, wurde vor der Türe ein schwaches Knistern hörbar . Dies Knistern stammte von einem Kleide , und die dies Kleid trug , war Fanny Bojesen . Fanny Bojesen schlich über die sich krümmenden Dielen dahin , schreckte bei jedem Laut zusammen und legte ihr Ohr an die Türe des Gemachs , hinter dem sich der einsame Mann verschanzt hatte vor dem Leben und vor der Liebe . Sie wurde nicht müde , zu lauern und zu lauschen , und nicht einmal ein Seufzen von drinnen belohnte ihre Qual . Oft nach solch fruchtlosem Spionieren setzte sie sich in ihrem Zimmer an den Tisch und schrieb , schrieb , schrieb ... die lange , klagende Epistel des unglücklichen Weibes , und am folgenden Morgen verbrannte sie was sie geschrieben . Wenn Bojesen ausging , versteckte sie sich ; wenn er kam , versteckte sie sich ; aber nie war ihr Gehör seiner und wachsamer gewesen für jedes Berausch , das auf sein Kommen oder Gehen deutete ; wenn sie sich zufällig begegneten , wußte sie ihr Gesicht von Gleichgültigkeit förmlich strotzen zu lassen , und war sie dann allein , so weinte sie stundenlang . Als später das Dienstmädchen abgeschafft wurde , war es an ihr , ihm die nicht allzu reichlichen Mahlzeiten zu servieren . Keine Regung ihres Innern war dann auf ihrem Antlitz zu gewahren , kein Erblassen , kein Zittern ihrer Hand zu sehen . Trotzdem schluckte Bojesen in dieser Zeit manche Träne ahnungslos mit hinunter , die ohne sein Wissen die Speisen gewürzt hatte . Er ergab sich jetzt den stillen Studien , die an der Grenze der Wissenschaft liegen und den Ausblick gestatten auf ein unermeßliches Reich von Hypothesen , auf die schrankenlose Nutznießung phantastischer Probleme . Es schien ihm oft , als ob sein Verstand dabei in die Brüche gehen müsse , aber dies gefährliche Tappen im Reich unumstößlicher Gesetze entzog ihn der Welt und seinen eigenen Sorgen , und wenn er spät , spät in der Nacht in irgend einer ungeheuerlichen Formel den Boden neuer Entdeckungen zu sehen glaubte , konnte er in eine erhitzte Wonne geraten , wie ein Wirt über das Bier , das er selbst gebraut und konnte vergessen , wie nahe ihm die Forderung praktischer und lohnender Arbeit gerückt sei . Eines Tages , der Schnee war im Schmelzen und laue Winde kamen , fühlte er sich gänzlich abgespannt , fühlte er sich alt . Es war ein wunderlich wissender Zustand , durch den er über sich selbst hinausspähen konnte und zugleich das Gefühl von Wichtigkeit verlor , das die Quelle nützlicher Leistungen ist . Da wurde ein Brief in sein Zimmer geworfelt , der den Poststempel Paris trug und so lautete : » Eines Wortes bist du noch wert . Ich erfülle deine Bitte : hier hast du ein Lebenszeichen . Ich kann es dir mit Recht senden , denn ich lebe hier . Hier hört man das Herz der Menschheit schlagen . Hier bin ich , die ich stets gewesen bin , nur unentdeckt gewesen bin , hier trinkst du dich wahnsinnig am immergefüllten Becher . Tausende purzeln , Hunderte steigen , Tausende jubeln und sterben zugleich . Aber es ist vielleicht nicht das Echte ; nicht Nektar , sondern Haschich . Nichts für deinesgleichen ! Nichts für gute Charaktere , für euch Perlen am alternden Hals Europas . Ich komme vielleicht zurück , weil es mich reizt , euch dort ein wenig toll zu machen . Ich habe erst hier von einem König gehört , der bei euch leben soll , - ein Heliogabal , jammervoll mißkannt , ein Sohn der Sonne . Und nun leb wohl , Erich , löse dich aus dem Niedrigen , das dich umfängt und denke ohne Groll an deine Jeanette . « Bojesen warf den Brief in eine Ecke , hob ihn jedoch wieder auf , legte ihn mit feierlichen Gebärden zusammen und zerriß ihn dann in lauter kleine Stückchen . In diesem Augenblick kam ihm alles , was er trieb , so erbärmlich vor , und alles , was er wußte , so oberflächlich , daß er in einer schmerzlichen Apathie die Augen schloß . Dann nahm er eine Feder zur Hand und schrieb auf das nächste Stück Papier : Wissenschaft . Es war ein Mann , ich weiß nicht , wie er hieß , Den das Geschick im tiefen Schoß der Erde Vor langer Zeit zum Leben kommen ließ , Und Finsternis war Mutter , die ihn nährte . Doch er vermochte nicht zu reimen ; auch fühlte er , daß sein Gedanke dabei die Klarheit verlor . Deshalb fuhr er in Prosa fort : Schweigen erfüllte sein Leben und nichts störte die Ruhe um ihn her , als ein beständiges dumpfes Summen und Dröhnen über ihm . Der Unterirdische setzte jedoch alle Geisteskräfte daran , den Grund des ewigen , drohenden , geheimnisvollen Dröhnens zu erforschen . Er glaubte nicht an ein Wunder ; er teilte auch den Glauben von dem göttlichen Ursprung des Dröhnens nicht , wie er in überlieferten Dokumenten las , sondern forschte , erfand Meßapparate und andere Instrumente , stellte Gesetze und Regeln auf , berechnete die Stärke des Dröhnens und die Zeit , die verging , bis der Schall an sein Ohr kam und viele andere Dinge mehr , die ihn zu gigantischen Spekulationen führten . Und nach langer , langer Zeit begann er zu graben , emporzugraben , und je mehr er grub , je vernehmlicher wurde das Dröhnen , bis endlich die letzte Schicht Erde fiel und der Sohn der Finsternis geblendet in die Höhe starrte , - ins Licht ! Da kehrte er zurück in seinen unterirdischen Wohnsitz und war beglückt , als er sah , daß das Licht die Ursache des Dröhnens war . Doch wie andere Dinge hatte er sehen können , wenn er noch hundert Meter höher gekrochen wäre ! Wie hatte das Surren und Brausen von tausend irdischen Dampfmaschinen sein einsamkeitgewöhntes Ohr betäubt ! Wie