Italiener ... Fefelotti lachte sich weidlich aus ... Sowol über die Höhe der Treppen , die er hatte ersteigen müssen , wie über die Möbel , wie über die Dienerschaft und - ein » Sommerlogis « auf dem Monte Pincio ... Sie kluge Frau , sagte er , ich habe Sie immer so gern gehabt ! Wie konnten Sie sich nur von meiner Fahne entfernen ! ... Sie haben sechzehn Jahre Ihres Lebens verloren ... Wie hoch ist die Pension , die Ihnen mein alter Freund Don Tiburzio zahlt ? ... Die Herzogin hatte die Schule der Leiden in einem Grade durchgemacht , daß sie sich weder über Fefelotti ' s Besuch allzu erstaunt zeigte , noch auch Ceccone ' s Undankbarkeit ganz nach den Empfindungen schilderte , die sie darüber hegte ... Sie wünschte dem Großpönitentiar Glück zu seiner neuen Erhebung , ließ die von ihr betonte wahrscheinlich nahe bevorstehende Papstwahl nicht ohne Bezüglichkeit für die Hoffnungen des ehrgeizigen Priesters - sie klagte aber Ceccone keineswegs allzu heftig an ... Fefelotti sah die Schlauheit der weltgewandten Frau ... Sich mäßigend schlug er die Augen nieder , beklagte die Leiden Seiner Heiligkeit und gestand offen , daß durch die Wiederherstellung des Jesuitenordens , dessen Affiliirter er schon seit lange war , in die schwankenden und von den Persönlichkeiten der Päpste abhängigen Zustände der Kirche endlich Festes und Dauerndes gekommen wäre ... Seine eigene Wiederberufung bewiese , daß sich ohne den Rath des Al Gesù nichts mehr in der katholischen Welt unternehmen lasse ... In der Art , wie Fefelotti es sich dann unter den von dem trippelnden Marco inzwischen angezündeten Kerzenbüscheln bequem machte , wie er sogar herbeigeholte Erfrischungen nicht ablehnte , lag das ganze Behagen ausgedrückt , sich bei einer Frau zu befinden , die nach aller Berechnung menschlicher Natur seine Verbündete werden mußte ... Von Ceccone ' s » häuslichen « Verhältnissen ließ er sich erzählen ... Er hatte seine Freude an dem kleinsten Verdruß , den » seinem Freunde « das Schicksal bereitet hatte ... Er stellte sich wie ein in einem kleinen Landstädtchen begraben Gewesener , nur um recht viel Neues , Ausführliches und pikante kleine Details erfahren zu können ... Und die Herzogin war klug genug , trotz ihrer Abneigung gegen den häßlichen Mann , dessen falsche Zähne nach jedem Satz , den er sprach , ein eigenes Knacken der Kinnlade von sich gaben und gegen den Ceccone noch jetzt ein Apoll war , doch dies Verlangen nach Befriedigung seiner Schadenfreude nicht ganz unerfüllt zu lassen ... Sie gab eine ungefähre Schilderung der Mühen und Sorgen , unter denen Ceccone ' s Ehrgeiz allerdings stöhnte und schmachtete ... Fefelotti schlürfte Sorbett ... Seine Zähne bekamen vorübergehend einen bessern Duft von den Orangen , aus denen es bereitet war und sie knackten jetzt nur noch von der Berührung mit dem Löffel ... Immer mehr gewöhnte sich die Herzogin an das Wiedersehen eines Mannes , der ohne Zweifel doch nur allein der Anstifter der den Jesuiten nicht geglückten Verfolgung gegen sie wegen Bigamie gewesen ... Kannte er alle Geheimnisse ihres Lebens ? ... Kannte er die Existenz Benno ' s ? ... Ihr Antheil an seinem Kampf mit Bonaventura , gegen den er vielleicht einen Proceß auf Absetzung instruirte , rüstete sich , ihn möglichst unverfänglich über dies und anderes zu befragen ... Sie ließ dem Gefährlichen den Vorschmack der Annehmlichkeiten und Vortheile , die er denn doch durch diesen Besuch gewinnen konnte ... Roms Lage ist schwierig , sagte Fefelotti bei Erwähnung des Ceccone ' schen Aufenthalts in Wien ... Auf der einen Seite bilden wir das Centrum der Welt , auf der andern das Centrum Italiens ... Wir sollen rein geistlich und für die Ewigkeit auf die Gemüther wirken und sind von allen politischen Strudeln des Tags ergriffen ... Die neue Zeit hat dem apostolischen Stuhl eine fast unerschwingliche Aufgabe gestellt ... Ohne die weltliche Würde kann die geistige Souveränetät des Heiligen Vaters nicht auf die Dauer bestehen ... Beides für die Zukunft zu einen , erfordert die äußerste Anstrengung ... Ich billige ganz , wenn Ceccone seine kleinen Koketterieen mit den sogenannten » Hoffnungen Italiens « zu unterlassen angefangen hat ... Erzählen Sie mir noch mehr - von Wien ! ... Die Herzogin bestätigte , daß Ceccone von Wien in seinen politischen Neuerungstrieben bedeutend abgekühlt zurückgekehrt wäre . Der Fürst Staatskanzler hätte ihn belehrt , daß die Tribunen Roms sich immer zuerst am Entthronen der Päpste und am Halsabschneiden der Cardinäle geübt hätten ... Fefelotti lachte mit vollem Einverständniß ... Die Herzogin dachte an Benno und seine Freunde ... Sie gab der guten Laune des Schrecklichen die gewünschte Nahrung ... Sie erzählte : Ceccone hätte beim Nachhausefahren von einer solchen Scene mit dem Staatskanzler immer nur Fefelotti ! Fefelotti ! gerufen ... Bestia ! unterbrach der Cardinal ... Dann hätte Ceccone Olympien geschildert , was » politische Reformen « wären ... » Nur Ein Bedienter für dich , monatlich nur Ein Paar neue Handschuhe und die Nothwendigkeit , deine Hemden selbst nähen zu müssen ! « ... Fefelotti hielt sich die Seiten vor Lachen ... Ich bin mit Ceccone ' s politischer Haltung ganz einverstanden , sagte er ... Sie ist jetzt streng und fest ... Sie läßt sich auf keine Transactionen mehr ein ... Rom ist unterwühlt von Verschwörungen ... Verbannung nur und Galeere können helfen ... Das geringste ist das Verbot aller zweideutigen Schriften ... Wissen Sie - apropos - nichts Näheres über - Grizzifalcone - ? ... Die Herzogin hörte Gesinnungen , die sie haßte , verbarg jedoch ihre Aufwallung hinter einem Erstaunen über das , was Grizzifalcone mit Roms - Politik gemein haben könnte - ? ... Der Cardinal drückte seine kleinen Rattenaugen zu ... Ein bedeutsames Knacken seiner Zähne trat wieder an die Stelle seiner Worte ... Der Duft der Orangen verflog ... Glücklicherweise nahm er eine zweite Schale Sorbett ... Die Herzogin mußte die Geschichte der Gefahr erzählen , die sie an Olympiens Hochzeitstage überstanden hatte ... Lucindens