die Brustwehr hingekauert . Dem Geistlichen lauschten sie , so vom Propheten Daniel predigte , wie er , vom Tyrannen in die Löwengrube geworfen , gleichwohl heil geblieben und alsodann sein Dankgebet gesprochen : » Mein Gott hat seinen Engel gesandt , der den Löwen den Rachen zugehalten hat , daß sie mir kein Leid getan haben . « Bei diesen Worten klang in der Ferne ein langgezogener dumpfer Ton , ähnlich dem Brüllen eines Bullen . Es war das Horn des Türmers auf Sankt Katharinen . Sollte eine Feuersbrunst ausgebrochen sein ? Der Prädikant sprach unbekümmert weiter , wiewohl etliche Zuhörer zum Turm emporblickten , von wo noch immer das Horn erscholl . Auf einmal rief jemand dicht bei mir : » Waffen ! Waffen ! « Nach der Brustwehr zugewandt , sah ich , wie zween feindliche Soldaten von außen herübergestiegen kamen , dann ein dritter , ein vierter . » Feindioh ! « riefen die Unseren . » Waffen ! « Meinen Karbiner hatte ich , doch - Teufel - keine Munition . Schon knatterten Schüsse , und ein Gebrüll von Geschützen erhub sich . Einer unserer Posten stürzte , seine Muskete fiel vor meine Füße . Ich erhub sie wie einen Dreschflegel und ging auf einen Feind los . Der legte sein Pistol auf mich an und schoß . Ich schlug ihn mit dem Kolben nieder , stund aber allbereits vor einem neuen Gegner , der mit dem Schwerte nach mir stach . Ich parierte mit meiner Muskete und stieß sie ihm ins Gesicht , daß er hintaumelte . Inzwischen hatten sich etliche der Unseren den Pappenheimer Eindringlingen entgegengeworfen , sie niedergemacht und die Brustwehr gewonnen . Ratlos aber lief ein Teil unserer Wallmannschaft durcheinander und schrie : » Waffen ! Waffen ! « Manche hatten keinerlei Waffen , nicht einmal eine Partisane oder einen Morgenstern . Ich eilte zur Brustwehr und sahe nun , wie schlimm es mit uns stund . Es wimmelte von stürmenden Pappenheimern . Wie Meereswellen zum Strande rollen , kam Reihe auf Reihe herangeflutet . In der Ferne aber regte es sich hinter allen Hügeln und Gründen von Reitergeschwadern und Pickenierbataillonen , von Fahnen , Spießen und blinkenden Rüstungen . Und war ein Gelaufe im Feinde wie in einem aufgescheuchten Ameisenschwarme . Wie Katzen sprangen die Pappenheimer heran und renneten die Sturmleitern herauf , trugen auch immer neue Leitern herbei und lehnten sie an die Wallmauer , wiewohl die Unsrigen jetzo schossen und in rasender Wut Mauerbrocken auf die Emporklimmenden warfen . Nur schwach freilich konnten wir uns wehren , da wir auf Deckung bedacht sein mußten . Hageldicht schwirrten die Kugeln aus den feindlichen Laufgräben , und schon mancher Kamerad lag entseelt oder stöhnend vor unsern Füßen . Ich hatte die Lunte meiner Muskete entzündet und auch schon einen Pappenheimer von der Leiter geschossen . Da rief mich Kapitän Schulz an : » Korporal Tielsch , im Stall bei der Wachtstube steht mein Pferd , - reit Er , so schnell Er kann , zum Kommandanten Falkenberg - er ist auf dem Rathaus - Sukkurs soll er schicken - Sukkurs so viel als möglich - sonst halten wir den Wall nicht . « Ich sogleich fort , den Auftrag auszuführen . Im Turme , der des Walles Eingang war , hasteten mir die Unsrigen entgegen , so zum Kampfe eilten ; - mühsam brach ich mir durch ihr Gedränge Bahn , gelangte zum Stalle der Wachtstube , fand das Pferd , schwang mich in den Sattel und galoppierte durch die Gassen . Aus den Haustüren stürzten die Bewohner herfür , Weiber und Kinder rangen heulend die Hände , vom Katharinenturm brüllte der Alarm , und immer wilder knatterte das Gewehrfeuer . » Zur Hohenpforte ! « rief ich den Bürgern zu , die mit Waffen gelaufen kamen ; aus ihren Augen sprühete ein Grimm , der , angesammelt in der langen Zeit qualvollen Ringens , jetzo sich entlud , angezündet von dem Gedanken , daß Leib und Leben , Weib und Kind , Gut und Ehre , Glauben und Vaterland auf dem Spiele stehe . Vor dem Rathause stund bei einer Gruppe von Bürgersleuten der Page des Obersten Falkenberg und hielt das Roß seines Herrn am Zügel . Ich hin zu ihm , schwang mich aus dem Sattel , gab ihm auch noch mein Pferd zu halten und stürmte die Treppe hinan zum Sitzungssaal . In der Tür blieb ich eine knappe Weile atemlos stehen . Falkenberg redete zur Ratsversammlung . Wiewohl auf seinem Angesichte Schweiß und Erschöpfung lag , hielt er doch seine kalte , eiserne Trutzigkeit aufrecht . Ich aber trauete meinen Ohren nicht . Was diese Männer beschäftigte , war ja noch immer die Frage , ob mit Tilly zu ackordieren sei . Wußte man denn allhie noch nicht , wie die Dinge stunden ? » Nichts von Traktaten ! « rief Falkenberg ; » jede Stunde , die ihr heute länger ausharret , ist mit keiner Tonne Goldes zu bezahlen . Zum Abzuge ist Tilly entschlossen , und die Schüsse , so jetzunder gen unsere Mauern donnern , sind der Abschiedssalut ... « » Mit Verlaub , Herr Oberst , « rief ich und drängte mich durch die Versammlung . In diesem Augenblicke begann der Türmer der nahen Johanniskirche zu tuten . Die Augen aufgerissen horchte die Versammlung , und Falkenberg stutzte . Gleich darauf aber sprach er mit fester Stimme weiter : » Sollte der Feind aber wirklich wagen , unsere Mauern noch in letzter Stunde zu berennen , so mag er mit blutigem Kopfe heimziehen . O , daß er sich unterstünde ! Er wird sich den Kopf zerschellen ! « Indem ward hinter mir die Tür aufgerissen , und der Burgemeister Otto von Gericke kam hereingestürmt : » Der Feind ist allbereits in der Stadt - am Fischerufer plündern die Kroaten ! « Mit Rufen des Entsetzens sprang alles von den Stühlen und drängte zum Ausgang . Ich trat vor Falkenberg und meldete