen in die ihm von Rom durch Lucinde und die Mutter gewordenen Mittheilungen über die Identität jenes Pilgers mit dem Eremiten Fra Federigo , der sich nach allgemein dort verbreiteter Meinung in den Kerkern der Inquisition zu Rom befinden müsse , von der bedenklichen Feindschaft Fefelotti ' s , die es indessen zu einer förmlichen Anklage durch die Congregazione de Vescovi e Regolari noch nicht hatte kommen lassen ... Die Mutter wagte sich mit einigen ihrer Erfahrungen hervor ... Sie erzählte von Fefelotti ... Sie erzählte endlich auch - Lucindens Mitwissenschaft um das Geheimniß seines wahren Namens ... Von dieser Seite konnte nur das Verhängniß kommen ! erwiderte Benno mit den lebhaftesten Zeichen der Betroffenheit ... That ich recht , mit einem solchen Dämon Frieden zu schließen ? fragte die Mutter und las voll Angst in seinen Mienen ... Gewiß ! gewiß ! sagte er fast abwesend ... Er wollte gehen und den Freund suchen ... Offenbar kämpfte sein Inneres irgend einen gewaltigen Kampf ... Die Mutter sah es und wollte ihn nichts lassen ... Als er dann aber doch gegangen war mit dem Versprechen , gegen Abend zurückzukehren , als sie in die letzte Umarmung die ganze Empfindung ausgeströmt hatte , die sie vorm Jahr nach ihrem : » Auf Wiedersehn ! « in ihr Herz verschlossen und angesammelt , überfiel sie jenes Bangen , von dem wir selbst nach der mächtigsten Freude und dann ohne allen Grund erschreckt werden können . Salve ! Salve ! rief sie ihm zwar nach und ihres Orakels dankbar gedenkend . Aber nun wuchs das wiedereroberte Glück zu solcher Höhe , daß sie ein Schwindel ergriff . Ist es denn möglich , rief sie , sein Vaterland scheint nicht mehr dieser kalte Norden zu sein ! Er spricht im Geist seiner Mutter , nicht blos so schön in den Lauten unserer Zunge ! ... Daß sie in dieser Seligkeit nicht lange verweilen durfte , machte sie weinen ... Was hat er mit Ceccone - was mit Olympien ? ... Zwei Stunden war er bei ihr gewesen ... Nun erst dachte sie allem nach , was er gesprochen ... Er hatte politische Aeußerungen fallen lassen ... Er hatte nach einigen freisinnigen Namen , nach Lucian Bonaparte gefragt ... Himmel , rief sie , ich sollte erleben , daß ich eine Römerin werde wie die Mutter der Gracchen ! Cäsar , Cäsar , ich bin nicht so stark wie Cornelia ! Ich zittere vor Gefahren , in die du dich begibst ... Was ist ihm nur verdorben durch meinen Bruch mit Ceccone - ? grübelte sie ... Bedarf er eines so Mächtigen ? ... Fühlt er sich nicht sicher ? ... Sie erschrak , daß er von einem Gang auf die österreichische Gesandtschaft als von etwas für seine Lage Ueberflüssigem sprach ... Er lehnte den Wunsch eines Zusammenhangs mit Deutschland ab ... Nun drängte sich anderes in ihre Erinnerung an diese seligen zwei Stunden ... Wie sinnig hatte er das Pastellmedaillon des Herzogs von Amarillas betrachtet ! ... Wie wehmuthsvoll umflorte sich sein Auge , als sie dies Medaillon öffnete und Angiolinens blutiges Haar hervorzog ! ... Sie hatte ein geheimes Fach eines Schreibsecretärs aufgezogen und ihm Erinnerungen an Kassel , Schloß Neuhof , Altenkirchen gezeigt , die gefälschten Demissorialien , die Zeugenaussagen der Freunde Wittekind ' s ... Alle dem sprach er Worte voll Ernst und Charakter ... Zuletzt nahm sie alles leichter ... Sein Lächeln war zu lieb und sicher gewesen ... Er hatte sie zu innig umarmt , zu oft an den Spiegel geführt und sich mit ihr verglichen ; ihre Hände küßte sie an den Stellen , wo er sie geküßt hatte ... Sie fühlte ihre Jahre nicht mehr , sie gedachte ihrer grauen Haare nicht , sie liebte Benno mit dem Feuer eines Mädchens , das ein Abbild ihrer Träume gefunden ... Zu Lucinden hätte sie hinausfahren und ihr rufen mögen : Was willst du uns ! ... Ueber Armgart , von der sie sogleich gesprochen , hatte sich Benno nur träumerisch ablehnend geäußert ... Alle ihre Unruhe sammelte sich jetzt in der Sorge um ein würdiges Empfangen des Sohns für den Abend ... Er kam dann vielleicht mit seinem in Aussicht gestellten und vielleicht gefundenen Freunde ... Letzterer hätte drei Tage schon vor ihm in Rom sein sollen , hatte Benno erzählt und seinen Namen mehrmals genannt ... Daß sie ihn behielt , war von einer Italienerin nicht zu verlangen ... Auch Marco und die andern Dienstboten , die befragt wurden , ob wol jemand nach Baron d ' Asselyno im Hause gefragt hätte , behielten ihn , obgleich ihn Benno auch ihnen nannte , nur unter dem Namen des vielleicht noch kommenden » Signore biondo « - des » blonden Herrn « ... Sonst schien man wegen eines so außerordentlich warm begrüßten Fremden wie Benno im Hause nicht zu neugierig ... Marco beherrschte sich ... Er war das Prachtexemplar eines italienischen Bedienten ... Schon in den Vor-Ceccone ' schen Zeiten der Herzogin hatte er Abends ihren Kammerherrn , Vormittags die Scheuerfrau gemacht