von delikater Struktur ( délié ) , sehr lebhaft und liebenswürdig « das sind die Worte , die die » Souvenirs « für ihn haben . » Und dabei durch und durch Original , denn man ist nicht Engländer ohne das « , setzt ihr Verfasser in guter Laune hinzu . Zu gleicher Zeit erzählt er ein paar Anekdoten , die mir sehr geeignet scheinen , ihn in seinen Vorzügen wie seinen Schwächen zu charakterisieren , weshalb ich dieselben hier wiedergebe . Eines Tages beim russischen Gesandten entstand ein erregter Streit , ob England oder Frankreich den größeren dramatischen Dichter hervorgebracht habe . Thiébault schwärmte für Racine , Elliot für Shakespeare . Thiébault operierte dabei viel mit » plus sublime « , worauf ihm Elliot erwiderte : » gerade das › plus sublime ‹ sei das , was er für Shakespeare beanspruche . Denn den Eindruck des Sublimen habe man immer nur da , wo sich der Gegensatz von hoch und niedrig , von Erhabenheit und Alltäglichkeit fühlbar mache , während überall da , wo sich ein gleichmäßiges Plateau zeige ( wenn auch Hochplateau ) von einem Eindruck des Erhabenen nie die Rede sein könne . Und so käme es denn , daß die › Niedrigkeiten ‹ , 27 die seinem englischen Dichter mit Recht vorgeworfen würden , eigentlich nur dazu dienten , die Größe desselben um so deutlicher erkennen zu lassen . « Um eben diese Zeit war es auch , daß Elliot einer Steinoperation halber nach Paris mußte . Man sah diese Reise , weil sich die französische Regierung kurz vorher zugunsten der amerikanischen Kolonien , will also sagen gegen England entschieden hatte , ziemlich allgemein als ein Wagnis an , und auch die Königin äußerte sich in diesem Sinne . » Oh , Madame « , replizierte Elliot , » England und Frankreich sind seit lange zivilisierte Nationen . « Es ging dies von Mund zu Mund , und die fremdländischen Gesandten , die , wie gewöhnlich , wenig Zärtlichkeit für Preußen übrighatten , freuten sich der nonchalanten , echt englischen Dreistigkeit , in der Elliot überhaupt exzellierte . Freilich bedingte dieselbe Dreistigkeit und Nonchalance zuletzt auch seinen Sturz , und zwar war es dieselbe Frage der » amerikanischen Kolonien « , was bald danach zu seiner Abberufung vom preußischen Hofe führte . » Seitens dieser Kolonien « , so berichtet Thiébault , » waren zwei Vertrauensmänner in Berlin eingetroffen , die mit Fug und Recht als amerikanische Geheimgesandte angesehen werden konnten . Es wurde selbstverständlich aus Courtoisie gegen England vermieden , sie als Gesandte zu begrüßen , aber im stillen wußte jeder , was sie nach Berlin und Sanssouci geführt hatte . Wenigstens Elliot wußte es . Er wollte jedoch positive Gewißheit haben und leitete deshalb ein ziemlich gefährliches Spiel ein , das er sich nur im Hinblick auf die hinter ihm stehende Macht Englands erlauben durfte . Voll Bonhomie zog er die beiden Amerikaner , als › Landsleute von älterem Datum ‹ , in seinen intimeren Umgangskreis und überschüttete sie mit kleinen gesellschaftlichen Auszeichnungen . Eines Abends , nach vorher eingenommenem gemeineschaftlichen Diner , fuhr er mit ihnen in die Oper . Als sie jedoch zu später Stunde in ihre Wohnung zurückkehrten , fanden sie die Tür erbrochen und eine Kassette geraubt . Es zweifelte niemand , auf wessen Geheiß dies geschehen ; aber Elliot ging weiter und ließ ihnen am anderen Tage , wenn auch ohne direkte Namensnennung , die Kassette wieder zustellen , aus der nichts herausgenommen war , als die die beiden Abgesandten einigermaßen kompromittierenden Papiere . Jeder war neugierig , wie der Affront geahndet werden würde , doch blieb anscheinend alles ruhig , bis plötzlich , als man eben die Sache zu vergessen anfing , Elliots Abberufung erfolgte . Der König hatte bei der englischen Regierung , unter Darlegung des Sachverhalts , auf seine Zurückberufung gedrungen . « In diesen Zügen spricht sich Elliots Charakter aus , und ohne seinem Rivalen Knyphausen , der ihn abwechselnd als › ruhmredig , leichtfertig und unkonsequent ‹ und zum Schluß einfach als › fou und furieux ‹ bezeichnet , in all und jedem zustimmen zu wollen , er scheint doch so viel richtig , daß er mit jener gefährlichen Lebhaftigkeit des Geistes ausgestattet war , die beständig geneigt ist , in Willkür und Rücksichtslosigkeit überzugehen . In der Tat , er war nervös , launenhaft , exzentrisch und entbehrte ganz und gar der Möglichkeit , einer jungen , in Oberflächlichkeit und Eitelkeit erzogenen Frau das zu geben , was ihr fehlte . Nur eins wird ihm zuzugestehen sein : er liebte sie wirklich , soweit er einer wirklichen Liebe fähig war , und hatte seine Wahl aus Sinn und Herz und nicht aus allerhand Rücksichten getroffen , am allerwenigsten aber aus Rücksichten auf ein Erbe , das nach englischen Vorstellungen überhaupt nicht bedeutend und jedenfalls erst in Zukunft zu gewärtigen war . Nach diesen Bemerkungen über Elliots Charakter , die nötig waren , um unsere Heldin in dem , was später geschah , nicht ungünstiger und zweifelhafter als nötig erscheinen zu lassen , nehme ich den Faden der Erzählung wieder auf und kehre zu der Ehe des jungen Paares zurück , die das mindeste zu sagen , keine glückliche war . 5. Kapitel 5. Kapitel Die Krautentochter ( nunmehr Frau von Elliot ) führt eine unglückliche Ehe Nicht gleich anfangs zeigte sich der Bruch , ein Jahr nach der Vermählung wurde eine Tochter geboren , Elliot war glücklich und vielleicht war es auch die junge Frau . Aber es währte nicht lange . So sehr Elliot seine Frau liebte , so war es doch eine tyrannisch-launenhafte Liebe , die Zuneigung eines Kindes , das heute mit der Puppe spielt , morgen sie schlägt und piekt und übermorgen sie aufschneidet , um zu sehen , wie ' s drin aussieht und ob sie ein Herz hat . Es scheint indessen , daß die junge Frau diese Launen ertrug , bis das ridikül eifersüchtige , vor