mehr so lieb « , und sie küßte die teure Hand ihrer einen und einzigen mit heißen , bebenden Lippen . Jeder Nerv an ihr zuckte ; sie hielt es nicht aus , nahm Erich , der , stumm und bestürzt , kaum zu atmen wagte , und trug ihn fort . Helmi war niedergekniet : » Maria , Vielgeliebte « , flehte sie leise , » geh nicht unversöhnt aus dem Leben , erfülle deine Christenpflicht ... Bereite dich vor , an das Herz des Allgütigen zu sinken . « » Des - Allgütigen ? « » An den du glaubst - - « » An den ich glaube ? ... « sehnsüchtig hauchte sie es nach . - » Alles verloren , Helmi - den Glauben an die Vorsehung ... den Glauben selbst an meinen freien Willen ... Und doch nur einen Wunsch ... « Ihre letzte Kraft erschöpfte sich in den Worten : » Oh , hätte ich nie ein Unrecht getan ! « Das an Wolfsberg abgesandte Telegramm wurde ihm nach dem Gute Gräfin Dolphs , wo er sich zu kurzem Besuche eingefunden hatte , nachgeschickt . Dort traf es ihn am späten Abend . Er reiste sofort ab . Ein Schnellzug brachte ihn auf die erste Station der Lokalbahn , die ihn weiterbefördern sollte . Da begann die Qual des Wartens von einem Bettelzug zum andern , des Einherhumpelns hinter einer kriechenden Lokomotive . - Wolfsberg kam in Versuchung , hinauszuspringen und nebenherzulaufen , um wenigstens das Gefühl zu haben : Es geht vorwärts ! ... Dann wieder griff es ihm wie mit eisernen Klammern in die Brust : Warum so eilig ? Wonach hastest du ? - Er hatte die Gewißheit , daß ihn ein Leid erwartete , dem er nicht gewachsen war . Gefoltert von Angst und Ungeduld , kam er mittelst einer elenden Fahrgelegenheit auf der letzten Post vor Wolfsberg an . Dort konnte ihm nur noch ein abgejagter Reitgaul zur Verfügung gestellt werden . Auf den schwang er sich , trieb ihn wütend an und ließ an dem unglücklichen Tier seine zornige Verzweiflung aus . Es dunkelte , als er im Dorf ankam . Das einförmige Gebimmel des Totenglöckleins schallte ihm entgegen . Leute standen in Gruppen beisammen , ein ganzer Zug wandelte über den Feldweg dem Schlosse zu ... Noch ein Stockhieb auf die Flanke des erschöpften , keuchenden Pferdes ; es griff aus , fiel , sprang auf und brach im nächsten Augenblick völlig nieder . Der Reiter machte sich los aus den Bügeln . Ein stechender Schmerz am Fuße hemmte seine Schritte , er schleppte sich dem Zuge nach . Vier Lichter schwankten an dessen Spitze , und weißliche Rauch-wölkchen umqualmten sie . Wolfsberg verbiß seinen Schmerz , strebte weiter mit grimmigem Bemühen und rief : » Halt ! halt ! Komm einer und helfe mir ! « Seine Stimme blieb ungehört von den ihre Kirchengebete murmelnden Wallern . Am Gartentor waren die Lampen entzündet worden . Der Geistliche im Ornat , Kirchendiener und Chorknaben mit Laternen und Weihrauchfässern schritten vorüber in den Hof . » Wartet ! Helft mir ! « röchelte Wolfsberg todesbang . Dieses Mal wurde er gehört . Der Zug hielt , die Leute sahen sich um ; sie konnten lange nichts unterscheiden in der Dunkelheit , bis plötzlich ein Bursche sprach : » Es is der Graf , dort beim Feldstein steht er , dem is was gschehn . « Einer flüsterte es dem andern zu - doch mehr tat keiner . Endlich erbarmte sich ein alter , krüppelhafter Mensch , ging hin und stützte und führte ihn . Beinahe zugleich mit dem Priester trat Wolfsberg in das Sterbezimmer . Die Zimmer waren weit geöffnet . Am Himmel schwebte eine finstere Wolke ; sie glich einem riesigen Vogel mit weit ausgespreizten Flügeln . Der von ihr verhüllte Mond warf eine Fülle silbernen Lichtes über eine Stelle am Horizont . Auf dieser ruhten Marias schon gebrochene Augen . Dort , wo es hell war , wo der verklärende Schimmer sich breitete - lag Dornach .