erwirtschaft er doch mehr , als wie er dir stehlen kann , nur wann er nix versteht , is ' s gfehlt , dann geht er mit der vollen Taschen , und dir bleibt a Loch in der dein ' n. « Der junge Bauer mochte , wie oft er wollte , in den saueren Apfel beißen , er trug nichts davon als stumpfe Zähne ; er begann ernstlich zu sorgen , Schadens wegen - daß er es für den Spott der Umgegend nicht brauche , das wußte er ; in seiner Not vertraute er sich der Bäuerin an , diese machte zwar große Augen und schüttelte bedenklich den Kopf , aber sie war sofort entschlossen , die Sache in die Hand zu nehmen , um den Alten umzustimmen ; seit der dahintergekommen , daß sie um den Streich , den man ihm mit der Wette gespielt , nicht vorher gewußt habe , war sie ihm als Schwiegertochter viel leidlicher geworden . Sali lief von der Stelle zu ihm und sprach auf ihn ein , sie klagte die Verlegenheiten ihres Mannes , und da müsse sie nur frei gleich heraussagen , daß der schrecklich leichtfertig gehandelt hätte , weil er sich zugedrängt , wo er doch zuvor wissen konnte , daß er nicht aufkäme , aber der Vater möchte bedenken , daß auch sie mitbetroffen würde und doch an allem Geschehenen nicht die geringste Schuld trage , und wie schad es um das schöne Anwesen wär , und daß der Toni , wenngleich recht unbesinnt , doch sein Einziger sei - und so bettelte und schmeichelte sie dem Alten die nötigen Ratschläge und Auskünfte ab . Was dem alten Sternsteinhofer die Zunge löste , war aber nicht etwa erwachender Gerechtigkeitssinn , der sich dagegen setzt , Unschuldige mit den Schuldigen leiden zu lassen , wer das gedacht hätte , der kannte den Alten schlecht ; dessen Inkonsequenz entfloß keiner so lauteren Quelle , sondern - mit Bedauern sei es gesagt - einem weiten , übervollen Becken menschlicher Schwachheit . Wohl widersprach es ganz und gar seinem anfänglichen Vorsatze , hübsch beiseite zu stehen und ruhig zuzusehen , wie die jungen Leute abwirtschafteten , daß er nun dem einen Teile ratend beisprang und dadurch die Fehler des anderen ausglich , aber nach wie vor blieb er gegen Toni unfreundlich , dessen Dank und Annäherung er schroff zurückwies ; das hätte dem jungen Bauern allerdings nicht schwer aufgelegen , doch als er sich ' s recht bequem zu machen dachte und die Bäuerin zu direkten Anfragen an den Vater veranlaßte , da sagte der : » Ei , du irrst wohl , das und das weiß der Toni sicher , er hat mir darüber nichts verlauten lassen . « So mußte denn jeder Angelegenheit halber vorab der Bauer seine Not klagen und eingestehen , daß er nicht auswisse , und dann die Bäuerin ihres Mannes » Übernehmen « bedauern und Abhilfe erbitten , das war es , worauf der alte Sternsteinhofer bestand , dieses Demütigen und Betteln schmeichelte seiner Eitelkeit ! Allerdings waren die jungen Sternsteinhofleut keine gemeinen Rotfüchse , sondern von einer edleren Gattung , etwa blaue , und es kostete sie einige Überwindung , sich zu solchen gefügen und schmiegenden Schlichen zu verstehen , als sie aber merkten , daß der alte Rabe auf andere Weise nicht zu bewegen war , den Schnabel aufzusperren und den Käse fallen zu lassen , ergaben sie sich darein und taten ihm seinen Willen , um den ihren durchzusetzen . Unter solchen Umständen , alles ihm zukommenden Respektes sicher , eilte es dem Alten gar nicht , seine Ausnahm unter Dach zu bringen , doch als etwa nach einem Jahre auf dem Sternsteinhofe ein Kleines zu erwarten stand , da ließ er sich die Beschleunigung des Baues sehr angelegen sein , brachte Stunden auf dem Arbeitsplatze zu und schalt und eiferte mit den Werkleuten , denn sobald das Kind oben einzog , wollte er herunterziehen ; » an Kindergeschrei fänd er in seinm Alter mehr kein Gefallen « , sagte er . XVII Mit einbrechender Nacht war der Wagen über die Brücke gedonnert und durch das Dorf gerast , man konnte nicht schnell genug den Kopf nach dem Fenster wenden , vorüber war er . Vor dem Wirtshause hatte der Wirt gestanden , in dem Fuhrmanne einen Knecht vom Sternsteinhof erkannt und , in mächtigen Sätzen nebenherrennend , ihn angerufen . » Wohin , Wastl ? « » In d ' Stadt . « » Was eilt ? « » Der Bäurin - ' n Doktor ! « Worauf die Wirtin die Hände zusammengeschlagen . » Unsre Liebe Frau steh der armen Seel bei ! « Mit frühem Morgen kehrte der Wagen wieder , und als er oben im Gehöfte anhielt , stürzte der junge Bauer stieren Blickes und wirren Haares herbei , den kleinen , vierschrötigen Mann , der abstieg , beim Arme anfassend . » Helfts , helfts , Herr Doktor , ich kann den Jammer nimmer länger anschaun ! « Der Arzt gelangte , mehr hinangedrängt und geschoben als selbst steigend , die Treppe hinauf . Drei viertel Stunden später lag oben in der dunkeln Stube , deren verhangene Fenster Licht und Luft ausschlossen , ein gar schwaches , zartes , gelbsüchtiges Kind und ein sieches Weib . Als der Doktor , sich fleißig mit dem buntseidenen Taschentuche die Stirne trocknend , vom jungen Bauer geleitet die Stiege herabkam , wollte eine Magd die folgenden Reden erlauscht haben . » Herr « , sagte der Bauer , » das wär dann , als hätt ich kein Weib . « » Euch davon zu verständigen « , sagte der Arzt , » war meine Pflicht . Ob Ihr sie überhaupt noch lange behalten werdet , weiß ich nicht , wenn Ihr sie aber bald los sein wollt , braucht Ihr bloß meinen Rat zu überhören . « Da erblickte der Bauer die Dirne , sie ward von ihm angerufen und mußte eine