Belle Fée ‹ . Man erzählte , daß die Prinzessin Amalie zu Mittag bei der Prinzessin Heinrich angekommen sei und sich und ihr das Diner mitgebracht habe , um dem Hofmarschall Kraut einen Streich zu spielen , der zwei Speisen von dem bisherigen Küchenzettel der Prinzessin gestrichen hatte . 22. Februar 1761 . Am Nachmittage hatten wir noch eine letzte Probe des Schäferspiels und um sechs Uhr ging Kraut hinunter und bat die Prinzessin , die Treppe heraufzukommen . In dem Moment , als sie eintrat , ging auch schon der Vorhang auf und der Chor fing an zu singen ... « Aus diesen wenigen Tagebuchstellen ergibt sich nicht bloß ein Zeit- und Lebensbild , sondern zugleich auch eine Charakteristik unseres Hofmarschalls . Und nicht zu seinen Ungunsten . Er hatte das Einsehen von einer gerade damals von allen Seiten her hereinbrechenden äußersten Gefahr , und empfand sehr richtig , daß in Tagen , in denen der König schrieb : » es gibt freilich Leute , die sich allen Schickungen unterwerfen , ich aber werde es nicht ; ich habe für andere gelebt , für mich will ich sterben « , ich sage , der Hofmarschall empfand sehr richtig , daß in solchen Tagen eine kleine Prinzessin allenfalls auch ohne Wachslichter im Vorzimmer und mit zwei Gerichten weniger auskommen konnte . 25 Die vorgeschilderten Magdeburger Tage verlängerten sich bis in den Spätherbst 1761 . Erst im November oder Dezember ebengenannten Jahres kehrte die Königin mit allem , was zum Hofe gehörte , nach Berlin zurück , allwo denn auch wenige Wochen später , und zwar am 24.Januar 1762 , dem Hofmarschall von Kraut eine Tochter geboren wurde : Luise Charlotte Henriette von Kraut , unsere Krautentochter . Über die folgenden fünf Jahre , soweit der Hofmarschall in Betracht kommt , schweigen alle Memoiren und Briefe . Das nächste , was wir von ihm erfahren , erfahren wir aus dem Löwenberger Kirchenbuche , woselbst es unterm 23. Dezember 1767 heißt : » Am heutigen Tage beschloß sein ruhmreiches Leben zu Berlin Abends 7 Uhr der weyland hochwohlgeborene Herr , Herr Carl Friedrich Freyherr v. Kraut , Hofmarschall im Hofstaate S. K. H. des Prinzen Heinrich und Vormund der beiden geisteskranken Herren v. Bredow zu Löwenberg . Er war der Mutter-Bruder dieser beiden v. Bredow ' s , ein Herr der edelsten Gemütsart , der vielen Menschen in der Welt , zum Theil durch schwere Kosten zu zeitlichen Ehrenstellen verholfen und ihr irdisch Glück befördert hat . Er zeigete sich gegen alle Mitmenschen als ein Menschenfreund , und war Allen , ohne jede Nebenabsicht des Eigennutzes , willfährig und gefällig . Hiervon zeugete insonderheit seine Fürsorge für die Kranken . Er pflegte zur Sommerzeit , wenn er sich auf seinen Gütern aufhielt , eine Menge von Medikamenten aus Berlin mitzubringen . Und wenn sich Kranke bei ihm meldeten und er ihren Zustand erkundet hatte , gab er ihnen die Medikamente , von woher die Kranken auch sein mochten . Am vierten Tage nach seinem Hinscheiden , am 27. Dezember Abends , sind die erblaßten Gebeine des wohlseligen Herrn Hofmarschalls in dem Freyherrlich von Kraut ' schen Erbbegräbniß in der Nicolaikirche zu Berlin beigesetzt worden . Und nachdem dieser Todesfall auf die beweglichste Art der Gemeinde zu Löwenberg am 1. Januar 1768 zur Kenntniß gebracht worden ist , ist darüber zwei Wochen lang auf allen v. Bredow ' schen Gütern geläutet worden . Er hinterläßt eine über seinen Tod betrübte Frau Wittwe aus dem hochadligen v. Platenschen Geschlecht und eine trotz ihrer frühen Jahre schon hoffnungsvolle Tochter . « 3. Kapitel 3. Kapitel Wie die Mutter der Krautentochter ihre Tochter erzog , und wer diese Mutter war Die Krautentochter war erst fünf Jahre alt , als der Vater starb . Die Erziehung lag also bei der Mutter . Wer war nun diese Mutter ? Und wie war sie ? Wir antworten darauf , eh ' wir uns der Frage nach der Erziehung der Tochter zuwenden . Else Sophie von Platen kam 1748 an den Hof der Königinmutter . Sie mochte damals achtzehn Jahre alt sein . In dem Tagebuch der Gräfin von Voß geschieht auch ihrer Erwähnung : » An die Stelle des Fräulein von Bredow « , so heißt es darin , » die sich mit einem Herrn von Schwerin verheiratete , trat Fräulein von Platen , ein wunderhübsches Mädchen , das aber wenig Geist und eine sehr melancholische Gemütsart besaß . « In diesen wenigen Zeilen wird die junge Dame , die spätere Hofmarschallin von Kraut , sehr wahrscheinlich am zutreffendsten gezeichnet sein . Alles andre , was an Aussprüchen über sie vorliegt , geht nach der einen oder andren Seite hin ins Extrem und widerspricht sich untereinander . Es scheint , daß sie , von einzelnen objektiv urteilenden Personen ( wie die Gräfin Voß ) abgesehen , nur leidenschaftliche Verehrer und leidenschaftliche Feinde hatte . Zu den ersteren gehörte Thiébault , in dessen immerhin schätzenswertem Werke » Mes Souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin « auch der Hofmarschallin von Kraut ( die bald nach dem Ableben ihres ersten Gatten den holländischen Gesandten de Verelst heiratete , bald indes abermals Witwe wurde ) an verschiedenen Stellen Erwähnung geschieht . » Unter den Damen « , so heißt es in dem eben genannten Buche , » die Prinz Heinrich auszuzeichnen pflegte , befand sich auch eine Madame de Verelst , zuletzt Witwe des holländischen Gesandten . Es wurde ihr von seiten Monseigneurs , außer einer an Aufmerksamkeiten reichen Freundschaft , auch ein ganz besonderes Vertrauen bewiesen , was dahin führte , daß sie die Sommermonate beinahe regelmäßig in Rheinsberg zubrachte . Sie war aufrichtig , ernst und überlegend und dabei von einer durchaus honetten Gesinnung , daß niemand begriff , was sie vordem hatte bestimmen können , einem so langweiligen und übellaunigen Menschen wie dem Baron von Kraut , ihrem ersten Manne , die Hand zu reichen . « In vollem Gegensatze dazu steht alles , was ihr späterer Schwiegersohn