Freund , dem er das zu verstehen gab und der schon hatte sagen wollen : Bist ein Narr , ich denk nicht an sie , sie ist mir gleich wie was , verschluckte diese Antwort ; denn - er wollte nicht lügen . Gleichgültig war sie ihm nicht , sie hatte es doch auch ihm angetan . Nicht wie dem Arnost ; von einem blinden Verliebtsein war bei ihm keine Rede , aber warm machte ihm ihre Nähe , und überaus gut gefiel sie ihm , und überaus lieb wäre es ihm gewesen , wenn er den Zweifel hätte loswerden können , der sich in ihrer Gegenwart immer wieder meldete und eine gewisse bange , unbestimmte Erwartung : Jetzt und jetzt wird sie etwas tun , das mir ans Herz greifen und mir die Freude an ihr verderben wird . Ein anderes Bedenken , das ihn früher schwer gepeinigt hatte , war er ganz losgeworden , das : Wird mich denn eine Ordentliche nehmen ? Wird eine Ordentliche unter einem Dach mit meiner Mutter leben wollen ? Nun , die Slava war eine Ordentliche und ließ ihn merken , daß sie ihn nehmen würde , obwohl sie recht gut wußte , daß die Mutter heute oder morgen heimkehren und Aufnahme finden werde bei ihrem Sohn . Sie fragte ab und zu nach ihr und sprach einmal : » Eine Mutter bleibt halt doch immer eine Mutter ; sie soll sein , wie sie will , wenn man nur eine hat . Ich hab keine . « Pavel begrüßte sie nun stets sehr artig , machte nie mehr schreckliche Augen » auf sie « , verhielt sich aber , was auch in seinem Innern drängte und gärte , äußerst zurückhaltend gegen die Kleine , während Arnost vor ihr in Weichheit zerschmolz oder in Flammen aufloderte . Der verliebte Bursche war immer genau unterrichtet von jedem ihrer Schritte , und immer traf sich ' s , daß er an den Tagen , an denen sie einen Botengang ins Forsthaus unternahm , zufällig just nichts zu tun hatte und sich Pavel zur Verfügung stellen konnte , um ihm bei seiner Arbeit behilflich zu sein . Kam die Erwartete dann , so fand sie die zwei an den Zaun gelehnt und ihrer harrend . Wer es in größerer Sehnsucht tat , ob der Ernste , Verschlossene , ob der andere , sie selbst wußte es nicht . Sie benahm sich mit beiden gleich herzlich , gleich kameradschaftlich , sprach aber mehr mit Arnost , weil sich der viel besser aufs Scherzen und Spaßen verstand . Nach Weihnachten brachte Slava einmal eine Kunde aus dem Schlosse , durch welche alle eingeschlummerten Sorgen Pavels über seine Schwester wieder wachgerüttelt wurden . Milada war krank gewesen , die Frau Baronin hatte neuerdings einen Besuch im Kloster gemacht und war von neuem getröstet heimgekehrt . Es ging besser , versicherte sie , es ging gut . Dennoch hatte sie sich von » ihrem Kinde « nicht leicht getrennt , gedachte bald zu ihm zurückzukehren und dann mehrere Wochen , als Gast der Frau Oberin , im Kloster zu verweilen . Vorher aber ließ sie Pavel sagen - wolle sie ihn noch sprechen . Er beeilte sich , von der Erlaubnis Gebrauch zu machen , fand die alte Dame gebeugt und unruhig und , je mehr sie das war , desto bemühter , sich selbst Frieden zu erringen und den der anderen nicht zu stören . Die Frau Baronin gab Pavel das Versprechen , ihm unmittelbar nach ihrem Eintreffen in der Stadt eine Zusammenkunft mit Milada zu erwirken , und nahm dafür sein Wort in Empfang , daß er sich um eine solche nicht auf eigene Hand bemühen werde . Er schrieb an Milada , erhielt einige schöne , tröstliche Zeilen , wartete auf die Abreise der Frau Baronin , und als diese erfolgte , auf die Berufung zu seiner Schwester . Sein Herz war schwer und wurde nur etwas leichter , wenn es Pavel gegönnt war , sich an dem Anblick des holden Mädchens zu laben , das Arnost und er nicht mehr anders als die » Goldamsel « nannten . Die Zeit kam , in welcher er es töricht zu finden begann , sich länger gegen die in ihm aufkeimende Neigung zur Wehr zu setzen . Daß Slava eine besondere Liebe für ihn hege , bildete er sich nicht ein ; aber er zweifelte auch nicht , daß sie , wenn Arnost und er um sie freiten , ihm den Vorzug geben und , einmal verheiratet , ein braves Weib sein werde , wie sie ein braves Mädchen gewesen war . Aus Rücksicht für den Freund auf sie zu verzichten , der Gedanke war ihm im Anfang allerdings manchmal durch den Sinn geflogen ; aber diese Regungen der Großmut hatten sich in dem Maße vermindert , als sein Wohlgefallen an dem munteren Ding wuchs und wuchs . Gegen Arnost war er so aufrichtig wie dieser gegen ihn . » Wie lieb du sie hast , ich hab sie lieber « , sagte Arnost . » Was nützt das , wenn sie mich nimmt « , sagte Pavel . » Und ich werd sie nächstens fragen , ich will auch einmal glücklich sein . « Arnost erwiderte : » Frag sie . « - Sein Entschluß war gefaßt . Am Tage , an dem Pavel das Jawort Slavas erhielt , wollte er die Hütte , in welcher er seit dem Tode seiner Mutter allein hauste , verkaufen und Soldat werden . Es ist kein schlechtes Leben beim Militär , besonders für einen , der es wie Arnost schon nach zweimonatlicher Dienstzeit zu einer Charge gebracht hat . Eines nebligen Januarvormittags kam er in höchster Aufregung zu Pavel und teilte ihm mit , heute mache die Kleine ihren letzten Besuch beim Oberförster , er sei gesund , die Sendungen aus dem Schlosse hörten auf . Arnost stand der Angstschweiß auf der Stirn , in seiner Brust ging es zu