weil die Schienkapp aber halb von der Fock bedeckt war , konnte man von der Kaje aus niemand erkennen . Wie willenlos schlich Gesa sich auf den Ewer und stieg die Treppe hinunter . Dann stand sie auf der dunkeln Diele und blickte durch das rautenförmige Türfenster in die erhellte Kajüte hinein . Da war der Tisch aufgeklappt , und die dampfende Klütenpfanne stand darauf , auf einem Tauring , und die Seefischer saßen im Kreise herum , hatten die Gabeln in den Händen und langten tüchtig zu . Obenan saß Klaus Mewes , groß und breit , da saß Kap Horn mit seinem Gelehrtengesicht und erzählte von der großen Hitze im Roten Meer , da saß Hein Mück mit einem Gesicht , das besagteheißen sollte : un wenn du teinmol Kap Horn heest un vant Rode Meer snacken kannst , dorüm büst un bliwst du doch een Butenlanner för mi , - da saß der griese Seemann und liebäugelte mit den gebratenen Klößen , zwischen Seemann und Klaus Mewes aber saß mit lachendem Gesicht der kleine Klaus Störtebeker und fragte in einemfort dazwischen . Gesa stand regunglos im Dunkeln . Es war ihr , als hörte sie eine Stimme hinter sich , die sie lange nicht mehr vernommen hatte , die ihrer Mutter auf der Geest : das ist ein Traum , Gesa , wenn du dich besinnst und die Augen aufmachst , dann stehst du nicht mehr auf der Ewerdiele und siehst kein Licht mehr : dann ist alles dunkel , und du findest dich in deinem einsamen Bett am Deich wieder . Sieh deinen Jungen still an und halt ihn fest , den Traum . Da rief Störtebeker : » Dat is wat to dull mit di , Hein Mück , jedesmol mokst du de Brotklüten to sult ! « Und er stand auf , um aus dem Wasserfaß auf der Diele zu trinken . Als er die Tür aufriß , war es mit Gesas Kraft zu Ende . » Klaus , mien Klaus ! « schrie sie auf und sank um . * * * Schiffer und Frau waren allein in der Kajüte : als Klaus Mewes seine Gesa aufgehoben und in das Licht getragen hatte , waren die andern einer nach dem andern hinausgeschlichen , um nicht zu stören . Hein Mück war nach dem Tingeltangel gegangen , um sich etwas vorsingen zu lassen , Kap Horn und Störtebeker aber standen auf Deck und guckten nach dem englischen Dampfer im Trockendock von Wenke , an dem noch bei Licht eifrig gearbeitet wurde . Der Junge war schweigsam geworden : er gab kaum noch Antwort , denn er ahnte , daß es unten um ihn ging , daß er von Bord sollte . Der Knecht fühlte es auch und machte sich Gedanken darüber . * * * Es ging um Störtebeker . Zäh und leidenschaftlich rang die Mutter um ihr Kind , mit krankhafter Heftigkeit verlangte sie es zurück , sie drohte und warnte , bat und schmeichelte , weinte und schluchzte . Ruhig und gelassen verteidigte Klaus Mewes seinen Jungen und lachte ihrer Angriffe . Er gab nicht so leicht etwas auf , was er hatte , und hielt es meistens mit dem lübischen Recht : wat wi hebbt , dat hebbt wi ! Und hier stand er auf gutem Grund und Boden , denn das Recht der Gesunden schien ihm höher zu stehen als das der Kranken . Aber Gesa ließ nicht nach : die lang unterdrückte und gehemmte Mutterliebe gab ihr Worte und Gedanken ein , die ihn schließlich doch aus seiner Ruhe brachten . Und als er sich hinreißen ließ , heftig zu werden , da verspielte er schließlich . Er mußte einwilligen , daß der Junge mit nach Hause reise . Als er sein Wort gegeben hatte , stand er auf und ging unruhig auf und ab . Er war uneins mit sich geworden , und es rief beständig in ihm : du steuerst verkehrt , Klaus Mewes , du steuerst verkehrt ! Gib den Jungen nicht hin , laß ihn nicht von Bord : der gehört zu dir und zu niemand anders . Aber er hatte sein Wort gegeben , ihn vor dem Herbst abzumustern , nicht einmal , siebenmal hatte er es versprochen , und mußte es endlich halten , denn Gesa war gekommen und hatte die Unruhe und den Herbst in sein Herz gebracht . Sie wollte nicht ohne den Jungen von Bord gehen und ging nicht ohne ihn von Bord . Ein schiefes , verkehrtes Ende der schönen Sommerfahrt war dieser Beschluß , darüber kam er nicht hinweg . Er hätte den Jungen selbst nach dem Neß bringen müssen , mit seinem Ewer : darein hätte er sich vielleicht gefügt ! Noch einmal machte er den Versuch , Gesa zu bewegen , an Bord zu bleiben und die eine Reise , die gewiß nach der Elbe gehen solle , mitzumachen , aber sie ging nicht darauf ein . Er mußte Wort halten . Der schwerste Streek kam : er mußte es seinem Jungen sagen . Als er rief , sagte Störtebeker hastig zu Kap Horn : » Un ik goh ne mit un goh ne mit ! « Dann trat er in den Lichtkreis . Klaus Mewes studierte das Wetterglas , als er es ihm sagte . Störtebeker erwiderte kein Wort . Er hatte das Gefühl , als ob sein Vater ihn schlüge , und bei Schlägen sagte er nichts . Seemann richtete sich an seinem Bein auf , als wenn er ihn trösten wolle : er wurde es gar nicht gewahr . Hätte seine Mutter ihn in diesem Augenblick umarmt , er hätte etwas Häßliches getan , aber sie war klug genug , es nicht zu tun . Erst als er nachher draußen auf der Diele in der Segelkoje lag ( denn in seines Vaters Koje war kein Platz mehr für ihn , und bei Kap Horn wollte er nicht schlafen ) , löste sich der