' s zu spät . « Doch weiter und weiter ging sein Ehrgeiz . - Und als wollte der Himmel selbst das Weihfest geben , ließ er in diesem Jahr , dem siebenten seit der Mutter Tod , die Halme in solcher Fülle gedeihn und spendete so verschwenderisch Regen und Sonne , jedes zu seiner Zeit , daß es den Leuten schier unheimlich wurde vor all dem Segen und sie einander angstvoll fragten : » Kann das zum Guten sein ? « » Es wird wohl noch was dazwischenkommen , ein Hagelschlag oder dergleichen , « sagte Paul , der stets auf das Schlimmste gefaßt war . Aber nein ! Hochgetürmt schwankte ein Erntewagen nach dem andern in die Scheuern , und der goldgelbe Ährensegen sank , Körner um sich streuend , in dem Fachwerk nieder , bis alles vollgepfropft war bis zum First hinauf . Paul hatte auch hieran keine Freude . - Je reichlicher er Hab ' und Gut sich häufen sah , je stolzer die Früchte von seiner Hände Arbeit ihm entgegengrüßten , desto ängstlicher wurde sein Sorgen . Wer ihn mit tiefgefurchter Stirn und gesenktem Haupt langsam über den Hof herwandeln sah , der hätte ihn für einen Schuldenmacher halten mögen , dem das Messer schon an der Kehle sitzt . Um dieselbe Zeit las er in der Zeitung , daß Elsbeth sich verlobt habe . Die Namen Elsbeth Douglas und Leo Heller standen in schöngeschweiften Lettern dicht untereinander . Er fühlte keinen stechenden Schmerz , er erschrak nicht einmal , nur ein Lächeln voll wehmütiger Genugtuung umspielte seinen Mund , als er vor sich hinmurmelte : » Ich hab ' s ja gleich gesagt . « Und dann erinnerte er sich des Schriftstücks , das der jüngere Erdmann einst in der Kirche herumgeschickt hatte , um ihn zu ärgern , und das ganz ähnlich gelautet , nur daß sein eigener Name an Stelle des fremden gestanden hatte . Und das war immerhin ein Unterschied . Er hatte sie nun seit Jahren nicht gesehen . So dicht ihre Grundstücke nebeneinander lagen , es gab kein Begegnen zwischen ihnen . Das » weiße Haus « leuchtete noch ebenso hell über die Heide in sein Fenster hinein wie damals , als die Sehnsucht , zu ihm zu pilgern , in seiner Kinderseele erwachte , aber der magische Schimmer , der es damals , der es noch fünfzehn Jahre später umfloß , war verschwunden , verlöscht vor den sinkenden Schatten der Alltäglichkeit . » Mag sie glücklich werden ! « sagte er und glaubte sich mit diesem Wunsche genugsam getröstet . - Am nächsten Sonntag wurde in der Kirche das Erntefest gefeiert . Paul saß in seinem Winkel , hörte die Orgel rauschen und den Pfarrer Lob und Dank zum Himmel rufen . Die Sonne leuchtete in tausend frohen Farben durch die gemalten Scheiben - just wie an seinem und Elsbeths Einsegnungstage , - aber auch düster und traurig in ihren aschfarbenen Gewändern stand noch immer die graue Frau und starrte aus großen , hohlen Augen auf ihn nieder . - - - » Auch ich feire heute ein Erntefest , das Erntefest meiner Jugend , « dachte er , » aber allzu freudig ist es nicht . « ... Der Gottesdienst ging zu Ende . Mit einem Triumphgesang entließ die Orgel die frohbewegten Beter , die sich auf dem eichenbeschatteten Vorplatz zusammendrängten , um einander glückwünschend die Hände zu reichen . Als Paul die Stufen hinabschritt , erblickte er etwa fünf Schritte vor sich Elsbeth am Arm ihres Verlobten . Sie schien gealtert und sah blaß und kränklich aus . - Als ihr Blick den seinen traf , wurde sie noch um einen Schatten blässer . Er zitterte am ganzen Leib , doch sein Auge wich nicht von ihrem Angesicht . Befangen griff er nach der Mütze , und an derselben Stelle , wo sie vor fünfzehn Jahren das erste Wort miteinander gesprochen , gingen die beiden schweigend und fremd aneinander vorüber . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 20 » Was mag der Vater da haben ? « sagte Frau Käthe Erdmann zu Frau Grete Erdmann , die beide des Wegs dahergefahren kamen , um die Heimat zu besuchen und bei dieser Gelegenheit dem Bruder das Herz auszuschütten . Der Alte stand geduckt in einem Winkel hinter der Scheune und machte sich in den Strohhaufen zu schaffen , die dort aufgeschichtet lagen . Als er den Wagen rasseln hörte , hielt er erschrocken inne und rieb sich die Hände wie einer , der sich Mühe gibt , unbefangen zu erscheinen . Die beiden Schwestern sahen sich an , und Grete meinte : » Man müßte Paul einen Wink zukommen lassen . « Oh , sie waren sehr vernünftig geworden , die beiden Wildlinge , innen nicht minder als außen ; ihre wirren , braunen Locken drückten sich glatt gekämmt an den Ohren vorbei , und die glühenden Augen trugen einen müden Schimmer , als wüßten sie nun , wie ' s tut , wenn man in stiller Kammer sich satt weint . Frau Käthe hatte freilich auch drei stramme Jungen , bei Frau Grete zeigten sich gar schon Hoffnungen auf etwas viertes , und jeder weiß : Mutterschaft macht müde ! Paul arbeitete draußen im Moor , aber der Vater kam mit verschmitztem Lachen daher , und seine Krücke schwenkend , rief er : » Lauf ' ich nicht wieder wie ' n Junger ? « Frau Käthe sprach ihre Bewunderung aus , und Frau Grete stimmte ihr bei . » Es geht wie geschmiert , « lachte er , » vorgestern hab ' ich sogar einen Spaziergang nach Helenental gemacht . « Erstaunt , fast erschrocken sahen sie ihn an , denn er war seit seinem Auszuge nicht mehr dort gewesen . » Wie hat man dich empfangen ? « fragte Frau Grete .