kalte Verhöhnen , die Absicht , sie zu reizen und ihr weh zu thun , erbitterte sie ; aber sie wollte keinen Streit mehr mit ihm . » Ich erinnere mich nicht , Gabriel mit einem berühmten Meister verglichen zu haben , « erwiderte sie , ihn mit einem ernsten Blick messend . » Ich habe nur gesagt , daß ein bedeutendes Malertalent in ihm erstickt wird – und das wiederhole ich in diesem Augenblicke ausdrücklich . « » Bah – wer erstickt es denn ? – Ist es so durchschlagend , wie du meinst , dann hat es gerade im Kloster den besten Boden – die Maler haben manchen hochberühmten Mönch in ihren Reihen ... Uebrigens , weshalb um des Kaisers Bart streiten ! Weder ich , noch der Onkel haben den Knaben für den geistlichen Beruf bestimmt ; wir führen nur den letzten Willen eines Verstorbenen durch . « » Hast du diesen letzten Willen wirklich gelesen und gewissenhaft – geprüft ? « Er fuhr herum – seine aufglühenden Augen bohrten sich in die ihren . » Juliane , nimm dich in acht ! « drohte er mit gedämpfter Stimme und hob den Zeigefinger . » Mir schient , du möchtest dem Hause , dem du den Rücken wendest , noch einen Makel anhängen – du möchtest gerne sagen können : › Ich gebe zu , daß durch die Sequestration ein entstellender Flecken auf das Geschlecht der Trachenberger gefallen ist – aber dort im Schönwerther Schlosse geht auch nicht alles mit rechten Dingen zu , mit dem großen Reichtum hat es seine ganz besondere Bewandtnis . ‹ Auf diese Verdächtigung hin antworte ich dir : › Der Onkel ist geizig ; er ist vom Hochmutsteufel besessen , wie kaum ein anderer ; er hat seine kleinen Bosheiten , gegen die man sich auflehnen muß – aber mit seinem besonnenen Kopf , seiner kühlen Natur , an die nie die Verirrungen schlimmer Leidenschaften herantreten durften , hat er zeitlebens an den Hauptgrundsätzen des echten Edelmannes unerschütterlich festgehalten – darin vertraue ich ihm blind , unbedingt , und fasse es als eine tödliche Verletzung meiner eigenen Ehre auf , wollte man auch nur spielend leise auf ehrenrührige Dinge , wie z. B. einen gefälschten letzten Willen , oder dergleichen hindeuten ... Ich gebe dir das zu bedenken , Juliane ‹ . Und nun meine ich , ist es Zeit , heimzugehen – das Rauschen in den Wipfeln wird verdächtig ; wenn auch schon in den ersten Septembertagen , sind wir bei der drückenden Schwüle doch nicht sicher vor einem Gewitter ... Unser Heimkommen wird freilich kein so wonniges sein , wie du vorhin geschildert – aber was thut ' s ? – Man muß sich auch darüber hinwegzusetzen wissen . « Sie wandte ihm schweigend den Rücken und ging in das Haus , um Leo zu holen . Jeder Nerv bebte in ihr . » Liane , er ist schrecklich ! « hatte Ulrike am Hochzeitstage aufgeschrieen , und da war er doch nur ruhig kalt gewesen – was würde sie sagen solchen Ausbrüchen gegenüber , in denen er Gebärden annahm und Töne in seiner Stimme hatte , die geradezu vernichtend wirkten ! ... Und doch – wie wunderlich – Liane verstummte ängstlich und beklommen vor ihnen ; sie fühlte sich tief verletzt durch seine ungerechten Beschuldigungen ; aber er war ihr verständlicher als in seiner erkünstelten Passivität und Blasiertheit – das war seine Natur , sein Charakter , der ja auch unbewußt aus seinen schriftlichen Darstellungen hervortrat und der sie plötzlich gegen ihren Willen anzog ; wie wäre es ihr sonst möglich gewesen , ihm – jetzt , im Hineilen nach dem Hause , schlug sie beschämt die Hände vor das heißerglühende Gesicht , denn sie war ja zurückgewiesen worden – eine Art von freundschaftlicher Beziehung vorzuschlagen ? 19. Schwere Wetterwolken mit hagelweißen Konturen zogen in der That über die Schönwerther Gegend hin , als die Heimkehrenden beim Jägerhäuschen aus dem Walde traten . Mainau , der vorwärts geeilt war , ohne auch nur noch ein Wort zu sprechen , wollte das hereinbrechende Unwetter im Jägerhäuschen abwarten ; aber Liane wies auf den Hofmarschall hin , der sich jedenfalls um Leo sehr ängstigen würde , und so ging es weiter im Geschwindschritte durch den Garten . Der Sturm pfiff hinterdrein ; in den Obstplantagen wirbelten abgerissene Blätter in den Lüften , und reife Früchte klatschten schwer nieder und kollerten über den Weg . Mainau stampfte leicht mit dem Fuße auf , als in der Nähe des Schlosses ein Stallbursche im Vorübereilen meldete , die Reitpferde der Frau Herzogin und ihrer Dame ständen im Stalle – sie sei spazierengeritten und im Schlosse während des Wetters » untergetreten « . » Nun , wird mir nicht auch eine süße Heimkehr in Schönwerth ? Kann man liebenswürdiger und besorgnisvoller empfangen werden ? « fragte Mainau in kaltspöttischem Tone und neigte leicht hinüberdeutend den Kopf nach der Freitreppe des Schlosses . Die Herzogin im königsblauen Reitkleide war rasch aus der Glasthür getreten – der Sturm faßte peitschend ihre lang über den Nacken herabhängenden schwarzen Locken und riß und pflückte an der weißen Straußenfeder ihres Hutes ; aber sie ergriff mit beiden Händen des Treppengeländer und starrte so ungläubig erstaunt nieder auf das scheinbar einträchtig daherkommende Paar , welches Leo in seiner Mitte führte , daß sie Mainaus Begrüßung ganz übersah . Sie zog sich mit einer stolzen Wendung des Kopfes ebenso rasch wieder zurück und lehnte sich bequem in einem Fauteuil zwischen dem Hofprediger und dem alten Herrn , als die Heimkehrenden den Salon betraten . Es war , als zögen die Wetterwolken auch droben an der Decke des Saales hin , ein so häßlich gedrücktes Halbdunkel webte in dem weiten Raume – die weißen Gipsornamente dämmerten gespenstisch an den Wänden ; noch fahler aber erschien das maskenhaft bleiche , in grimmigen Spotte verzogene Antlitz der fürstlichen Frau ; das ungewisse trübe Tageslicht löschte selbst den Glanz ihrer schönen Augen – wie glimmende