Blicke erfaßt . Es bedurfte keines Wortes , er wußte , was er zu wissen brauchte . - Jetzt hatte aber auch Dorothee ihn bemerkt . Sie schrie auf wie ein Kind , das eine Biene gestochen hat , wurde kreideweiß und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen . - - Ich habe Sie erschreckt , meine teure Dorothee , sagte Faber , indem er auf sie zueilte , ihre linke Hand von den Augen zog und einen Kuß gegen den Ringfinger drückte . - Aber dieser Augenblick der Überraschung ist mir Ersatz für die langen Jahre des Entsagens . Mein ganzes Leben wird ein Dank sein für das Glück , daß Sie ihn mir gewährten . - - Indessen dies zweite Experiment , - Sie wissen , Propst , er nannte schon seine Verlobung ein Experiment , - nun , diese Überrumpelung erwies sich denn doch schier zu stark für unsere arme , kleine Dorl . Es überlief sie ein Schauder , ihre Glieder flogen , Fieberglut verjagte die tödliche Blässe auf ihrem Gesicht . Sie sind unwohl , Dorothee ! rief Faber ängstlich , führte sie auf das Kanapee , setzte sich auf einen Stuhl an ihrer Seite und faßte ihre Hand , nicht wie ein Liebhaber , sagte Adelheid , sondern wie der Arzt , welcher die Pulsschläge zählt . Sie schüttelte das Köpfchen , raffte sich zusammen , erholte sich allmählich , und als Faber nach einer Weile fragte , ob sie sich kräftig genug fühle , seine Gegenwart zu ertragen , antwortete sie mit einem Nicken . - - Das Ziel , das ich mir gesetzt hatte , ist erreicht , sagte Faber darauf , später als ich gehofft , aber sicher und ehrenvoll . Eine ausfüllende Tätigkeit wartet meiner in Berlin , eine sorglose Häuslichkeit steht mir , - Ihnen , liebe Dorothee , - dort bereitet . Freilich ist meine Zeit gemessen . Aber was bedürfen wir auch noch der Zeit ? In einer Woche , denke ich , werden wir vereint der neuen Heimat entgegenziehen . - Da sie alles so glücklich im Gange sah , hielt Adelheid , die bisher unbemerkt im Hintergrunde gestanden hatte , es an der Zeit , sich zu entfernen . Erst bei dieser Bewegung wurde die Kleine ihrer ansichtig . Sie fuhr in die Höhe , stürzte auf meine Frau zu mit einem , wie diese behauptet , geradezu irrsinnigen Blick und den Worten , den ersten , die sie sprach : Hardine , Hardine ! wann kommt Fräulein Hardine ? - Wir erwarten sie bis Mitte nächster Woche , liebe Dorothee , - beruhigte sie Adelheid und ließ die Brautleute allein . - Unten angekommen , sagte sie zu mir : Das arme Mädchen ist über die Maßen bestürzt , Eberhard . Mehr als ein Kopfnicken und Schütteln wird ihr auch im Tete-a-tete nicht abzuschmeicheln sein . Was Wunder aber auch ? Der Mann ist ihr in acht Jahren ein Fremder geworden ; ja , als Mann betrachtet , ihr auch vorher nur ein Fremder gewesen . Nun über Hals und Kopf : Wiedersehen , Hochzeit , Abreise , eine gänzlich neue Welt , und alles das ohne die getreue Beraterin , unsere Tochter Hardine . - Ich bin der Ansicht , Propst : nichts hilft einem Menschen gemütlicher über eine verlegene Situation hinweg , als im Kreise guter Freunde eine heitere Tafelei , und Adelheid und ich waren daher auch auf der Stelle einig , das Beste , was Küche und Keller boten , eilig zu einem Bewillkommungsschmause aufzutischen . Kaum daß ein Stündchen vergangen war , stieg ich die Treppe hinauf , die Gäste zu unserem Extempore einzuladen . Ich machte der Braut , die noch immer die Sprache nicht wiedergefunden zu haben schien , meine Gratulation und dem glückstrahlenden Bräutigam noch einmal mein Kompliment . Bald saßen wir alle vier behaglich um den Tisch ; das erste Fläschchen wurde entkorkt , und niemals habe ich ein freudigeres Lebehoch als das auf unsere beiden Getreuen erschallen lassen . - Nun mußte aber auch endlich unser Gast mit der Sprache herausrücken und die Fahrten und Fährnisse zum besten geben , unter welchen der Gefangene von Pirmasens sich so glücklich bis zum Königlich Preußischen Geheimen Medizinalrat durchgewunden hat . Propst , der Mann versteht zu erzählen ; simpel , anschaulich , mit Bescheidenheit , und doch nicht ohne das geziemende Selbstgefühl . - Da gab es denn einen kuriosen Wechsel von Bewunderung und Grauen , wenn man den einsamen Fremdling mit seinen Messern und Zangen so gelassen dahinschreiten sah , heute unter den Blitzen des Fallbeils , morgen unter dem Donner der Kanonen ; vorbei an Menschen , die gestern Gold waren und heute Staub sind , und an solchen , die gestern als Staub übersehen und morgen als Gold vergöttert werden . Was solch eine Revolution zu sagen hat , das ist mir wahrlich erst durch meinen Mosjö Per-sé recht klar geworden , Propst ! Die Nacht hindurch würden Adelheid und ich mit gespanntem Ohr gelauscht haben . - Aber freilich , ein anderes sind ein paar im Grunde doch fremde alte Leute , und ein anderes eine junge , bängliche Braut . Die arme kleine Dorl saß stumm und blaß , Hände und Blicke im Schoß , und berührte keinen Bissen noch Tropfen . Eigentlich kam es mir vor , als hätte sie von all den Mordgeschichten und Geschäften nicht ein Sterbenswort gehört und an ganz was anderes dabei gedacht . Der Erzähler aber dankte ihr dieses angstvolle Erstarren im Rückblick auf die Gefahren , die er fern von ihr durchlebt hatte . Er drückte ihr die Hand und schwenkte geschickt in ein Gebiet , in welchem das schwächlichste Frauenzimmer sich allezeit erholt . Die revolutionären Damenmoden wurden aufs Tapet gebracht ; das gesellige Treiben , erst in Paris , dann in Berlin ; Namen wurden genannt , als die von Gönnern und Freunden , bei deren Klange dem vormaligen Schenkjüngferchen wohl das