. Eher bekäme ich in diesem Leben keine Briefe . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Ich hatte mich längst an die schlechte Luft und die Hitze gewöhnt und fröstelte beständig . Selbst , wenn die Sonne schien . Zwei der Gefangenen hatten schon einige Male gewechselt , aber ich achtete nicht darauf . Diese Woche waren es ein Taschendieb und ein Wegelagerer , das nächste Mal ein Falschmünzer oder ein Hehler , die hereingeführt wurden . Was ich gestern erlebte , war heute vergessen . Gegen das Wühlen der Sorge um Mirjam verblaßten alle äußeren Begebenheiten . Nur ein Ereignis hatte sich mir tiefer eingeprägt - es verfolgte mich zuweilen als Zerrbild bis in den Traum . Ich hatte auf dem Wandbrett gestanden , um hinauf in den Himmel zu starren , da fühlte ich plötzlich , daß mich ein spitzer Gegenstand in die Hüfte stach , und als ich nachsah , bemerkte ich , daß es die Feile gewesen war , die sich mir durch die Tasche zwischen Rock und Futter gebohrt hatte . Sie mußte schon lange dort gesteckt haben , sonst hätte sie der Mann in der Flurstube gewiß bemerkt . Ich zog sie heraus und warf sie achtlos auf meinen Strohsack . Als ich dann herunterstieg , war sie verschwunden , und ich zweifelte keinen Augenblick , daß nur Loisa sie genommen haben konnte . Einige Tage später holte man ihn aus der Zelle , um ihn einen Stock tiefer unterzubringen . Es dürfe nicht sein , daß zwei Untersuchungsgefangene , die desselben Verbrechens beschuldigt wären , wie er und ich , in der gleichen Zelle säßen , hatte der Gefangenwärter gesagt . Aus ganzem Herzen wünschte ich , es möchte dem armen Burschen gelingen , sich mit Hilfe der Feile zu befreien . Mai Auf meine Frage , welches Datum denn wäre - die Sonne schien so warm wie im Hochsommer und der müde Baum im Hof trieb ein paar Knospen - hatte der Gefangenwärter zuerst geschwiegen , dann aber mir zugeflüstert , es sei der 15. Mai . Eigentlich dürfe er es nicht sagen , denn es sei verboten , mit den Gefangenen zu sprechen , - insbesondere solche , die noch nicht gestanden hätten , müßten hinsichtlich der Zeit im unklaren gehalten werden . Drei volle Monate war ich also schon im Gefängnis und noch immer keine Nachricht aus der Welt da draußen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wenn es Abend wurde , drangen leise Klänge eines Klaviers durch das Gitterfenster , das jetzt an warmen Tagen offen war . Die Tochter des Beschließers unten spiele , hatte mir ein Sträfling gesagt . - - Tag und Nacht träumte ich von Mirjam . Wie es ihr wohl ging ? ! Zuzeiten hatte ich das tröstliche Gefühl , als seien meine Gedanken zu ihr gedrungen und stünden an ihrem Bette , während sie schlief , und legten ihr lindernd die Hand auf die Stirne . Dann wieder , in Momenten der Hoffnungslosigkeit , wenn einer nach dem andern meiner Zellengenossen zum Verhör gefuhrt wurde , - nur ich nicht , - drosselte mich eine dumpfe Furcht , sie sei vielleicht schon lange tot . Da stellte ich dann Fragen an das Schicksal , ob sie noch lebe oder nicht , krank sei oder gesund , und die Anzahl einer Handvoll Halme , die ich aus dem Strohsack riß , sollte mir Antwort geben . Und fast jedesmal » ging es schlecht aus « , und ich wühlte in meinem Innern nach einem Blick in die Zukunft ; - suchte meine Seele , die mir das Geheimnis verbarg , zu überlisten durch die scheinbar abseits liegende Frage , ob wohl für mich dereinst noch ein Tag kommen würde , wo ich heiter sein und wieder lachen könnte . Immer bejahte das Orakel in solchen Fällen , und dann war ich eine Stunde lang glücklich und froh . Wie eine Pflanze heimlich wächst und sproßt , war allmählich in mir eine unbegreifliche , tiefe Liebe zu Mirjam erwacht , und ich faßte es nicht , daß ich so oft hatte bei ihr sitzen und mit ihr reden können , ohne mir damals schon klar darüber geworden zu sein . Der zitternde Wunsch , daß auch sie mit gleichen Gefühlen an mich denken möchte , steigerte sich in solchen Augenblicken oft bis zur Ahnung der Gewißheit , und wenn ich dann auf dem Gange draußen einen Schritt hörte , fürchtete ich mich beinahe davor , man könnte mich holen und freilassen und mein Traum würde in der groben Wirklichkeit der Außenwelt in nichts zerrinnen . Mein Ohr war in der langen Zeit der Haft so scharf geworden , daß ich auch das leiseste Geräusch vernahm . Jedesmal bei Anbruch der Nacht hörte ich in der Ferne einen Wagen fahren und zergrübelte mir den Kopf , wer wohl dann sitzen möchte . Es lag etwas seltsam Fremdartiges in dem Gedanken , daß es Menschen gab da draußen , die tun und lassen durften , was sie wollten , - die sich frei bewegen konnten und da und dort hingehen , und es dennoch nicht als unbeschreiblichen Jubel empfanden . Daß auch ich jemals wieder so glücklich werden würde , im Sonnenschein durch die Straßen wandern zu können - - ich war nicht mehr imstande , es mir vorzustellen . Der Tag , an dem ich Angelina in den Armen gehalten , schien mir einem längstverflossenen Dasein anzugehören ; - ich dachte daran zurück mit jener leisen Wehmut , wie sie einen beschleicht , wenn man ein Buch aufschlägt und findet dann welke Blumen , die einst die Geliebte der Jugendjahre getragen hat . Ob wohl der alte Zwakh noch immer Abend