fiel ein weiser Ausspruch ein , den Fritz Patow früher mal getan : Bei wirklich schuldvollen und gefährlichen Geschichten hat man viel mehr Sicherheit als bei bloßen Unvorsichtigkeiten ! Schuld meidet eben den Schein , die Unbefangenen tappen oft zu dumm in was ' rein . Und hier konnte ja nicht einmal von Unvorsichtigkeit und dummem Hineintappen die Rede sein . Auf welche Weise hätte er sich denn diesem Zusammensein entziehen sollen ? Er war doch an den Mann gekettet . Da ließ es sich schwer einrichten , die Frau zu meiden . Daß die Eifersucht des Mannes sich so jäh gegen ihn gewendet hatte , war Allert nicht sehr verwunderlich . Da hatte eine Zündschnur lange geglimmt und das Feuer des Argwohns sich allmählich herangefressen an den Sprengstoff . Dem armen Menschen konnte man aber jetzt seinen bösen Irrtum nicht klarmachen . Vor der Hand handelte es sich einzig um seine eigene verletzte Ehre und darum , die erfahrene Beschimpfung abzuwehren . Allert schüttelte den Kopf . Es gibt wahnwitzige Sachen , dachte er . Wie lange , wie oft war dieser Ehemann wohl blind gewesen . Und nun - ausgerechnet diesmal , wo keine Ursache war ... Es hätte nicht viel gefehlt , daß Allert auflachte . In allem ist auch immer eine verborgene Komik . Die spürte Allert stets deutlich heraus , dazu hatte er ein förmliches Talent . Aber diese Geschichte ging ihn denn doch zu peinlich nah an , als daß er sich wohlgefällig am Grotesken darin hätte erbauen können ... Ihm kam die Frage : wie die zwei nun wohl miteinander abrechnen ? Welcher Genuß für die Frau , welche famose Chance , als unschuldig Angeklagte aufzutrumpfen ! Um danach und dadurch sich desto sicherer als Herrin dieses hörigen Sklaven zu fühlen . Na , immer zu . Jeder Mann hat die Frau , die er verdient ... Man kann zu einer kommen , die man nicht verdient hat - aber was man dann behält , das ist eben nicht mehr Sache des Schicksals , sondern des Charakters . Seine Gedanken verließen das Ehepaar und begannen wieder die Regelung der Ehrenfrage zu umkreisen . Allert wußte , daß er von dem Augenblick an , wo er Patow bitten mußte : nimm das in die Hand - ordne das ! eigentlich willenlos wurde . Dann hatte er sich ganz einfach in das zu fügen , was seine Sekundanten ausmachten ... Eine rasende Ungeduld stieg in ihm auf . Daß man nicht gleich und ganz primitiv sich selbst seine Genugtuung nehmen konnte ! - Er beneidete dem Mann aus dem Volke sein Faustrecht . - Dem Beleidiger auf der Stelle einbläuen dürfen : was unterstehst Du Dich ! Wie entladend , wie herrlich entspannend mußte das sein . Nun hieß es schwüle Tage voll qualvoller Stimmungen ertragen . Allert dachte daran , daß sein Dasein doch gerade in diesem Augenblick sehr reich sei - Kampf um Erfolg - Kampf um ein Weib . Ja , rechtes Mannesleben war das . Und nun ? Sollte eine Ironie des Schicksals all das enden ? Sollte er , gerade er seine Brust den Schüssen darbieten , die zukömmlichere Ziele bei anderen Gelegenheiten hätten finden können ? Nein . Ein unzerstörbares Vorgefühl sagte ihm , daß er nicht an einer Albernheit scheitern würde . Die Geschichte würde sich ordnungsgemäß abwickeln ; man schösse vielleicht ein paar Löcher in die Luft - hüben und drüben - denn der zur Besinnung gekommene Dorne würde ja wohl nicht an ihm zum Mörder werden wollen , und er selbst hatte nicht die mindeste Lust , dem Gatten der lüsternen Frau Julia das Leben zu nehmen . Also das mußte nun mit anständiger Haltung - zu der vor allem Geduld gehörte - durchgemacht werden . Und dann Schluß - Er kam so , in überlegener Fassung , in seine Wohnung . Die paar Zeilen an den Vetter Hauptmann waren rasch entworfen - ein Ruf , daß Fritz so schleunig als möglich sich herbeibemühen möge . Schererei für Fritz , dachte er . Sekundant sein , ist immer lästig - freilich , es gibt auch da freudige Spezialisten - aber so einer war ja Fritz Patow nicht . Nun , er würde aber die Situation mit Würde beherrschen . Plötzlich fiel Allert ganz etwas anderes ein . Und er blieb wie versteinert stehen - gerade vor dem Briefkasten , in den er das Schreiben an Fritz werfen wollte - die nächtliche Straße war so einsam - und durch ihre Stille kamen deutlich die Geräusche - wie sich wenige Figuren von einem leeren Hintergrunde genauer abheben als vor einem Menschengewühl - das pünktliche Stampfen irgendeiner Maschine - das rasche , puffende Ausstoßen von Dämpfen aus einem Ventil - wie aus keuchender Menschenbrust kam das . Allert hörte ein Weilchen zu , wie um den Gedanken , die ihn so schreckhaft überfallen hatten , erst noch Sammlung zu gönnen . Ein greller Pfiff , den eine Dampfpfeife irgendwo auf dem Kanal oder in einer Fabrik hinausschrie , riß ihn dann aus dieser Pause - Was hieß das : und dann Schluß ! ? - Er konnte ja gar nicht mit dem Manne Schluß machen . Solche Teilhaberschaft löst sich nicht von heute auf morgen ! Ganz abgesehen von dem schlechten Eindruck in der Geschäftswelt ... Ende November hatte man sich zusammengetan - im April lief man wieder auseinander ? Nein - ganz einfach - das war unmöglich . Das hätte die Firma in einen zweifelhaften Ruf gebracht - das hieße , alles an junger Ehre , erwachendem Ansehen , aufsprießender Ernte preisgeben , was man in vier Jahren sich blutsauer erkämpft ... Und viel mehr noch : nicht nur um des Ansehens willen , des moralischen Kredits halber konnte er sich nicht von diesem Teilhaber trennen . Da war ja dies Geld ! Dieses so bitter nötige Kapital - um dessentwillen er sich ja doch überhaupt mit Dorne zusammengetan hatte . Und wenn sich das Unternehmen noch auf