in der Hand vor dem Kessel , um jetzt ein sehr hartes Brot zu essen , das ihm im Anfang nach dem Schlaraffenleben auf der paradiesischen Insel zwar nicht so recht schmecken wollte , das er aber doch trotz blutender , mit Schwielen bedeckter Hände und schlafloser Nächte der Gemeinschaft der Bukanier um jeden Preis vorzog . In New York Von einer kurzen , glücklich verlaufenen Reise an Bord eines Dampfers , besonders aber davon , was ein Heizer auf hoher See erlebt , läßt sich nicht viel Interessantes berichten . Wir beginnen daher gleich in New York , nachdem im Hafen Anker geworfen und Robert entlassen worden war . Zwar gab sich der Kapitän alle mögliche Mühe , ihn wieder anzumustern und am liebsten ganz für sich zu gewinnen , aber Robert schlug das Anerbieten rund ab . Immer schwarz berußt da unten im glühend heißen Maschinenraum stehen und von Zeit zu Zeit Kohlen in das Höllenfeuer schütten , - daran konnte er kein Gefallen finden . Hoch oben in den Mastspitzen , an Deck im sausenden Nordsturm , wo Menschenkräfte ein Nichts werden , das liebte er , das war sein Leben und dahin sehnte er sich zurück . Der Freiheitsdrang seiner Seele , verschärft durch vierzehntägige Gefangenschaft im Maschinenraum des Dampfers , brach mit ganzer Macht hervor , als ihm der Mastenwald im Hafen von New York zum erstenmal vor Augen kam . Jetzt erst war sein Wunsch erfüllt , jetzt war er in der weiten Welt und sah und staunte , ohne gleich alle neuen Eindrücke ganz in sich verarbeiten zu können . Was ihm besonders auffiel , waren die riesigen amerikanischen Flußdampfer mit den drei hoch übereinander gebauten Decks , den riesigen Schaufelrädern und dem etwa hundert Meter langen Schiffsrumpf . Daneben lagen die großen Chinafahrer , diese Riesensegelschiffe , gegen die sich die Blume von Frankreich wie eine Nußschale ausnahm . Die Unterrah eines dieser gewaltigen Segler hätte schon für das französische Schiff als Mastbaum dienen können . Auf den Dämmen an der Hafenmauer sah er dasselbe Treiben wie auf dem Baumwall in Hamburg , nur in viel größerem Umfang und außerdem malerisch belebt durch die verschiedenen Nationaltrachten der Farbigen in allen Abstufungen , der Chinesen und Orientalen . In Hamburg hatte er diese Gesichtszüge und diese Rasseeigentümlichkeiten schon kennengelernt , aber doch nur unter der alltäglichen Kleidung der Seeleute , jetzt dagegen sah er Chinesen mit langem Zopf und spitzen Schnabelschuhen , Türken mit Turban und buntemKaftan , sah Armenier im langen , dunkelbraunen Rock und Japaner mit ihrer hellen , weiten , auf große Hitze berechneten Kleidung . Alle diese Leute suchten und fanden Arbeit , schlossen und lösten neue oder ältere Verbindungen , sprachen in babylonischer Verwirrung gruppenweise durcheinander und waren mit den üblichen Arbeiten beschäftigt , die es eben nur im Hafen gibt : sie löschten und luden die Schiffe und waren an den Kränen und Umschlagplätzen tätig . Überhaupt hatte Robert von der Großartigkeit der technischen Entwicklung in Amerika bis jetzt noch keinen Begriff gehabt . Wie staunte er , als er die großen Getreide-Verladebrücken sah , riesige Eisenkonstruktionen , auf denen Eisenbahnwagen bis über die Schiffe geschoben wurden , dann öffnete sich eine Klappe , und der Weizen fiel direkt in den Laderaum . An anderer Stelle hob ein eiserner Kran spielend die schwersten Lasten aus dem Schiffsraum heraus . Riesige Ketten , jede mit einem armesdicken Haken versehen , fuhren rasselnd in die Tiefe und wurden dort an der Kiste oder Tonne , die heraufzubefördern war , festgelegt . Dann , auf ein gegebenes Zeichen , drehte ein Mann einen Hebel , und die Last hob sich federleicht empor , worauf wieder ein anderer Hebel den ganzen , fast zehn Meter hohen und ebenso breiten eisernen Kran um seine eigene Achse drehte , so daß nun die Tonne über dem bereitstehenden Wagen in der Luft schwebte und nur durch einen Druck herabgelassen zu werden brauchte . Was zehn Männer kaum in einer Stunde vollbracht hätten , das wurde hier durch das Ineinandergreifen der technischen Einrichtungen spielend in wenigen Minuten getan . Robert ging langsam , um alles zu sehen , alles zu beobachten , besonders aber , um das herrliche Gefühl der Freiheit so recht zu genießen . In seiner Tasche klapperten die Dollars , und unter seiner Mütze wirbelte es von den Plänen und Hoffnungen einer goldenen Zukunft . Jetzt erst konnte er tun oder lassen , was er wollte , konnte seinen Wunsch nach Abenteuern vollständig befriedigen und von Pol zu Pol die ganze Erde kennenlernen . Er war nun bald ein volles Jahr von Hause fort und hatte das siebzehnte Lebensjahr beinahe erreicht ; seine besten Freunde hätten in dem lang aufgeschossenen , von der südlichen Sonne braun gebrannten Matrosen mit dem ersten dunklen Flaum auf der Oberlippe und dem ganzen gereifteren Aussehen wohl kaum das Kindergesicht wiedererkannt , das er vor Jahresfrist noch zeigte . Auch die Stimme war tiefer und die Schultern waren breiter geworden , mit einem Wort , Robert hatte sich recht gut herausgemacht , und der Gedanke , nach Hamburg zurückzukehren , lag ihm fern . Ja , wenn er das Geld seines alten Freundes in der Tasche gehabt hätte ! - Aber mit leeren Händen vor den Vater treten ? - Nein und tausendmal nein . Erst mußte er es zu etwas bringen , dann sollten die Pinneberger Augen machen und sich zuflüstern : » Der Robert Kroll ist doch ein Teufelskerl , hat richtig draußen in der Welt das große Los gewonnen . « Dieser Gedanke schmeichelte ihm sehr , obwohl er dabei doch einiges Herzklopfen verspürte . Er wußte , daß das , was er wünschte , nicht das war , was er unter allen Umständen hätte tun müssen , nämlich seine alten Eltern um Verzeihung bitten und sich mit ihnen aussöhnen . Er wußte auch , wie ganz anders er in der Einsamkeit der unbewohnten Insel darüber gedacht hatte , aber - der Hang zu