bis an den Horizont sich ausdehnenden Stück Bruchland , über das mehrere mit Kropfweiden und Silberpappeln besetzte Wege strahlenförmig auf Rheinsberg zuliefen . Alle diese Wege waren belebt , meist mit Fußgängern , aber auch mit Fuhrwerken . Eins davon , aus gelblichem Holz , das hell in der Sonne blinkte , war leicht zu erkennen . » Da fährt ja Katzler « , sagte Dubslav . » Überrascht mich beinah . Es ist nämlich , was Sie vielleicht noch nicht wissen werden , wieder was einpassiert ; er schickte mir heute früh einen Boten mit der Nachricht davon , und daraus schloß ich , er würde nicht zur Wahl kommen . Aber Ermyntrud mit ihrer grandiosen Pflichtvorstellung wird ihn wohl wieder fortgeschickt haben . « » Ist es wieder ein Mädchen ? « fragte Lorenzen . » Natürlich , und zwar das siebente . Bei sieben ( freilich müssen es Jungens sein ) darf man , glaub ich , den Kaiser zu Gevatter laden . Übrigens sind mehrere bereits tot , und alles in allem ist es wohl möglich , daß sich Ermyntrud über das beständige bloß Mädchen allerlei Sorgen und Gedanken macht . « Lorenzen nickte . » Kann mir ' s denken , daß die Prinzessin etwas wie eine zu leistende Sühne darin sieht , Sühne wegen des von ihr getanen Schrittes . Alles an ihr ist ein wenig überspannt . Und doch ist es eine sehr liebenswürdige Dame . « » Wovon niemand überzeugter ist als ich « , sagte Dubslav . » Freilich bin ich bestochen , denn sie sagt mir immer das Schmeichelhafteste . Sie plaudre so gern mit mir , was auch am Ende wohl zutrifft . Und dabei wird sie dann jedesmal ganz ausgelassen , trotzdem sie eigentlich hochgradig sentimental ist . Sentimental , was nicht überraschen darf ; denn aus Sentimentalität ist doch schließlich die ganze Katzlerei hervorgegangen . Bin übrigens ernstlich in Sorge , wo Hoheit den richtigen Taufnamen für das Jüngstgeborene hernehmen wird . In diesem Stücke , vielleicht dem einzigen , ist sie nämlich noch ganz und gar Prinzessin geblieben . Und Sie , lieber Lorenzen , werden dabei sicherlich mit zu Rate gezogen werden . « » Was ich mir nicht schwierig denken kann . « » Sagen Sie das nicht . Es gibt in diesem Falle viel weniger Brauchbares , als Sie sich vorzustellen scheinen . Prinzessinnennamen an und für sich , ohne weitere Zutat , ja , die gibt es genug . Aber damit ist Ermyntrud nicht zufrieden ; sie verlangt ihrer Natur nach zu dem Dynastisch-Genealogischen auch noch etwas poetisch Märchenhaftes . Und das kompliziert die Sache ganz erheblich . Sie können das sehen , wenn Sie die Katzlersche Kinderstube durchmustern oder sich die Namen der bisher Getauften ins Gedächtnis zurückrufen . Die Katzlersche Kronprinzeß heißt natürlich auch Ermyntrud . Und dann kommen ebenso selbstverständlich Dagmar und Thyra . Und danach begegnen wir einer Inez und einer Maud und zuletzt einer Arabella . Aber bei Arabella können Sie schon deutlich eine gewisse Verlegenheit wahrnehmen . Ich würde ihr , wenn sie sich wegen des Jüngstgeborenen an mich wendete , was Altjüdisches vorschlagen ; das ist schließlich immer das Beste . Was meinen Sie zu Rebekka ? « Lorenzen kam nicht mehr dazu , Dubslav diese Frage zu beantworten , denn eben jetzt waren sie durch das Stück Bruchland hindurch und rasselten bereits über einen ein weiteres Gespräch unmöglich machenden Steindamm weg , scharf auf Rheinsberg zu . Dubslav war in ausgezeichneter Laune . Das prachtvolle Herbstwetter , dazu das bunte Leben , alles hatte seine Stimmung gehoben , am meisten aber , daß er unterwegs und beim Passieren der Hauptstraße bereits Gelegenheit gehabt hatte , verschiedene gute Freunde zu begrüßen . Von der Kirche her schlug es zehn , als er vor dem als Wahllokal etablierten Gasthause » Zum Prinzregenten « hielt , in dessen Front denn auch bereits etliche mehr oder weniger verwogen aussehende Wahlmänner standen , alle bemüht , ihre Zettel an mutmaßliche Parteigenossen auszuteilen . Drinnen im Saal war der Wahlakt schon im Gange . Hinter der Urne präsidierte der alte Herr von Zühlen , ein guter Siebziger , der die groteskesten Feudalansichten mit ebenso grotesker Bonhomie zu verbinden wußte , was ihm , auch bei seinen politischen Gegnern , eine große Beliebtheit sicherte . Neben ihm , links und rechts , saßen Herr von Storbeck und Herr van dem Peerenboom , letzterer ein Holländer aus der Gegend von Delft , der vor wenig Jahren erst ein großes Gut im Ruppiner Kreise gekauft und sich seitdem zum Preußen und , was noch mehr sagen wollte , zum » Grafschaftler « herangebildet hatte . Man sah ihn aus allen möglichen Gründen - auch schon um seines » van « willen - nicht ganz für voll an , ließ aber nichts davon merken , weil er der bei den meisten Grafschaftlern stark ins Gewicht fallenden Haupteigenschaft eines vor soundso viel Jahren in Batavia geborenen holländisch-javanischen Kaffeehändlers nicht entbehrte . Seines Nachbarn von Storbeck Lebensgeschichte war durchschnittsmäßiger . Unter denen , die sonst noch am Komiteetisch saßen , befand sich auch Katzler , den Ermyntrud ( wie Dubslav ganz richtig vermutet ) mit der Bemerkung , » daß im modernen bürgerlichen Staate Wählen so gut wie Kämpfen sei « , von ihrem Wochenbette fortgeschickt hatte . » Das Kind wird inzwischen mein Engel sein , und das Gefühl erfüllter Pflicht soll mich bei Kraft erhalten . « Auch Gundermann , der immer mit dabeisein mußte , saß am Komiteetisch . Sein Benehmen hatte was Aufgeregtes , weil er - wie Lorenzen bereits angedeutet - wirklich im geheimen gegen Dubslav intrigiert hatte . Daß er selber unterliegen würde , war klar und beschäftigte ihn kaum noch , aber ihn erfüllte die Sorge , daß sein voraufgegangenes doppeltes Spiel vielleicht an den Tag kommen könne . Dubslav wollte die Sache gern hinter sich haben . Er trat deshalb , nachdem er sich draußen mit einigen Bekannten