wenn er nun die ganze Welt nur so hinmalen könnte , die ganze , weite , selige Welt , die keines Kommentars und keiner Mühe und Arbeit bedurfte , um ganz und gar erkannt und geliebt zu sein . Die ganze selige Welt : Johanna und Einhart . 9 Daheim in Poncets Hause war keine Einigkeit . Frau Poncet , die eine feine Seele war , war ihrem Manne ganz unvertraulich . Ihre Liebe schien langst grau in grau und wenig anderes noch , als hassende Erinnerungen . Die beiden Kinder , ein Knabe und ein Mädchen , waren lieb zu ihm . Aber sonst fehlte die stille Flamme hüben und drüben . Es gibt Männer , die vorzeitig nach allerhand Frauen greifen , gattungsgebunden und unpersönlich in verfrühten Süchten . Das zärtlich scheue , kindlich sehnende Berühren fehlte , das schon Platon als den süßen Beginn aller Liebe geschildert . So will sich aus jungem Drängen in solchen Naturen nie der harte , klare , blinkende Rubin zusammenfinden . Wie der Uhrmacher , so muß der Menschenkenner bei jedem fragen , auf wieviel Steinen die Seele geht , und ob es heimlich im Grunde einen Halt gibt ? Und ob es heimlich funkelt ? In Poncet war kein klarer Stein kristallisiert . Das Leben seiner Liebe war in Asche zerfallen . Kein inneres Funkeln in allen Strahlenwundern , nur Brände zuerst und Asche dann . So auch mit Frau Poncet . Aber wenn jetzt Poncet zu Einhart kam , begann sich ihm eine neue Welt aufzutun . All die kleinen Handreichungen des Lebens , die er nie geachtet , gewannen einen tiefen Glückseligkeitssinn auch für ihn . » Das Leben ist gar keine Idealität . Es ist immer nur das einfache Leben , « sagte Einhart . Er wußte es nicht , daß er damit den tiefsten Lebenssinn gegen all die großen Worte in Wissenschaft und Religion verteidigte . » Das Leben ist immer nur diese kleine , einfache Verrichtung mit Hand und Fuß , immer nur auf dieser steinigen Erde , die wir mit Auge und Sinnen erfassen und anstaunen , « sagte Einhart . » Immer nur dieses : eine liebende Stimme hören , in liebende Augen sehen oder in hassende . Ist immer nur Wandel in Regen oder in Sturm . Oder in weicher Nacht , wenn Sterne und der Mond blinken . Oder wenn es stockbrandfinster ist mit dem kleinen Scheine unsres Laternenlichts in der eigenen Stunde . Ist sich kalt fühlen , sich in seinen Mantel warm hüllen , oder eintreten an ein warmes Kaminfeuer und unter gute Blicke , die uns zulachen und uns willkommen heißen . Ist diese steinige , weite Erde , deren Wege der Frühling umblüht und umsonnt . Oder auch wenn uns Kümmernisse um Liebe und Geliebte das Herz bedrohen . Diese eine sonnenfrohe oder nächtigeisige , hinausgestoßene Erde . Ist aufatmen , jung hinaus und in die höchsten Hoffnungen sich heben mit Flügeln so scheint ' s. Oder mit blinden Augen schreiten , geführt und ängstlich und mit der süßen Ahnung dessen , was ewiger Schlaf dem Menschengemüte an letzten Lasten aufhebt . Es ist das eine kleine Leben , mit Hand und Fuß , mit Auge und Seele , mit der einen kleinen , einsamen Seele , die einzeln sitzt in jedes Gehäuse , und die ihren Traum doch laut hinausträumt von dem Verein der Seelen , auf den Millionen verlangend lauschen . « Das war , wie es Einhart jetzt und immer lebhaft verkündigte . Doktor Poncet kam oft . Er war daheim , seitdem er zum ersten Male das gute , einige , zitternde , irdische Seelenspiel Einharts und Johannas angesehen , noch mehr losgetrennt . Er begann einzusehen , daß er durch alle sogenannte Idealität durchmüßte zu der kleinen , großen , einsamen Seele . Er begann beglückt zu sein von ferne . » Man muß es mit den Sinnen greifen . Nur mit den Sinnen hält der Mensch sich fest in der Welt , wie der Baum mit den Wurzeln in der Erde . « Einhart sagte es nicht . Aber Poncet sagte es jetzt , weil es Einhart lebte . Poncet begann allmählich kindlich zu lachen wie Einhart . Wenn er kam , saß er stundenlang . Johanna fand ihn angenehm . Ihre Eulenaugen sahen zu ihm hinüber . Ihre Augen waren immer zärtlich im Blick . Poncet begann sie oft anzusehen . Einhart fühlte , daß Poncet sich heimlich neu zu sehnen angefangen . » Die kleinen Handreichungen des Lebens sind es , « sagte er einmal vor sich hin . Er sah Johanna oft nicht mit bloßer Achtlosigkeit an . Und einmal war es gekommen , gegen das Frühjahr , wie Einhart zufällig nicht daheim war . Da hatte Poncet lange nur stumm dagesessen und hatte Johanna dadurch geradezu verlegen gemacht . Wie es kam ? Wer weiß . Die Augen Johannas waren mitleidig . Sie wollte auch gleich noch wegspringen erst , um unten in dem kleinen Gemüse- und Butterladen einzuholen . Dann war sie doch geblieben . Es war in ihrem Gesicht gleich eine große Röte . Außerdem sind die brennenden Blicke dunkler Augen , wie die sehnsüchtigen Poncets eine wundersame Sprache des Preisens . Das Herz der Frau wird neugierig . Die Eulenaugen Johannas baten gegen Poncet , wie er so immer noch stumm als Schatten auf der Skizzenkiste unter dem großen Atelierfenster saß . Aber sie versuchten Poncet auch um so mehr . Die Neugier Johannas war so hart in ihr geworden , daß sie einfach nicht mehr hinaus konnte . So blieb sie und hantierte lange vor Poncet . Eine Weile dachte sie noch immer , daß Einhart kommen müßte . Aber je mehr sie hoffte , desto bestimmter sprachen ihre Blicke Sanftheit hin in den stummen , in sich verzehrten Poncet . » O Gott Gott ! « hatte er schon manchmal vor sich hin gesagt . Jetzt rang er heimlich sich zu überwinden