Hugo Almbach fertig bekommen . “ „ Siehst Du seine Besuche nicht gern ? “ fragte Ella . „ Ich ? “ Erlau lächelte . „ Kind , Du weißt ja , daß er mich gerade so vollständig erobert hat , wie Jeden , den zu erobern er sich überhaupt vornimmt , vielleicht einzig meine Eleonore ausgenommen , vor der er einen ganz unglaublichen Respect zu hegen scheint . “ Damit nahm er den Arm seiner Pflegetochter und führte sie hinüber in das Empfangszimmer . Der ärztliche Besuch war nicht von langer Dauer und auch Hugo verließ nach einer halben Stunde bereits wieder das Erlau ’ sche Haus , das er allerdings öfter zu besuchen pflegte . Ob Reinhold davon wußte , ließ sich nicht entscheiden , jedenfalls vermuthete er es , aber es schien ein stillschweigendes Uebereinkommen zwischen den Brüdern zu sein , diesen Punkt nicht zu berühren . Es war nicht die Art des Capitains , sich in ein Vertrauen zu drängen , das ihm so hartnäckig und fortdauernd versagt wurde , und so folgte er denn dem Beispiele Reinhold ’ s , der über die Begegnung in der Locanda ein vollständiges Schweigen beobachtete , und den Namen seiner Frau und seines Kindes nicht mehr nannte , seit er wußte , daß sie sich in seiner Nähe befanden . Was sich eigentlich hinter dieser undurchdringlichen Verschlossenheit barg , das vermochte auch Hugo nicht zu enträthseln , aber er war überzeugt , daß es nicht der Gleichgültigkeit entstammte . Der Capitain hatte die Wohnung seines Bruders erreicht und betrat jetzt sein eigenes Zimmer , wo er Jonas vorfand , der auf ihn zu warten schien . In dem Wesen des Matrosen lag heute entschieden etwas Ungewöhnliches ; sein sonstiges Phlegma war einer gewissen Unruhe gewichen , mit der er wartete , bis sein Herr Hut und Handschuhe abgelegt und sich niedergelassen hatte . Kaum war dies geschehen , so kam er herbei und pflanzte sich dicht vor dem Stuhle des Capitains auf . „ Was giebt es denn , Jonas ? “ fragte dieser , aufmerksam werdend . „ Du stehst ja da , als beabsichtigtest Du eine Rede zu halten . “ „ Das will ich auch , “ bestätigte Jonas , indem er sich halb feierlich , halb verlegen in volle Positur setzte . „ So ? Das ist mir neu . Ich war bisher der Meinung , Du würdest eine äußerst schätzbare Acquisition für ein Trappistenkloster abgeben . Wenn aber angesichts all der classischen Erinnerungen hier der Rednergeist auch über Dich gekommen ist , so soll es mich freuen . Also beginne ! Ich höre zu . “ [ 557 ] „ Herr Capitain – “ Der Rednergeist des Matrosen schien doch nicht hinreichend entwickelt zu sein , denn über diese beiden Worte kam er vorläufig nicht hinaus , und anstatt fortzufahren , blickte er so beharrlich und angestrengt auf den Fußboden nieder , als wolle er die Mosaiksteine desselben zählen . „ Höre , Jonas , Du bist mir verdächtig , “ sagte Hugo nachdrücklich , „ sehr verdächtig schon seit länger als acht Tagen . Du brummst nicht mehr ; Du wirfst der Padrona und ihren Mägden nicht mehr wüthende Blicke zu ; Du legst bisweilen Dein Gesicht in Falten , die man mit einiger Phantasie für den ersten schwachen Versuch eines Lächelns halten könnte – ich wiederhole Dir , daß das höchst bedenkliche Symptome sind , und daß ich mich auf Schreckliches gefaßt mache . “ Jonas schien gleichfalls einzusehen , daß er sich etwas klarer äußern müsse . Er nahm einen energischen Anlauf dazu und brachte wirklich einen halben Satz zu Stande . „ Herr Capitain , es giebt Menschen – “ „ Eine ganz unbestreitbare Thatsache , die ich nicht entfernt anzugreifen beabsichtige . Also ‚ es giebt Menschen – ‘ nun weiter . “ „ Die die Frauenzimmer leiden mögen , “ fuhr Jonas fort . „ Und andere , die sie nicht leiden mögen , “ ergänzte der Capitain , als eine zweite Pause eintrat . „ Gleichfalls ein unleugbares Factum , zu dem Capitain Hugo Almbach und Matrose Wilhelm Jonas von der Ellida die redenden Beispiele liefern . “ „ Das wollte ich eigentlich nicht sagen , “ versetzte der Matrose , den diese eigenmächtige Fortsetzung seiner augenscheinlich einstudirten Rede ganz aus dem Concepte brachte . „ Ich meinte nur , es giebt Menschen , die sich den Frauenzimmern gegenüber wer weiß wie schlimm anstellen , und es doch im Grunde gar nicht sind , weil sie sich nichts aus ihnen machen . “ „ Ich glaube , das läuft auf eine höchst schmeichelhafte Illustration meiner eigenen Persönlichkeit hinaus , “ bemerkte Hugo . „ Jetzt aber sage mir um Gotteswillen , was bezweckst Du eigentlich mit all diesen Vorreden ? “ Jonas holte einige Male tief Athem ; die nächsten Worte schienen ihm entsetzlich schwer zu werden . Endlich sagte er stockend : „ Herr Capitain , ich weiß ja doch am besten , wie Sie eigentlich sind , und – und – ich kenne ein junges Frauenzimmer . “ Um die Lippen des Capitains zuckte es wie mühsam unterdrücktes Lachen , aber er zwang sich , ernsthaft zu bleiben . „ Wirklich ! “ sagte er kaltblütig . „ Das ist bei Dir allerdings ein höchst merkwürdiges Ereigniß . “ „ Und ich bringe sie Ihnen , “ fuhr Jonas fort . Jetzt begann der Capitain überlaut zu lachen . „ Jonas , ich glaube , Du bist nicht gescheit . Was zum Kukuk soll ich denn mit diesem jungen Frauenzimmer anfangen ? Soll ich sie heirathen ? “ „ Sie sollen gar nichts mit ihr anfangen , “ erklärte der Matrose mit gekränkter Miene , „ Sie sollen sie blos ansehen . “ „ Ein sehr bescheidenes Vergnügen , “ spottete Hugo . „ Wer ist denn eigentlich die betreffende Donna , und welche Nothwendigkeit bedingt dieses ‚ Ansehen ‘ meinerseits ? “ „ Es