, Baron Knyphausen , über sie sagt . Ihm zufolge war sie nicht bloß » une femme vaine , bornée et détestable « , sondern rund heraus » un monstre « , und nur darin einigen sich beider Urteile , daß sie gut zu repräsentieren verstand , Reste früherer Schönheit aufwies , und über den freien und sicheren und , wenn ihr daran lag , auch über den hohen Ton der Gesellschaft eine vollkommene Verfügung hatte . Une femme adroite nach Thiébault , une femme détestable nach Knyphausen , das war die Frau , der jetzt die Sorge der Erziehung ihrer Tochter oblag , eine Frau , der es unter allen Umständen an der Fähigkeit gebrach , ihrem Kinde mehr zu geben , als eine den Rheinsberger Verhältnissen angepaßte Tournüre . Worauf es in ihren Augen ankam , das war , vor » Monseigneur « erscheinen und in der großen Welt ein » sort « machen zu können . Dazu gehörte nicht mehr , als eine Kammerjungfer aus dem gelobten Lande Frankreich und ein Tanz- und Sprachmeister von eben daher . Auch verlautet an keiner Stelle , daß etwas darüber Hinausliegendes jemals ernsthaft gepflegt worden wäre . Das Ernsthafte galt für langweilig und pedantisch und war Sache gewöhnlicher Leute . Freilich man mußte die Phèdre kennen und die Médée und die Mérope , aber doch auch nur um ein Zitat des Prinzen verstehen und allenfalls erwidern zu können . Alles hatte nur so viel Wert und Bedeutung , als der Hof gut fand , ihm zuzumessen . In Gunst stehen , reich sein und Einfluß haben , war das einzige , das zu leben lohnte . Und wenn es überhaupt Pflichten gab , so war doch erste Pflicht jedenfalls die , von der Sorge kleiner Leute nichts zu wissen und einem Prinzen zu gefallen . 4. Kapitel 4. Kapitel Die Krautentochter wird Frau von Elliot In diesem Geiste ging denn auch der Gang der Erziehung , und es glückte damit so vollkommen , daß schon einige Monate vor der Einsegnung , an Charlottens ( der Krautentochter ) Verheiratung gedacht werden konnte . Die Jugend derselben war kein Hindernis , war doch ihres Vaters Schwester , als sie dem Dompropsten die Hand reichte , nur um ein halbes Jahr älter gewesen . Und überhaupt war es denn nötig alt und weise zu sein , um zu heiraten ? Gewiß nicht . Also Charlotte sollte heiraten . Aber wen ? Das Auge der Mutter richtete sich vor allem auf einen Gesandten . Ein solcher empfahl sich doppelt , einmal weil es unter allen Umständen eine vornehme Partie war , und zweitens und hauptsächlichst weil ein Gesandter eine gewisse Garantie bot , über kurz oder lang abberufen und an einem vielleicht weit entfernten Hofe beglaubigt zu werden . Trat dieser Fall ein , so lag ihr , der Mutter , ob , in der Heimat nach dem Rechten zu sehen , sie war dann Herrin aller Güter , viel viel mehr als die Tochter , die sich mit beliebigen Erklärungen abfinden lassen mußte . Diesem Kalkül entsprach es , daß ihr unter allen Gesandten die britischen am begehrenswertesten erschienen . Ein britischer Ambassadeur war sogar in der Möglichkeit , über das bloß Gesandtschaftliche hinaus , als ost- oder westindischer Gouverneur und Vizekönig seine Tage ruhmvoll beschließen zu dürfen . Und Ost- oder Westindien , welches Ideal von Entfernung ! In der Tat , es war ein Engländer und zwar der als Nachfolger von Sir John Mitchell am Berliner Hofe beglaubigte Mr. James Harris ( später Lord Malmesbury ) , auf den sich das Auge der Madame de Verelst richtete , bevor ihre Tochter Charlotte noch das fünfzehnte Lebensjahr erreicht hatte . Das war ein Schwiegersohn nach ihrem Sinne ! Aber James Harris verhielt sich durchaus ablehnend gegen alles Preußische . » Die Preußen « , so schrieb er gerade damals , » sind im allgemeinen arm , eitel , unwissend , und ohne Grundsätze . Wären sie reich , so würde der Adel sich nie dazu verstanden haben , in Subalternstellen mit Eifer und Tapferkeit zu dienen . Ihre Eitelkeit zeigt sich darin , daß sie ihre eigene Größe in der ihres Monarchen erblicken , ihre Unwissenheit aber erstickt in ihnen jeden Begriff von Freiheit und Widerstand . Und was endlich ihren Mangel an Grundsätzen angeht , so macht sie dieser Mangel zu bereitwilligen Werkzeugen aller ihnen erteilten Befehle ; sie überlegen gar nicht , ob sie sich auf Gerechtigkeit gründen oder nicht ! « 26 So Mr. Harris , der zum Überfluß auch noch eine speziell ungünstige Meinung in betreff der Madame de Verelst unterhielt . Er ridikülisierte sie , was natürlich alle Pläne von seiten der Dame rasch hinschwinden ließ und an die Stelle des Entgegenkommens jene hautäne Miene setzte , auf die sie sich so gut verstand . Aber in ihren Grundanschauungen von dem , was wünschenswert sei , war durch diesen Mißerfolg nichts geändert worden , und als einige Monate später James Harris abberufen und Hugh Elliot an seine Stelle gekommen war , nahm sie dasselbe Spiel wieder auf . Und diesmal mit besserem Erfolg . Zu Beginn des Jahres 1778 war die nunmehr sechzehnjährige Charlotte bereits Gemahlin Hugh Elliots , über den , zu besserem Verständnis dessen , was sich später ereignete , hier schon das Folgende stehen mag . Hugh Elliot , als er nach Berlin kam , war noch sehr jung und von noch jugendlicherem Ansehen . Er hatte nichts von dem Ruhigen , Gesetzten , Distinguierten , das eine Gesandtschaftsstellung erheischt , wirkte vielmehr in seiner Bartlosigkeit und halb knabenhaften Figur absolut unfertig und nicht viel besser als ein von einer steten Unruhe geplagter Springinsfeld . Ungeachtet dessen war er in den Hof- und Gesandtschaftskreisen beliebt , galt für amüsant ( war es auch ) und erfreute sich ganz besonders einer gewissen Vorliebe von seiten des Prinzen Heinrich . Am Hofe dieses war es denn auch , wo Thiébault ihn kennenlernte . » Geistreich und