Tieren und einigen Pflanzen darauf und rundum von Wasser umgeben , welches nicht einmal zum Waschen oder zur Bereitung einer Tasse Tee geeignet ist . Was ist das weiter ! Etwas Sehenswertes oder gar Erstaunliches gewiß nicht ! Was ist Point de Galle gegen Hull , Plymouth , Portsmouth , Southampton oder gar London ; was ist der Governor zu Colombo , obgleich sein Verwandter , gegen die Königin Viktoria von Altengland , Irland und Schottland ; was ist Ceylon gegen Großbritannien und seine Kolonien ; was ist überhaupt die ganze Welt gegen Raffley-Castle , wo Sir John geboren worden ist ? ! Der gute , ehrenwerte Sir John war ein Engländer im Superlativ . Besitzer eines unermeßlichen Vermögens , hatte er noch nie daran gedacht , sich zu verehelichen , und war einer jener zugeknöpften , schweigsamen Englishmen , welche alle Winkel der Erde durchstöbern , selbst die entferntesten Länder unsicher machen , die größten Gefahren und gewagtesten Abendteuer mit unendlichem Gleichmute bestehen und endlich müde und übersättigt die Heimat wieder aufsuchen , um als Mitglied irgend eines berühmten Reiseklubs einsilbige Bemerkungen über die gehabten Erlebnisse machen zu dürfen . Er hatte den Spleen in der Weise , daß seine lange , knochige Gestalt nur in seltenen Augenblicken einen kleinen Anflug von Genießbarkeit zeigte , besaß aber doch ein außerordentlich gutes Herz , welches stets bereit war , die großen und kleinen Seltsamkeiten , in denen er sich zu gefallen pflegte , wieder auszugleichen . Eine innere Erregung schien bei ihm gar nicht denkbar , und er zeigte nur dann eine lebhaftere Beweglichkeit , wenn er auf eine Gelegenheit stieß , eine Wette einzugehen . Die Wettsucht nämlich war seine einzige Leidenschaft , wenn bei ihm überhaupt von Leidenschaft die Rede sein konnte , und es wäre wirklich geradezu ein Wunder gewesen , hätte er eine solche Gelegenheit versäumt . Nachdem er aller Herren Länder kennen gelernt hatte , war er zuletzt nach Indien gekommen , dessen General-Gouverneur ebenso wie der Gouverneur von Ceylon ein Verwandter von ihm war , hatte es in den verschiedensten Richtungen durchstreift , war auch schon einige Male auf Ceylon gewesen und im Auftrage des General-Gouverneurs jetzt wieder hergekommen , um sich wichtiger Botschaften an den Statthalter zu entledigen . Wir hatten uns im Hotel Madras kennen gelernt und uns nach und nach geistig zusammengefunden , und obgleich er mich niemals auch nur zur kleinsten Wette vermocht hatte , war ich ihm doch so befreundet und lieb geworden , daß er trotz seiner sonstigen Unnahbarkeit eine wahrhaft brüderliche Zuneigung für mich an den Tag legte . Also jetzt lehnte er , völlig unberührt von den uns umgebenden Naturreizen , in denen ich sozusagen schwelgte , neben mir und beschielte den goldenen Klemmer , welcher ihm vorn auf der äußersten Nasenspitze saß , mit einer Beharrlichkeit , als wolle er an dem Sehinstrumente irgend eine welterschütternde Entdeckung machen . Neben ihm lehnte sein Regen-und Sonnenschirm , welcher so kunstvoll zusammengesetzt war , daß er ihn als Stock , Degen , Sessel , Tabakspfeife und Fernrohr benutzen konnte . Dieses Meisterstück war ihm von dem Travellerklub , Nearstreet , London , als Souvenir verehrt worden ; er trennte sich niemals , weder bei Tag noch bei Nacht , von demselben und hätte es um alle Schätze der Welt nicht von sich gegeben . Diese Chair-and-umbrella-pipe , wie er es nannte , war ihm beinahe ebenso lieb wie seine prachtvoll eingerichtete Dampfjacht , welche unten im Hafen vor Anker lag und die er sich für seinen persönlichen Gebrauch auf einer der Werfte von Greenock am Clyde , den in aller Welt berühmten Schiffsbauwerkstätten , hatte bauen lassen , weil er auch auf der See stets mit eigenen Füßen auf eigenem Grund und Boden stehen wollte . « - - So schrieb ich vor Jahren über ihn . Wir waren Freunde , ohne Freundschaft geschlossen zu haben ; wir hatten einander lieb , ohne von dieser Liebe zu sprechen ; wir waren gegenseitig zu jedem Opfer bereit , ohne aber das , was wir für einander taten , für ein Opfer zu halten . Das lag so in seiner wie auch in meiner Weise . Nach der letzten Trennung schrieben wir uns einige Male , und als dann ich keinen Brief mehr von ihm und er auch keinen mehr von mir bekam , fiel es Keinem von uns Beiden ein , zu denken , daß er vergessen worden sei , oder dieses Schweigen gar für eine negative Absage der Freundschaft zu halten . Die Treue ist etwas Geistiges , oder noch richtiger , etwas Seelisches , und wer sie nach der Zahl der Briefbogen mißt , der traut sich selber nicht . Wer meiner Freundschaft zumutet , ihm in ganz bestimmten Zeitintervallen eine ganz bestimmte Zahl von Zeilen zu schreiben , der zwingt das Heiligste ins Briefcouvert und kann nur wenig Freunde haben . Schreibselige Menschen begeben sich sehr leicht in die Gefahr , lästig zu werden , und nur der Backfischfreundschaft ist es erlaubt , von dem hohen Werte der Zeit noch nichts zu wissen . Nun hatte ich meinen John Raffley vorhin sofort an der Stimme erkannt , und jetzt wußte ich auch , wer der Andere war , nämlich sein Verwandter , welcher damals die Stelle des Governors von Ceylon bekleidet hatte . Wie kamen sie hierher ? Die » Coen « war das einzige Schiff , welches heute Passagiere abgegeben hatte , und ich wußte ja , daß sie mit dieser nicht gekommen waren . Zwar fiel mir da die » Yin « ein , und wie ich Raffley kannte , so war gerade ihm der Besitz einer solchen Jacht wohl zuzutrauen ; aber sie trug chinesisches Gewand , während er , wie ich mich sehr wohl erinnerte , nichts weniger als ein Bewunderer chinesischer Verhältnisse gewesen war . Da hörte ich eilige Schritte draußen von der Treppe her kommen , und eine sehr prestierte Stimme rief : » Wo denn , wo ?