hinaus war , schien seine Gestalt und sein Gesicht halb undeutlich zu werden und aus ihrem Bewußtsein zu schwinden . Sie vertiefte sich in ihr ärztliches Journal , immer von Furcht vor dem Gestörtwerden beklemmt ; als es draußen lebhaft wurde , stand sie auf und verriegelte ihre Tür . Aber dann , als sie sich wieder zu ihren Studien setzen wollte , kam ihr blitzartig ein anderer Einfall . Sie nahm einen Briefbogen und schrieb mit ihrer großen , eckigen Handschrift : » Lieber Georges ! Arbeite nicht gegen mich bei den Kindern ! « Den Bogen steckte sie hastig in ein großes Kuvert , schrieb darauf : » Herrn Dr. Georges Geyer « , dazu die volle Adresse und klebte eine Marke darauf . Dann legte sie das beiseite wie einen Sack , in den man seine Sorgen verpackt hat , und den man nun versenkt in die Tiefe . Wieder kamen die Bücher an die Reihe , aber nicht lange . Das Wartezimmer füllte sich , die Sprechstunde begann . - Josefine hatte Glück mit ihren Patientinnen : jede von ihr behandelte schickte ihr neue zu . Es gab Arbeit die Fülle . Am nächsten Tage brachte die Post einen Brief für Josefine , den sie mit gepreßten Lippen in Empfang nahm . Sie kannte die Handschrift . Der Brief war nicht viel länger als der ihre . Er lautete : » Liebe Séfine ! Auf deine Zuschrift in Lapidarstil habe ich nur eine Antwort : dein Wunsch ist mir Befehl . Gehorsamst Georges Geyer , Doktor der Medizin , approbierter Arzt außer Diensten . « Als die Frau diese Zeilen gelesen , glaubte sie ein Hohngelächter um sich zu hören . Sie verbrannte den Brief und verwünschte ihre Torheit , ihn herausgefordert zu haben . Dann betäubte sie sich durch Arbeit , bis sie von nichts mehr wußte , an nichts mehr dachte , als was der Tag und die Stunde von ihr als Ärztin forderten . Mitten in dieser Betäubtheit empfand sie zuweilen selbst eine Art Behagen , fast Schadenfreude . Da sitzt er und möchte mich ärgern und quälen , aber alles gleitet an mir ab . Ich bin sicher vor allem . Diese Tagesaufgabe ist wie ein Wall um mich herum . Es gab Böses genug außerdem . Laure Anaise folgte ihr eines Abends in ihr Zimmer , fiel ihr schluchzend um den Hals und bat , sie wegzuschicken . » Nein , nein ! aber was denkst du auch , « eiferte Josefine erschrocken , » sollen wir dich entbehren ? sollen die Kinder ganz verlassen sein ? « » Laß mich fort , Josy - mußt es mir nicht zu schwer machen , « weinte das Mädchen , » bleiben kann ich emal nimmer . « » Und warum nicht ? « Laure Anaise ließ den Kopf hängen . » Er hat nichts zu schaffen , und - und - « » Wen meinst du , Laure ? « stammelte Josefine erbleichend . » Laß mich fort ! « wiederholte das schöne Kind mit sprühenden Augen , » du bist blind , aber mir ist ' s verleidet , seit daß er im Hause ist . « Josefine ließ sie aus den Armen . » Ich weiß nicht , was du meinst , « sagte sie kühl , » wenn du gehen willst . Laure Anaise , wenn es dir verleidet ist , so geh . « Das Mädchen begann zu weinen . » Ich kann ja nicht dafür , Josefine , frage nur das Fräulein Leni und den Bernstein , die werden dir ' s schon sagen . « » Also - , « machte die Frau , » also - wann willst du fort ? « » Nun bist du noch taub12 worden , daß ich ' s Maul auftue ! « rief das Mädchen , » und recht hab ich doch ! « Josefine betrachtete sie schweigend . » Wohl ! wohl ! sie werden alle gehen ! Einer nach dem anderen ! Alle meine Freunde , alle die mir lieb sind ... « » Gott im Himmel weiß - « , fing Laure Anaise an . Unmutig seufzend wandte Josefine sich ab , winkte mit der Hand . » Geh , wenn du gehen willst . Was hab ich dir zu bieten ? « Das schöne Mädchen strich sich die schwarzen , krausen Haare aus den Augen . » Descht unrecht , Josy « , machte sie schluchzend , » weißt ' s , wie gern ich blieb . « Josefine warf wieder die Arme um sie . » Laure ! Laure ! Kind ! wie hab ich mich gefreut , als du zu mir kamst ! geh nicht von mir ! bleib , Laure , bleib bei mir ! « Laure weinte still , den Kopf auf Josys Schulter . » Du magst ihn nimmer , Josy , « flüsterte sie mit ihrer rauhen Stimme , » Jesis Gott , ich mag ihn auch nit , aber er plagt mich und streicht mir nach . « Wieder schob Josefine sie weg . » Du träumst , Kind - aber wenn du so widrige Dinge träumst , dann ist es besser , fortzugehen . Es ist das einzige . « Sie wollte das Mädchen küssen , und Laure Anaisens Mund kam ihr entgegen , aber plötzlich schüttelte sich Josy und küßte nicht . » Du warst mir sehr lieb . Ich bin dir ewig dankbar , « murmelte sie mit trockenen Lippen , kalt und tonlos . Und dann belebte sie sich und wurde freundlichfremd . » Nimm deine notwendigsten Sachen , Kind , und fahre noch heute zu deiner Mutter . Ich schreibe ihr , daß du Erholung brauchst . Dein Gepäck send ich nach . Für eine gute Stellung werd ich dir Sorge tragen . Ja , ja - so ist alles geordnet , nicht wahr ? Alles recht , gelt du ? « Laure