Belisar um nichts , nicht einmal , « seufzte er leise , » um seine Gesundheit . Er wäre ein großer Feldherr , wenn er nicht ein so großer Held wäre . Er hat noch jede Schlacht , die er verlor , aus zu viel Heldentum verloren . « » Das kann man von dir nicht sagen , Narses « , warf Belisar bitter ein . » Nein , Belisarius , denn ich habe noch nie eine Schlacht verloren . « Eine ungeduldige Antwort Belisars ward abgeschnitten durch den Velarius , der , den Vorhang aufhebend , meldete : » Alexandros , den du nach Ravenna gesendet , o Herr , ist seit einer Stunde gelandet und fragt - « » Herein mit ihm , herein ! « rief der Kaiser , hastig von seiner Kline aufspringend . Ungeduldig winkte er dem Gesandten , von seiner Proskynesis sich zu erheben : » Nun , Alexandros , du kömmst allein zurück ? « Der Gesandte , ein schöner , noch junger Mann , wiederholte : » Allein . « » Es verlautete doch - dein letzter Bericht - wie verließest du das Gotenreich ? « » In großer Verwirrung . Ich schrieb dir in meinem letzten Bericht , die Königin habe beschlossen , sich ihrer drei hochmütigsten Feinde zu entledigen . Sollte der Anschlag mißlingen , so war sie in Italien nicht mehr sicher und bat sich in diesem Fall aus , daß ich sie auf meinem Schiff nach Epidamnus , dann hierher nach Byzanz flüchten dürfe . « » Was ich mit Freuden bewilligte . Nun , und der Anschlag ? « » Ist geglückt . Die drei Herzoge sind nicht mehr . Aber nach Ravenna kam das Gerücht , der gefährlichste unter ihnen , Herzog Thulun , sei nur verwundet . Dies bewog die Regentin , da ohnehin die Goten in der Stadt sich drohend vor dem Palaste scharten , auf mein Schiff zu flüchten . Wir lichteten die Anker , aber bald nachdem wir den Hafen verlassen , schon auf der Höhe von Ariminum , holte uns Graf Witichis mit Übermacht ein , kam an Bord und forderte Amalaswinthen auf , zurückzukehren , indem er sich für ihre Sicherheit bis zu feierlicher Untersuchung vor der Volksversammlung verbürgte . Da sie von ihm erfuhr , daß jetzt auch Herzog Thulun seinen Wunden erlegen , und aus seinem Anerbieten sah , daß er und seine mächtigen Freunde noch nicht an ihre Schuld glaubten , da überdies Gewalt zu fürchten war , willigte sie darein , mit ihm umzukehren nach Ravenna . Zuvor aber schrieb sie noch an Bord der Sophia diesen Brief an dich und sendet dir aus ihrem Schatze diese Geschenke . « » Davon später , sprich weiter , wie stehn die Dinge jetzt in Italien ? « » Gut für dich , o großer Kaiser . Das vergrößerte Gerücht von dem Aufstand der Goten in Ravenna , von der Flucht der Regentin nach Byzanz durchflog das ganze Land . Vielfach kam es schon zum Zusammenstoß zwischen Römern und Barbaren . In Rom selbst wollten die Patrioten losschlagen , im Senat einen Diktator wählen , deine Hilfe anrufen . Aber alles wäre verfrüht gewesen , nachdem die Regentin in den Händen des Witichis : nur das geniale Haupt der Katakombenmänner hat es verhindert . « » Der Präfekt von Rom ? « fragte Justinian . » Cethegus . Er mißtraute dem Gerücht . Die Verschworenen wollten die Goten überfallen , dich zum Kaiser Italiens ausrufen , ihn einstweilen zum Diktator wählen . Aber er ließ sich in der Kurie buchstäblich die Dolche auf die Brust setzen und sagte : nein . « » Ein mutiger Mann ! « rief Belisar . » Ein gefährlicher Mann ! « sagte Narses . » Eine Stunde darauf kam die Nachricht von der Rückkehr Amalaswinthens und alles blieb beim alten . Der schwarze Teja aber hatte geschworen , Rom zu einer Viehweide zu machen , wenn es einen Tropfen Gotenblut vergossen . All das hab ' ich auf meiner absichtlich zögernden Küstenfahrt bis nach Brundusium erfahren . Aber noch Besseres hab ' ich zu melden . Nicht nur unter den Römern , unter den Goten selbst hab ' ich eifrige Freunde von Byzanz gefunden , ja unter den Gliedern des Königshauses . « » Das wäre ! « rief Justinian . » Wen meinst du ? « » In Tuscien lebt , reichbegütert , Fürst Theodahad , Amalaswinthens Vetter . « » Jawohl , der letzte Mann im Haus der Amalungen , nicht wahr ? « » Der letzte . Er und noch viel mehr Gothelindis , sein kluges , aber böses Gemahl , die stolze Baltentochter , hassen aufs gründlichste die Regentin : er , weil sie seiner maßlosen Habsucht , mit der er all ' seiner Nachbarn Grundbesitz an sich zu reißen sucht , entgegentritt : sie , aus Gründen , die ich nicht entdecken konnte : ich glaube , sie reichen in die Mädchenzeit der beiden Fürstinnen zurück - genug , ihr Haß ist tödlich . Diese beiden nun haben mir zugesagt , dir in jeder Weise Italien zurückgewinnen helfen zu wollen : ihr genügt es , scheint ' s , die Todfeindin vom Thron zu stürzen : er freilich fordert reichen Lohn . « » Der soll ihm werden . « » Seine Hilfe ist deshalb wichtig , weil er schon halb Tuscien besitzt - das Adelsgeschlecht der Wölsungen hat den andern Teil - und spielend in unsre Hände bringen kann : dann aber , weil er , wenn Amalaswintha fällt , ihr auf den Thron zu folgen Aussicht hat . Hier sind Briefe von ihm und von Gothelindis . Aber lies vor allem das Schreiben der Regentin - ich glaube , es ist sehr wichtig . « Fünfzehntes Kapitel . Der Kaiser zerschnitt die Purpurschnüre der Wachstafel und las : » An Justinian , den Imperator der Römer , Amalaswintha , der Goten und Italier Königin !