die Grüße des heiligen Zeno im Gewicht ums Doppelte überschätzt . Ich mußte als meines Herrn gewissenhafter Diener den Irrtum richtigstellen . « » Und der Kriegshaufe , der da drunten in den Höfen zum Ausmarsch geordnet steht ? « » Soll die Besatzung von Plaien und zwei andern Burgen ablösen . Das war schon bestimmt vor Wochen . « Als Franzikopus unterschrieb , hatte er ein krebsrotes Gesicht . Unter dem Geläut der Kirchenglocken und bei strahlender Morgensonne zog der rasselnde Kriegshauf in langem Zuge , mit vielen Troßwagen und einem lärmenden Schwärm von Gelägerdirnen zum Tor hinaus . Franzikopus , dem man von einer Reise im Wagen abgeraten hatte , ritt an der Spitze des Zuges zwischen dem Hauptmann Seipelstorfer und dem Büchsenmeister Kuen . Die beiden plauderten sehr freundlich mit dem Kaplan des heiligen Zeno . Auf der schönen Straße , über die sich der Heerzug dem blau in der südlichen Ferne stehenden Untersberge zubewegte , war Malimmes vor zwei Stunden im Trab davongeritten . Gegen das Bergland stieg der Weg . Und Malimmes , obwohl er Eile hatte , schonte den feinen , schlanken Falben , den er sich in Herrn Heinrichs Heerstall ausgesucht . Zu dieser Wahl hatte des Herzogs Stallmeister den Kopf geschüttelt . » Das ist ein Rößl für einen leichten Buben . Ein so fester Kerl wie du braucht einen schweren Gaul . « Doch Malimmes hatte seinen Sattel auf den zierlichen Falben gelegt : » Der taugt mir , den nimm ich . « Gegen die dritte Nachmittagsstunde erreichte er , vom Ufer der Saalach aufwärts reitend , den schütteren Buchenwald , der den Burghügel von Plaien umzog . Steil ging ' s hinauf . Doch trotz des siebenstündigen Rittes hatte der Falbe noch einen festen Schritt ; Malimmes klopfte ihm , während die Zugbrücke herunterknarrte , zärtlich den nassen Hals . Ein altes , enges , winkliges Mauernest , oft zerstört , immer neu wieder aufgebaut . Die Zinnen der Umwallung bestanden aus frischem Mörtel werk und hatten junge Schirmdächer ; die aus plumpen Felsen gefügten Grundmauern , die mit dem Gestein des Hügels verwachsen schienen , waren ein halbes Jahrtausend alt und hatten Teile , die noch älter waren ; eingemauerte Bogen und Pfeiler zeigten die braunen , stahlharten Ziegel jener versunkenen Zeit , in der ein römischer Wachtposten die das Saalachtal durchziehenden Salzfrachten geschützt hatte . Unter dem Torgewölb umdrängten die Söldner , die den Brückendienst versahen , den Malimmes mit ihren lärmenden Lobsprüchen . » Bist ein Kerl ! So ein Gewaltsritt ! Ist ein Ding , das dir nit leicht einer nachmacht ! « Und der feine Falbe , den der Bote als Geschenk des Herzogs mitbrachte , erregte Aufsehen . Beim Eintritt des Malimmes in den engen , schattenkühlen Schloßhof erhob sich einer , der wie ein unruhig Harrender auf der Stiege des Wehrganges gesessen , ein müder , gebeugter Mann mit völlig ergrautem Haar . Seit jenem Tag , an dem man in der Amtsstube des Herrn Someiner um die siegelwidrigen Kühe und die siegelgerechten Ochsen geredet hatte , schien Runotter um ein Jahrzehnt gealtert . Eine steinerne Trauer war in seinem abgemagerten Gesicht , aus dem die tiefliegenden Augen wie dunkle Zornflammen herausbrannten . Auf den lachenden Gruß des Malimmes antwortete Runotter nur mit einem stummen Nicken . Sein bohrender Blick forschte in dem Gesicht des Reiters . Leise sagte Malimmes : » Mir daucht , es wird Arbeit geben . Schon morgen . « Der Bauer streckte sich , als wäre dieses Wort eine Erfüllung seiner Sehnsucht . Doch die Trauer in seinen Augen vertiefte sich , als fiele aus dieser Nachricht auch ein neuer Sorgenstein auf seine Seele . » Und gut geredet hab ich mit dem Herzog « , flüsterte Malimmes weiter , » der Hauptmann wird dem Jul und dir das Dach nimmer künden , Bauer ! Von heut an bist zu Plaien ein Gast , dem der Herzog gewogen ist . « » So ? « » Und guck das Rößl an , das ich mitgebracht hab für den Jul ! Da wird er sitzen drauf wie ein Fürstensohn . « Die Augen des Malimmes suchten . » Wo ist der Bub ? « Runotter sagte müd : » Auf dem Turm hockt er und schaut , ich weiß nicht , wohin . « Als Malimmes antworten wollte , kam aus dem Herrenhaus ein festes , struwelhaariges Mannsbild in höchst unkriegerischen Filzpantoffeln herausgeschritten , Martin Grans , des Herzogs Hauptmann auf der Plaienburg . Malimmes sprang aus dem Sattel , machte seine Botenmeldung , übergab den gesiegelten Brief und führte , während der Hauptmann gleich zu lesen begann , den schwitzenden Falben zu einem der schlechten Ställe , die unter den Wehrgang eingebaut waren . Martin Grans schien an dem Auftrag , den er da zu lesen bekam , keine sonderliche Freude zu haben . Er knurrte einen Fluch durch die Zähne . Aus der offenen Stalltür klang die Stimme des Malimmes : » Her da , Heiner ! Tu mit sauberem Stroh das Rössel bürsten , bis es trücken ist ! Das Maul und die Hessen reib ihm mit einem Schlückl Branntwein ! Flink ! « So grau verstaubt , wie er in den Burgfried eingeritten , kam Malimmes aus dem Stall gesprungen und eilte hinüber zu der kleinen Eisentür des Turmes , der in der südlichen Ecke des Hofes plump hinaufstieg in das Blau . Mißmutig faltete der Hauptmann den Brief zusammen , ging auf Runotter zu , bot ihm die Hand und wurde freundlich . Zufrieden lachte Malimmes vor sich hin und verschwand in dem dunklen Türloch des Turmes . Von dem vierzehnstündigen Botenwege schienen seine Knochen nichts zu spüren . Bei jedem Sprunge nahm er drei von den hohen Steinstufen . Mit Geklirr und Gerassel ging ' s hinauf über steile Wendeltreppen , durch Wehrstuben , in denen Armbrusten und Faustbüchsen unter dem spärlichen Licht der winzigen Fenster hingen . In der Wachtstube des