Mann dazu . Er gab dem fetten Herrn am Klavier ein Zeichen . Und dieser begann wieder : » Komm herab , o Madonna Theresa ! Sieh doch , wie schön ist die Nacht ! « Ein junger Mann riß eine Blondine grausam von den Freundinnen weg und begann , um sie herumzulaufen , und stieß ihr die Knie in den Leib und versuchte , ihr die Hüften abzudrehen , und schüttelte sie , als wolle er ihren ganzen Inhalt verstreuen . » Halt ! « Das Klavier schwieg . » Sie sind zu heftig , mein Herr ! « sagte Merkle . » Gerade der Walzer erleichtert den elastischen Schwung und verleiht dem Körper eine ungemein natürliche Grazie . Sehen Sie her ! So ! Der rechte Fuß setzt im Takt ein , der linke Fuß zieht einen Bogen nach rechts . « Die Musik begann wieder . » Komm herab , o Madonna Theresa ! Sieh doch , wie schön ist die Nacht ! « Der junge Mann versuchte aufs neue , die Hindernisse zu besiegen . Er biß die Zähne zusammen und schaute starr auf den Boden und trat mit den Stiefeln darauf herum , als müsse er eine Menge Ungeziefer tottreten , und dann schleuderte er wieder seine Füße von sich weg , als wolle er sie nie mehr in seinem Leben sehen , und dann drehte er sich in einem Wirbel um sich selber herum , als wäre durch seinen Leib eine Eisenstange gezogen . Und das blonde Mädchen hüpfte für sich allein auf und ab , da es diese ungeahnten Bewegungen nicht mitmachen konnte . » Halt ! « kommandierte Merkle . » Mein Herr , Sie müssen noch die Positionen der Füße üben ; in der Führung der Dame sind Sie nicht sicher genug . Ein anderes Paar ! Darf ich bitten ? « Ein langer Jüngling trat aus der Reihe vor und hielt seine rotwangige Tänzerin mit gestreckten Armen von sich weg . » Nehmen Sie eine ungezwungene Haltung an ! « mahnte Merkle . » Die Dame muß sich anschmiegen . In natürlicher Grazie , aber nicht zärtlich ! So ist es schon besser . Eins , zwei , drei - vier , fünf , sechs ! Gut ! Bravo ! Es geht ganz ordentlich , Herr Mang . Sie müssen nur Zwanglosigkeit zeigen . « Sylvester kam mit Ehren um den Saal herum , und der Tanzmeister sagte : » Sie werden eine gute Figur auf dem Kränzchen machen ; ich wäre sehr froh , wenn alle Herren so vorgeschritten wären . « Diese Übungen wurden nämlich nicht abgehalten in dem Streben , dem Körper die höchste Schönheit zu verleihen ; sie hatten einen besonderen Zweck . Die studentische Verbindung » Klio « wollte ein Kränzchen veranstalten , und ihre jungen Mitglieder mußten sich darauf vorbereiten . Sylvester war von einem Schulfreunde eingeladen worden , an der Tanzstunde teilzunehmen und das Kränzchen mitzumachen . Er sagte nicht sogleich zu , weil er in seiner Lage üble Deutungen und Nachreden scheute . Aber der alte Schratt erklärte ihm , daß es zu den notwendigen Erfahrungen des Lebens gehöre , ein hübsches Mädel im Tanze herumzuschwenken , und der Schulfreund erzählte ihm , daß die besten Familien eingeladen wären , und daß sehr feine Mädchen kommen würden , als zum Beispiel die Töchter des Herrn Rektors , und die Töchter des Magistratsrates Küfel , und die Tochter des Kaufmanns Sporner . Da ging Sylvester noch einmal in sich und sagte seine Beteiligung zu . Er hatte mit Traudchen nie mehr gesprochen seit jenem Abend . Gesehen hatte er sie des öfteren , d.h. zweimal , wie er genau wußte . Zuerst in der Woche vor Weihnachten , als er abends durch die Theatinerstraße wandelte . Da drängten sich die Leute und bewunderten die festliche Pracht der Auslagen . Plötzlich sah er vor einem Laden eine stattliche Dame stehen , neben ihr ein schlankes Mädchen , dessen reiches Haar in einem schönen Knoten gebunden war . Und der Studiosus Mang verspürte ganz plötzlich Herzklopfen und blieb wie angewurzelt stehen , indem er seine Augen auf das Pelzbarett und den Haarknoten gerichtet hielt . Zufällig wandte die junge Dame den Kopf , und zufällig traf ihr Blick den langen Studenten . Er zog hastig den Hut , aber er war zu schüchtern , um sie genau anzusehen . Überdies stieg ihm das Blut heiß in den Kopf , und außerdem hatte er Ohrensausen . Das alles gab mit dem Herzklopfen bedenkliche Krankheitserscheinungen und trübte seine Beobachtungsgabe . So wußte er nicht , hatte sie ihm wirklich zugenickt , und hatte sie wirklich freundlich gelächelt , und war sie wirklich rot geworden ? Oder kam das von den bunten Glühlampen , welche hinter dem Auslagefenster brannten ? Sylvester dachte lange über diese Sache nach und kam zu keinem abschließenden Urteile . Die zweite Begegnung fand einige Wochen später statt . Den 3. Januar , nachmittags , auf dem Maximiliansplatze . Sylvester ging mit dem Sohne des Hannes Weiß aus Pirmasens . Er belehrte ihn , daß der Diktator Lucius Cornelius Sulla nicht , wie John White jun. angenomen hatte , den Cajus Julius Cäsar ermordete , und daß man einen solchen Verdacht schon deshalb nicht nähren könne , weil der Cornelius Sulla ungefähr vierunddreißig Jahre vor dem ruchlosen Morde gestorben war . In diesem Vortrage hielt Sylvester plötzlich inne , als zwei junge Mädchen mit fröhlichem Lachen um die Ecke bogen . Und er zog wieder hastig seinen Hut und wußte wieder nicht , ob Fräulein Traudchen Sporner seinen Gruß freundlich aufgenommen hatte . Diesmal aber erhielt er Gewißheit . Als er seine Rede etwas zerstreut wieder aufnahm und sich über die persönlichen Verhältnisse des Cornelius Sulla ausließ , sagte John White jun. : » Ich glaube , sie hat gewartet , daß Sie mit ihr sprechen . « » Wer ? « » Die junge Dame , welche Sie gegrüßt haben . Sie ist