? - ich weiß nicht mehr genau - « » Hier ist meine Karte - meine Wohnung steht dabei - bitte ! . « » Danke verbindlichst - ! « Die Herren verneigten sich und gingen auseinander . » Verzeih , mein Lieb - eine kleine , humoristische Scene ! Hat natürlich weiter nichts auf sich ... « Hedwig war durch die Spannung , mit welcher sie trotz alledem unwillkürlich den Vorgang beobachtet , der sich soeben zwischen Adam und dem fremden Herrn abgespielt - und durch den mit nervöser Hastigkeit genossenen Wein bedeutend aufgelockert . Das Paradoxe , Bizarre ihrer Lage war ihr erst eigentlich jetzt zum Bewußtsein gekommen . Und fast reizte sie schon das Abenteuerliche daran und dünkte sie ausnehmend pikant . Sie gewann dem , was so neu , so außerordentlich war , schon Geschmack ab . Es fiel zu sehr aus dem Zusammenhange ihres bisherigen Lebens heraus . Und zugleich wuchs in ihr das Bewußtsein der inneren Fülle ... der Fülle von Erlebnissen , die ihr in wenigen , zusammengedrängten Stunden zugeflossen waren . Ihr Leben stand an einem Wendepunkte ... ... war vielleicht nur durch die frivole Laune eines Vabanque-Spielers dahingeführt worden - aber sie liebte nun einmal diesen Vabanque-Spieler , sie hatte sich ihm ergeben und sie mußte ihm weiterfolgen . Gleichgültig , wohin . Große Stunden schieben enge Sphären auseinander und verrücken die Maßstäbe . Ein schnaubendes Wühlen und Bohren in der Enge ists und zugleich eine weltenzusammenraffende Gipfelschau . Fast war Hedwig auf ihre Zukunft neugierig , naiv neugierig . Das Bild ihres verlassenen Vaters trat zurück und verblaßte jählings in die Vergangenheit hinein . Sie freute sich darüber und gedachte seiner wie eines Todten , dessen man sich nicht mehr deutlich zu erinnern vermag ... und auch nicht mehr deutlich zu erinnern die Pflicht hat ... » Ihr werdet Euch doch nicht - ? - - « » Gott ! wir kitzeln uns vielleicht ' n Bissel ! Solche kleinen Scherze , wie mein verflossener Busenfreund , Herr Kakatus Maximilian Ritter von Stämpellstrunk , zu sagen flegte , das Stereotypen-Männchen , wie wir den Knaben seiner festgefror ' nen Redensarten wegen immer nannten - solche kleinen Scherze also erhalten die Gesundheit und befördern die Verdauung . Es ist übrigens ziemlich tiefsinnig , sich wegen einer ... einer femme pour tous eine Rippe zu zerbrechen respektive sich eine zerbrechen zu lassen ... « » Also der Dame ... Deiner ... Deiner Emmy wegen , Adam - ? « » Die Damen , mein Lieb , für die oder deren wegen sich Helden , wie wir , schlagen - diese Damen - - nun ! glaubst Du etwa , Hedwig , daß ich für Dich eintreten würde - das heißt - ich meine - - « » Wenn mich nun Jemand beleidigte - ? « » Ich würde den Kerl niederschlagn - aber wahrhaftig nicht auf den Unsinn des patentirten Mords ' reinfallen ! Bei Damen dagegen à la Emmy , die Alles darauf ankommen lassen , läßt man eben auch Alles darauf ankommen - genau so zweideutig , wie der Charakter dieser Frauenzimmer ist das Duell - genau so ! - ein Capitel aus den Demimondiana des Lebens , mein Lieb - weiter nichts ! Dort Alternativen - hier auch ! Aber nun laß uns gehen ! Die theure Donna Melitta wartet schon . Trink ' aus , bitte ! Sieh , wie hell es schon geworden ist ! Wir gehen der Frühe entgegen , dem Morgen - der Sonne ! Wenn sich nur der Staub der Nacht nicht so in meine Poren eingefressen hätte ! Komm ! Und nun wollen wir allen Unrath aus der Seele spülen ... und weiter nichts sein , als zwei harmlose Wesen , die sich zu Tode wundern möchten , daß sie hier auf dem dummen , hökrigen Erdrücken Stehauf ! und Duckdichnieder ! spielen müssen ... die baß erstaunt sind , daß sie nicht gelegentlich herunterrutschen von dem Kugelwürmchen - und die manchmal , wie zum Beispiel jetzt , mit dem ganzen Hokuspokus doch von Herzen einverstanden sind ! Nicht wahr ? mein Lieb - das Leben ist doch schön ! doch ! doch ! doch ! - Allerdings ! dieses doch ! ist sehr verdächtig - ! « Adam hatte an Fräulein Melitta den Wein bezahlt und war nun Hedwig beim Anziehen des Jaquets behülflich . Herr von Bodenburg und Emmy gingen in diesem Augenblicke vorüber . Emmy warf einen kurzen , vorwurfsvollen Seitenblick auf Adam , der , hinter Hedwig stehend , nickte ihr zärtlich-ironisch zu . Er wußte ja : Herr von Bodenburg war nur ein » Interims-Verhältniß « . Die Luft hatte sich kaum abgekühlt . Der Morgen war dick und schwer , der Himmel mit aufgebauscht massigen , gelbgrauen Wolkenlagern überzogen . Der Tag schien recht mürrisch und einsilbig werden zu wollen . Es war kaum Stimmung in diesem Wetter . Das junge , wachsende Licht drückte sich nur in breiten , verschwommenen Massen auseinander . Oefter kam ein warmer Wind angeblasen und furchte die Pfützen , die auf den Fahrdämmen standen . Er klopfte sanft auf die Büsche und Bäume und schüttelte einen kleinen , kitzelnden Regen hängen- und sitzengebliebener Tropfen herunter . Adam fühlte sich doch etwas übernächtigt . Eine große Spannung wohnte kaum noch in seiner Seele . Er mußte öfter gähnen , so Vieles war ihm sehr gleichgültig , er sehnte sich nach einigen Stunden tiefen Schlafes . Er wäre jetzt so gern allein gewesen . Wenn sich noch die Sonne gemeldet hätte ! Oft schon war er in seinem Leben heimgegangen , wenn sie in der Frühe gekommen war . Dann waren ihm ihre ersten Scheinversuche immer so lieb gewesen , so anheimelnd . Junges , erstes Licht hat so etwas putzig Stolperndes , naiv Drauflosgehendes , es ist noch so viel Reinheit und Schmelz und Kritiklosigkeit in ihm . Und wenn sich das junge , erste Licht mit seinen blitzenden Silbergliedern gegen die