Du werst scho wart ' n kinna ! « Mit der Rede war es vorläufig nichts , und Lenz ging verdrossen aus der Stube . Er sah Zenzi in der Küche arbeiten und sagte , so grob er s ' herausbrachte , zur halbgeöffneten Türe hinein : » An Kaffee sollscht d ' eahm bringa ! « Das Frauenzimmer war in seiner wichtigen Stellung mitteilsam geworden und rumorte mit der ungewohnten Arbeit mehr im Hause herum , als gerade notwendig war . Und jetzt wollte es auch arglos sich vor dem Sohn ein wenig prahlen und geschäftig zeigen . » Hoscht d ' an Vata aufg ' weckt ? Dös hättst it toa soll ' n. « » Hätt ' i di frag ' n müass ' n ? « » Na , aba weil a halt so spat hoam kemma is , und i ho scho a weng Angst g ' habt , daß a si wos to hot , weil a no im Wagl draußd g ' schlafa hot , und i hon an aa so lang it g ' hört , bis da Christl nacha außi is ... « Lenz unterbrach die gesprächige Person , die er mit zugekniffenen Augen feindlich ansah . » Du ! Gel , du bild ' st da wos ei ? Aba dös is no lang it da Fall ! Vastehst d ' mi ? « Nein , die Zenzi verstand ihn und seinen Haß wirklich nicht . » Wos tat i mir ei ' bild ' n ? « » Dös , was nia werd . Gar nia ! Für dös steh da ' r i guat , du Schlamp ' n , du vadächtiga ! « Und da war er weg und ließ das Weibsbild in wirklicher Traurigkeit zurück ; denn es schmerzt , mit einem friedfertigen Sinn und der allerbesten Meinung einen solchen Schlag auf den Kopf zu kriegen . Man grübelt darüber nach , und weil man keinen Grund zu dieser besonderen Roheit finden kann , glaubt man bald an die Schlechtigkeit der Welt oder daran , daß man sterbensverlassen der Gegenstand des allgemeinen Unwillens ist . Und hernach steht das hilflose Weibsbild mit tränenden Augen am Herd und wischt sich mit rußigen Fingern übers Maul und schaut aus wie ein Haufen Unglück . » Wos feit denn dir ? « fragte der Schormayer , wie ihm Zenzi mit stillem Schmerz den Kaffee hinstellte . » Nix « , sagte sie . » Weg ' n nix werst d ' na do it trenz ' n ? « » Mi feit nix . « » Vo mir aus ! I brauch ' s it z ' wiss ' n. « Sie zog die Türe still hinter sich zu ; und in dem Gefühl , das unschuldigste Opfer einer ganz abscheulichen Grobheit gewesen zu sein , tröstete sie sich nach und nach . Der Schormayer löffelte im dumpfen Bewußtsein , daß hier wieder einmal eine Ursache zum Ärger vorhanden sein könnte , seinen Kaffee aus . » Der werd all Tag bessa , « sagte er vor sich hin , » mit alle Leut is er saugrob , und mir schneid ' t er a G ' sicht hi ' wia neun Tag Reg ' nwetta . An Hansgirgl hat a vatrieb ' n , de ander trenzt im Haus umanand , und nacha wer i dro ' kemma . Bal ' s d ' di no it schneid ' st , du Grobian , du haglbuachana ! « Wenn es einmal so weit ist , daß sich zwei Leute , die zueinander gehören nicht mehr verstehen , dann helfen die besten Meinungen nichts . Lenz hatte mit sich selber eine große Erbarmnis , daß ihm sein anerkennenswerter Versuch sogleich mißlungen war , und in der dummen Geschäftigkeit der Zenzi sah er nichts als wohl angelegte Boshaftigkeit . Und da er seinen Charakter behaupten und keine Arbeit angreifen wollte vor der Unterredung mit dem Alten , ging er am frühen Vormittag ins Wirtshaus . Als einziger Gast an diesem föhnwarmen Werktag , der jeden Pflug auf den Acker rief , erregte er das gerechte Aufsahen der Wirtin , und sie setzte sich mit einem dicken Knäuel Wolle neben ihn und hub ein Stricken und Fragen an , daß es dem verdrossenen Menschen zu eng in seiner Haut ward . Er gab mürrische Antworten , und gab keine Antworten ; aber das war für die kluge Frau erst der rechte Ansporn , von allen Seiten und hinten herum anzugreifen , denn das war doch einmal nicht natürlich , daß der Schormayer-Lenz nach der gestrigen Hochzeit mit einem solchen Gesicht herumging ; und da war irgend etwas geschehen , was sich aus einer halben Antwort auf drei Fragen am Ende schon erraten ließ . Außerdem war ja die Unterwirtin nicht gerade auf den Kopf gefallen , hatte auch schon einiges läuten hören und wußte deswegen , wo sie das Brett lupfen mußte , um auf den Boden zu sehen . Nach einigen Stunden wußte sie ungefähr , wie der Lenz über die Verhältnisse daheim gesonnen war , und wußte gewiß , daß er acht Halbe abgestandenes Bier getrunken hatte . Beim Schormayer daheim war die Stimmung auch nicht viel schöner . Als er sah , daß die Pferde müßig im Stall standen , wurde er verdrießlich ; und wie der Christl heimkam und sagte , daß weiter nichts angeschafft sei für den Tag , merkte er gut , daß ihm der Lenz trotzen wolle . Beim Mittagessen wollte er ihn schon zur Rede stellen , ob das eine Manier sei , am schönsten Tag alles liegen und stehen zu lassen ; aber der Lenz blieb aus , und der Schormayer mußte seinen Ärger aufsparen . Es kam auch gleich ein neuer hinzu , wie er seine Kommandogewalt ausübte und dem Christl befahl , noch diesen selbigen Nachmittag nach dem Scharrerwinkel auszurücken und frischweg draufloszuackern . Ja , das ginge nicht !